Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Wanfried

Stadtteil · 170 m über NN
Gemeinde Wanfried, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Stadt

Lagebezug:

8 km östlich von Eschwege

Lage und Verkehrslage:

Das durch Eingemeindung vergrößerte Stadtgebiet erstreckt sich im Werratal und im östlichen Teil des Schlierbachwalds, unmittelbar an der thüringischen Landesgrenze.

Chausseen nach Eschwege und in die thüringischen Orte Treffurt und Eigenrieden. Hauptverkehrsstraßen sind die Bundesstraßen B249 und B250, die östlich der Ortslage aufeinandertreffen. Außerdem ist Wanfried über die Landesstraße L3244 und die Kreisstraße K13 an das Straßenverkehrsnetz angebunden.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Meinhard/Schwebda – Treffurt ("Werratalbahn II") (Inbetriebnahme der Strecke 1.5.1902) (Strecke zwischen 1945 und 1958 stillgelegt).

Siedlungsentwicklung:

Die Burg in Wanfried entstand vermutlich schon um 1000 auf einem alten Königshof.

Das vorherige Dorf Wanfried erschien 1527 als Flecken. Zur Stadt erhoben wurde dieser aber erst 1608.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3582103, 5672546
UTM: 32 U 581996 5670716
WGS84: 51.18198012° N, 10.17315812° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636013050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1244, davon 946 Acker (= 76.05 %), 80 Wiesen (= 6.43 %), 88 Holzungen (= 7.07 %)
  • 1961 (Hektar): 2059, davon 961 Wald (= 46.67 %)

Einwohnerstatistik:

Diagramme:

Wanfried: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1015: in pago Westergowi
  • 1365: Amt Wanfried
  • 1627-1834: Landgrafschaft Hessen-Rotenburg (sogenannte Rotenburger Quart), teilsouveränes Fürstentum unter reichsrechtlicher Oberhoheit der Landgrafschaft Hessen-Kassel bzw. des Kurfürstentums Hessen
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Wanfried
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Wanfried
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Harz-Departement, Distrikt Heiligenstadt, Kanton Wanfried
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Wanfried
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Eschwege

Gericht:

  • 1821-1834: Fürstlich Rotenburgisches Justizamt Wanfried
  • 1836: Kurfürstliches Justizamt Wanfried
  • 1867: Amtsgericht Wanfried
  • 1879: Amtsgericht Wanfried
  • 1932: Amtsgericht Eschwege

Herrschaft:

1505 wurde ein Amtmann genannt (Huyskens 746). 1608 verlieh Landgraf Moritz der Gelehrte Wanfried Stadt und Marktfreiheit (Ledderhose, Kleine Schriften 3, S. 220 Anhang XV.)

Gemeindeentwicklung:

Am 1.10.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung der Gemeinde Völkershausen in die somit erweiterte Stadt Wanfried. Zu deren weiterer Entwicklung s. Wanfried, Stadtgemeinde. Sitz der Stadtverwaltung ist Wanfried.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Das Dorf gehörte früher zum Stein, 1342 aber schon dem Landgrafen (Huyskens 66).
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Pfarrer (1342)
  • Pfarrkirche S. Viti (1487) (Huyskens 159)

Patronat:

Das Patronat besaß 1487 das Cyriakusstift in Eschwege.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Nikolaus Euander 1529

Kirchliche Mittelbehörden:

Die Pfarrkirche s. Viti (1487) stand unter dem Offizial von Heiligenstadt.

Die spätere protestantische Pfarrei gehörte 1872 zur Klasse Eschwege.

Juden:

Provinzial-Rabbinat Kassel

1573: 2 Schutzjuden; um 1610: 21 jüdische Familien; 1745: 102 Juden (21 Familien); 1835: 122; 1861: 139; 1905: 80; 1932/33: 33 Juden

Die jüdische Gemeinde Wanfried bestand rund 300 Jahre, im einem Gebäude neben der Synagoge in der Windgasse findet sich neben hebräischer Schrift die Jahreszahl 1626.

Im 19. Jahrhundert setzte aufgrund des wirtschaftlichen Niedergangs der Stadt eine starke Abwanderung der Juden ein.

Die Synagoge wurde 1890 errichtet oder umgebaut, zuvor war die Synagoge wohl in dem Nachbargebäude, einem alten Fachwerkhaus, in der Windgasse untergebracht gewesen. Sie Synagoge wird abgerissen.

Im Ort gab es eine Israelitische Elementarschule, mindestens seit 1869. Aufgrund geringer Schülerzahlen wurde sie 1904 geschlossen. Stattdessen wurde eine israelitische Privatschule eröffnet, die allerdings 1909 mangels Schülern geschlossen wurde.

Schwerpunkt der beruflichen Tätigkeit war der Handel.

Im Ort gibt es einen jüdischen Friedhof; er liegt außerhalb der Stadt auf einer Anhöhe. (alemannia-judaica)

Kultur

Schulen:

Schulmeister: Johannes Hosbach jun. 1558-1561

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Die Zent Wanfried bestand außer Wanfried selbst aus dem eichsfeldischen Dorf Döringsdorf sowie den 6 Dörfern des Gerichts Völkershausen, nämlich Altenburschla, Heldra, Helderbach, Rambach, Völkerhausen und Weißenborn (ZHG 2, 241).

Das Amt Wanfried umfasste 1585 dieselben Dörfer wie die erwähnte Zent, allerdings fehlten Völkershausen und Döringsdorf, während Groß(en)burschla dazu zählte.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Wanfried, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/7192> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde