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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 50. Rosenthal

Bracht

Stadtteil · 242 m über NN
Gemeinde Rauschenberg, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

12,5 km nordwestlich von Kirchhain

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss beiderseits des Roten Wassers im Talgrund. Westlich Siedlungskomplex auf einer Niederterrasse. Kirche mit Wehrkirchhof am Südwest-Rand des Ortes. Im Nordwesten ehemaliges landgräfliches Jagdschloß (Forstamt).

An der Straße Schönstadt - Rosenthal (bis Bracht im Zuge der alten Amtsstraße Marburg - Rosenthal)

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Forsthaus Bracht Nord
  • Forsthaus Hirschberg
  • Forsthaus Schwarzenborn
  • Forsthaus Merzhausen
  • Waldmühle
  • Wüstung Altenbracht
  • Wüstung Hof am Börnchesrain ca. 3 km nördlich Bracht (Keramik und Hüttenlehm des 8. Jahrhunderts).
  • Wüste Siedlung im Oberndorfer Grund 1 km nördlich Bracht (karolingische Keramik).
  • Eine weitere wüste Siedlung wird ca. 0,5 km nordwestlich Bracht vermutet. Flurnamen Marbach.
  • Bracht (Siedlung)

Umlegung der Flur:

1913/1920

Älteste Gemarkungskarte:

1721

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3489390, 5642720
UTM: 32 U 489320 5640903
WGS84: 50.91966955° N, 8.848059553° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534017020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 1040 stellbares Land, 320 Wiesen, 50 Gärten
  • 1885 (Hektar): 373, davon 260 Acker (= 69.71 %), 93 Wiesen (= 24.93 %), 0,4 Holzungen (= 0.00 %)
  • 1961 (Hektar): 2824, davon 2136 Wald (= 75.64 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 38 Hausgesessene
  • 1630: 2 dreispännige, 4 zweispännige, 9 einspännige Ackerleute, 9 Einläuftige
  • 1630: 24 Hausgesessene
  • 1681: 25 hausgesessene Mannschaften
  • 1747: 60 Hausgesessene
  • 1766: 2 Schuster, 1 Strumpfweber, 4 Schmiede, 11 Leineweber, 5 Wagner, 1 Schneider, 2 Müller, 2 Wirte, 1 Schreiner, 1 Ziegelbrenner, 5 Tagelöhner
  • 1766: 314 Einwohner
  • 1838 (Familien): 52 Ackerbau, 10 Gewerbe, 27 Tagelöhner 70 nutzungsberechtigte Ortsbürger, 19 Beisitzer
  • 1861: 479 evangelisch -lutherische, 19 evangelisch-reformierte, 1 römisch-katholische Einwohner
  • 1885: 444, davon 443 evangelisch (= 99.77 %), 1 katholisch (= 0.23 %)
  • 1961 (Erwerbspersonen): 226 Land- und Forstwirtschaft, 131 Produzierendes Gewerbe, 40 Handel und Verkehr, 40 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 812, davon 692 evangelisch (= 85.22 %), 113 katholisch (= 13.92 %)

Diagramme:

Bracht: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • um 1540: Gericht Schönstadt
  • 1346 und 1538: mainzisches Amt Rosenthal
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Rosenthal
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • 1821: Landgericht Marburg
  • 1850: Justizamt Marburg
  • 1867: Amtsgericht Marburg

Herrschaft:

1540 sagt der Rosenthaler Schultheiß aus, Bracht habe früher zu seinem Amt gehört. Als einziger Ort des Gerichtes Schönstadt stand Bracht mit der hohen und niederen Gerichtsbarkeit dem Landgraf allein zu.

Gemeindeentwicklung:

1928: Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Staatsforst Bracht

Am 31.1.1971 wurde Bracht im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil der neu gebildeten Stadtgemeinde Rauschenberg eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1241 überläßt das Erzstift Mainz dem Graf Siegfried von Battenberg einen Hof in Bracht.
  • Um 1248 ist eine mainzische Hufe in Bracht. verpfändet.
  • 1247 vergleichen sich die Vögte von Keseberg und die Hessen von Diffenbach über Güterbesitz in Bracht.
  • 1254 übereignen die von Lotheim dem Kloster Haina Güterbesitz. Weitere Erwerbungen des Kloster 1302 und 1411, darunter ein Hof.
  • 1265 bestätigt Graf Wittkind von Naumburg den Verkauf von Güterbesitz an den Deutsche Orden Marburg. 1358 verfügt der Deutsche Orden über 2 Höfe mit 34 Morgen Ackerland und ca. 5 Morgen Wiesen.
  • 1273 verpachtet das Stift Wetzlar 1 Hufe in Bracht an Konrad von Marburg als Teil der Villikation Bürgeln-Cölbe; 1334 gegen einen Jahreszins an die Landgrafen verkauft.
  • 1309 verkauft der Ritter Volpert von Frohnhausen Kloster Wiesenfeld seinen Anteil an Güterbesitz; 1527 verfügt das Kloster über ein Gut zu Bracht.
  • 1415 haben die Grafen von Nassau-Dillenburg Güterbesitz in Bracht an die von Treisbach und von Lützelkolbe, 1431 an die von Dersch verlehnt. 1482 und 1514 haben die Marburger Kugelherren Güterbesitz in Bracht.
  • Die Brachter Mühle ist 1273 Zubehör der Villikation Bürgeln-Cölbe; damals vom Stift Wetzlar an Konrad von Marburg mit der zugehörigen Hofstätte verpachtet, 1334 an die Landgrafen verkauft.

Zehntverhältnisse:

Über Zehntrechte in Bracht verfügen 1415 die Grafen von Nassau-Dillenburg (Lehen der von Treisbach; 1431: Lehen der von Dersch) und 1421 das Erzstift Mainz (Lehen der von Hatzfeld; 1439: Lehen der von Bicken)

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Pfarrzugehörigkeit:

1630: Filiale, später offenbar Vikariat von Schönstadt (1664-1690)

1690-1732 Vikariat von Betziesdorf, 1732-1748 von Rauschenberg, 1748-1796 von Betziesdorf, 1796-1825 von Wetter, 1825-1848 von Schwabendorf, 1848-1921 von Rauschenberg

Seitdem Filiale von Schönstadt.

Patronat:

1577 landgräflich

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Erster evangelischer Pfarrer: Johann Becker (Pistorius) 1546

Reformierter Bekenntniswechsel: 1607, 1624 wieder lutherisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Bentreff

Juden:

Jude(n) 1657 genannt

Wirtschaft

Mühlen:

1630 verfügt die landgräfliche Mühle in Bracht über 1 Mahlgang

1823 über 1 Mahl- und 1 Schlaggang

1823 befindet sich oberhalb von Bracht eine Schleifmühle.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Bracht, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/8298> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde