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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 70. Niederweimar

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Bellnhausen (Lahn)

Ortsteil · 174 m über NN
Gemarkung Bellnhausen, Gemeinde Fronhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

12 km südlich Marburg

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss auf Mittelterrassenkante am linken Lahnufer. Nördlich flankierend ein Wasserriss. Hangparellele Ausrichtung der Siedlung. Kirche am Westrand des Ortes. Lockere Bebauung zur B 3 hin sowie entlang dieser Straße Moderne Wohnsiedlung im Südosten.

Lage an der B 3 (alte Landstraße Frankfurt - Bremen bzw. Kassel), heute östlich durch die neue B 3 umgangen.

Ersterwähnung:

1254

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Umlegung der Flur:

1926/1928

Älteste Gemarkungskarte:

1839/1842

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3480190, 5618830
UTM: 32 U 480123 5617022
WGS84: 50.70467677° N, 8.718519153° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

534009010

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 310 stellbares Land, 92 Wiesen, 41 Gärten, 12 Triesche
  • 1885 (Hektar): 325, davon 162 Acker (= 49.85 %), 49 Wiesen (= 15.08 %), 87 Holzungen (= 26.77 %)
  • 1961 (Hektar): 327, davon 81 Wald (= 24.77 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1467: 14 Hausgesessene
  • 1577: 31Hausgesessene
  • 1630: 28 Hausgesessene 1681: 28 hausgesessene Mannschaften
  • 1630: 6 zweispännige, 10 einspännige Ackerleute, 12 Einläuftige
  • 1744: 250 Einwohner
  • 1744: 4 Strumpfweber, 1 Bäcker, 1 Schneider, 1 Drechsler, 2 Zimmermeister, 12 Leineweber, 1 Maurer, 2 Schmiede, 2 Schäfer, 1 Wirt, 38 Korbmacher, 10 Tagelöhner
  • 1838 (Familien): 40 Ackerbau, 3 Gewerbe, 7 Tagelöhner 44 nutzungsberechtigte, 6 nicht nutzungsberechtigte Ortsbürger, 6 Beisitzer
  • 1861: alle Einwohner evangelisch-lutherisch
  • 1885: 300, davon 283 evangelisch (= 94.33 %), 0 katholisch, 17 andere Christen (= 5.67 %)
  • 1961 (Erwerbspersonen): 88 Land- und Forstwirtschaft, 56 Produzierendes Gewerbe, 24 Handel und Verkehr, 23 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 532, davon 321 evangelisch (= 60.34 %), 40 katholisch (= 7.52 %)
Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Als eigenes Gericht 1312 (Schöffen) und 1429 (Schultheiß) zu erschließen. 1492 und 1494 zum Gericht Lohra, 1571 zum Gericht Oberwalgern gerechnet, das seit 1572 vom Schultheißen des Gericht Lohra mitversehen wird. Mit der Vereinigung der Gericht Lohra und Fronhausen, die 1686 abgeschlossen ist, gehört Bellnhausen zu den Orten des Amtes Fronhausen.
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Marburg, Kanton Ebsdorf
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Marburg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Marburg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf

Altkreis:

Marburg

Gericht:

  • Das 1312 zu erschließende Gericht des Stifts Wetter dürfte auf der umfangreichen, ursprünglich vielleicht das ganze Dorf umfassenden Grundherrschaft des Stifts erwachsen sein. Vor 1377 haben die Landgrafen als Stiftsvögte die Gerichtsherrschaft dem Stift offensichtlich schon entzogen. Das Dorf wird 1377 mit allen Rechten vom Landgraf an Kraft Vogt von Fronhausen verpfändet. Später Dorf des Gericht Oberwalgern bzw. Lohra. Wohl in Nachwirkung der einstigen Sonderstellung nehmen die Bellnhäuser Schöffen noch 1592 nicht wie die anderen Schöffen aus den Orten des Gericht am peinlichen Halsgericht in Marburg teil.
  • Schöffen 1312, Schultheiß 1429.
  • 1821: Justizamt Fronhausen
  • 1867: Amtsgericht Fronhausen
  • 1948: Amtsgericht Marburg

Gemeindeentwicklung:

Zum 1.7.1974 wurde Bellnhausen im Zuge der hessischen Gebietsreform als Ortsteil der neu gebildeten Gemeinde Fronhausen eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Umfangreiche, ursprünglich vielleicht das ganze Dorf umfassende Grundherrschaft des Stifts Wetter, die wohl auf Reichsbesitz zurückgeht. 1234 bestätigt Papst Gregor IX. den Stiftsbesitz in Bellnhausen.
  • Noch im 16. Jahrhundert ist Bellnhausen Mittelpunkt der Stiftsbesitzungen in den Dörfern an der Lahn und im Ebsdorfer Grund sowie Sitz eines Untervogts. Stadelhof (Haupthof des Stifts).
  • 1442 und später erwähnt 1299 genehmigt das Stift den Verkauf von Gütern an die Vögte von Fronhausen.
  • 1312 erwirbt der Deutsche Orden Marburg (Stifts-?)Güter von den Vögten.
  • Der Besitz des (ritterschaftlichen) Stifts Wetter umfasste noch 1630 die meisten Bauerngüter in Bellnhausen.
  • 1254 erwirbt Kloster Haina von dem Ritter Konrad dem Lahmen von Marburg dessen Güterbesitz.
  • 1494: 2 landgräfliche Pflüge in Bellnhausen

Zehntverhältnisse:

Zehnte um 1400 landgräfliches Lehen der Rau von Holzhausen

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Pleban nach 1307 [Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 2 Nr. 587]
  • Pfarrkirche, im 15. Jahrhundert auch als Sedes bezeichnet [Würdtwein, Dioecesis Moguntina 3 Nr. 286]. Wohl ursprünglich Eigenkirche des Stifts Wetter, es fehlen Beidörfer
  • Spätestens 1615 Filiale. 1780 und später: Filiale bzw. Vikariat von Hassenhausen, Status noch 1871 unklar.
  • 1926 und 1960: Vikariat.
  • Kirche kleiner romanischer Saalbau mit Rechteckchor des 13. Jahrhundert. Spätere Erneuerungen

Patronat:

1476 Stift Wetter. Seit 1527 präsentieren die Landgrafen.

Bekenntniswechsel:

Da Filial von Hassenhausen, Einführung der Reformation vermutlich unter dem Hassenhäuser Pfarrer Ludwig von Walgern vor 1532.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sedes, später Sendbezirk Ebsdorf

Dekanat Amöneburg

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Bellnhausen (Lahn), Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/8999> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde