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Tod des Frankfurter Oberbürgermeisters Walter Möller, 16. November 1971

Der Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt am Main, Walter Möller (geb. 1920), stirbt im Alter von 51 Jahren. Der gebürtige Frankfurter, der bereits im Mai 1971 nach der Eröffnung eines Freibades im Stadtteil Eschersheim einen Infarkt erlitten hatte, erliegt auf der Rückfahrt nach einer Unterredung mit dem hessischen Finanzminister (und späteren Nachfolger im Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters) Rudi Arndt (1927–2004; SPD) in Wiesbaden einem weiteren Herzanfall. Möller war nach einem mehrwöchigen Klinikaufenthalt am 22. Juni aus dem Frankfurter Nordwestkrankenhaus entlassen worden, hatte in Bad Orb eine Kur, und anschließend seinen Jahresurlaub angetreten. Nach viermonatiger Pause war er Anfang September 1971 in den Dienst zurückgekehrt, zunächst mit der Ankündigung, trotz bewussten Verzichts auf einige nebenamtliche Zusatzbelastungen wie Ehrenämter und Aufsichtsratsposten, sich mit Blick auf die Kommunalwahlen im Jahr 1972 „mit voller Kraft wieder in die Arbeit zu stürzen“ und sich im Wahlkampf „kein Pardon“ zu geben. Für den Jahresbeginn 1972 habe er immerhin aber noch eine weitere Kur eingeplant. Besonders die in Zusammenhang mit der geplanten Gebietsreform zur Schaffung einer Regionalstadt Frankfurt (sogenannter Möller-Plan) anstehenden Gespräche mit Gemeindevertretern, aber auch mit den Spitzen der Landespolitik standen im September 1971 auf der Agenda des Frankfurter Stadtoberhaupts. Möller erklärte gegenüber der Presse, er glaube, „nach der angekündigten Kur den doppelten Belastungen der Arbeit für Stadt und Partei wieder gewachsen zu sein.“1 Leider sollte er sich irren.

Kurz nach 23 Uhr bricht Möller zu Beginn der Heimreise nach Frankfurt noch im Stadtgebiet von Wiesbaden im Fond seines Dienstwagens zusammen. Seine Frau, die ihn auf der Fahrt zu dem privaten Besuch bei Rudi Arndt begleitet, weist den Fahrer an, den sterbenden Möller in das Wiesbadener St.-Josef-Krankenhaus zu bringen. Dort können die Ärzte nur noch den Tod des SPD-Politikers feststellen. Am Samstag, den 20. November 1971 nehmen zahlreiche Mitglieder des hessischen Kabinetts, Frankfurter Ehrenbürger und die Bürgermeister der Nachbarstädte an einer Trauerfeier für Walter Möller in der Frankfurter Paulskirche teil. Bürgermeister Wilhelm Fay (1911–1980; CDU), der hessische Ministerpräsident Albert Osswald (1919–1996; SPD) und Bundeskanzler Willy Brandt (1913–1992; SPD) ehren den Verstorbenen in ihren Reden als einen Weichensteller für die zukünftigen Geschicke der Mainmetropole (Fay), als unermüdlichen „Motor kommunalpolitischer Initiativen“, dessen Streben stets dem Interesse des Gemeinwohls galt (Osswald), und als besonders aktives Mitglied des Bundesparteirates der SPD und „profilierten Sozialdemokraten eigener Prägung“, der sich mit seinem Wirken Respekt und Achtung auch über die Grenzen Frankfurts und Deutschlands hinaus erworben habe (Brandt).2 Walter Möller hatte das Amt des Frankfurter Oberbürgermeisters erst am 11. Juni 1970 übernommen.
(KU)


  1. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4.9.1971, S. 30.
  2. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.11.1971, S. 21.
Belege
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„Tod des Frankfurter Oberbürgermeisters Walter Möller, 16. November 1971“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/1303> (Stand: 16.11.2020)
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