Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Schwabendorf

Ortsteil · 293 m über NN
Gemeinde Rauschenberg, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

8,5 km nordwestlich von Kirchhain

Lage und Verkehrslage:

Straßendorf in einer Südwest-Nordost ziehenden Talmulde oberhalb eines in den Wadebach einmündenden Bachlaufs. Ausgeprägte bausoziale Gliederung: nordwestliche Häuserzeile mit durchweg größeren, mehrere Gebäude umfassenden Hofgrundstücken auf der Sommerseite ("Bauernseite"); südöstliche Häuserzeile mit kleinen, jeweils eine Gebäudeeinheit umfassenden Hofgrundstücken (zumeist Wohnstallhäuser) auf der Winterseite ("Handwerkerseite"); Nebengebäude auf der angerartigen Freifläche zwischen beiden Häuserzeilen. Nordwestlich abgesetzt kleine Gruppensiedlung an der Straße Rauschenberg-Bracht sowie entlang einer abzweigenden Stichgasse.

Die Straße Rauschenberg-Bracht kreuzt 0,5 km nordwestlich Schwabendorf die B 3 (alte Landstraße Frankfurt-Kassel)

Siedlungsentwicklung:

Als Hugenottenkolonie 1687 auf Anordnung der landgräflich Regierung in Kassel gegr. Ansiedlung von 30, größtenteils aus der Dauphiné stammenden franz. Familien in der zu Rauschenberg gehörigen Flur "uf der Schwob". Ungünstige Standortbedingungen und Bodenverhältnisse gestalten die Ansiedlung äußerst schwierig; zudem führt die Inbesitznahme und Einrichtung der angewiesenen Ländereien zu langen Auseinandersetzungen mit der Gemeinde Rauschenberg. 1690 siedeln 8 Familien von Sch. in die nass. Kolonie Charlottenburg über.

Gründung der Tochterkolonien -> Hertingshausen 1695 (3 Familien) und -> Wolfskaute 1699 (4 Familien); 1699 Aussiedlung von weiteren 8 Pers. nach Rauschenberg. Seit 1700 Zuzug neuer Waldenserfam. in Sch., seit ca. 1710 auch deutscher Familien Starkes Wachstum nach 1724 bis Mitte 19. Jh.

Bezeichnung der Siedlung:

  • Colonie 1687

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Als Hugenottenkolonie 1687 auf Anordnung der landgräflich Regierung in Kassel gegr. Ansiedlung von 30, größtenteils aus der Dauphiné stammenden franz. Familien in der zu Rauschenberg gehörigen Flur „uf der Schwob“. Ungünstige Standortbedingungen und Bodenverhältnisse gestalten die Ansiedlung äußerst schwierig; zudem führt die Inbesitznahme und Einrichtung der angewiesenen Ländereien zu langen Auseinandersetzungen mit der Gemeinde Rauschenberg. 1690 siedeln 8 Familien von Sch. in die nass. Kolonie Charlottenburg über.
  • Gründung der Tochterkolonien -> Hertingshausen 1695 (3 Familien) und -> Wolfskaute 1699 (4 Familien); 1699 Aussiedlung von weiteren 8 Pers. nach Rauschenberg. Seit 1700 Zuzug neuer Waldenserfam. in Sch., seit ca. 1710 auch deutscher Familien Starkes Wachstum nach 1724 bis Mitte 19. Jh.

Umlegung der Flur:

1932/35

Älteste Gemarkungskarte:

1742

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3491978, 5640608
UTM: 32 U 491907 5638792
WGS84: 50.9007266° N, 8.884909973° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534017060

Flächennutzungsstatistik:

  • 1687 besteht das Portionsland aus ca. 600 Morgen 1745 (Hektar): ca. 145 Ackerl., ca. 55 Grünland. 1838 (Kasseler Acker): 500 stellbares Land, 30 Wiesen. 1885 (Hektar): 233, davon 180 Ackerl., 15 Wiesen, 50 Triesche. 1961 (ha): 304.
  • 1885 (Hektar): 233, davon 180 Acker (= 77.25 %), 15 Wiesen (= 6.44 %), 0 Holzungen
  • 1961 (Hektar): 303, davon 0 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1687: 35 Familien 1747: 38 Haushalte 1812: 38 Hs., 342 Einwohner 1838: 445, 1885: 315, 1925: 334, 1939: 338, 1950: 505, 1961: 425 Einwohner - 1861: 339 evangelisch-ref., 10 evangelisch-huth., 10 römisch-katholisch Einwohner 1961: 391 evangelisch, 31 römisch-katholisch Einwohner - 1746: 16 Strumpfweber, 6 Wollkämmer, 5 Wollspinner, 4 Leineweber. 1780: 25 Strumpfweber, 2 Leineweber, 2 Hutmacher, 1 Schneider, 1 Schuhmacher. 1838 (Familien): 15 Ackerbau, 15 Gewerbe, 34 Tagelöhner 64 nutzungsberechtigte Ortsbürger. 1858: 1 Schreiner, 2 Leineweber, 3 Zimmerleute, 10 Maurer genannt 1961 (Erwerbspersonen): 104 Land- und Forstwirtschaft, 88 Produzierendes Gewerbe, 17 Handel und Verkehr, 18 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1885: 315, davon 315 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1961: 425, davon 391 evangelisch (= 92.00 %), 31 katholisch (= 7.29 %)

Diagramme:

Schwabendorf: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Bis 1800 unterstand die Kolonie der Franz. Kanzlei der landgräflich Reg. in Kassel; dann Amt Rauschenberg.
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Rauschenberg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Kirchhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kirchhain
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Justizamt Rauschenberg
  • 1867: Amtsgericht Rauschenberg
  • 1932: Amtsgericht Kirchhain

Gemeindeentwicklung:

Am 31.1.1971 wurde Schwabendorf im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil der neu gebildeten Stadtgemeinde Rauschenberg eingegliedert.

Kirche und Religion

Pfarrzugehörigkeit:

Eingepfarrt seit 1699: Kolonie Wolfskaute.

seit 1711 reformierte Pfarrei, 1715-21 mit der Marburger reformierten Gemeinde verbunden

1825-1840: reformierte Gemeinde Bracht Vikariat von Schwabendorf

Bis 1848 ist Hertingshausen, vor 1926 die reformierte Gemeinde Wohra Filiale

Bekenntniswechsel:

1689 französisch-reformierter Pfarrer, von 1721-1820 französischer Pfarrer

Wirtschaft

Wirtschaft:

Tabakanbau nach 1687. Starkes Überwiegen des Wollgewerbes im 18. Jahrhundert nach Zuzug von Strumpfwirkern aus dem Pragelas-Tal; im Verlagssystem erhält sich das Gewerbe bis ins 19. Jahrhundert; Gründung einer Faktorei für Häkel- und Strickarbeiten in Verbindung mit der Wollspinnerei Geil, Gießen. Ende 19. Jahrhundert kommt das Textilgewerbe vollständig zum Erliegen

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Schwabendorf, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9316> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde