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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 53. Schwarzenborn

Schwarzenborn

Stadtteil · 480 m über NN
Gemeinde Schwarzenborn, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Stadt

Lagebezug:

9 km nordöstlich von Neukirchen auf der Höhe des Knüllgebirges

Lage und Verkehrslage:

Stadt mit komplexem Grundriss im Talschluss eines nach Nordosten ausmündenden Nebenbachs der Efze (Grund). Die auf den Talverlauf ausgerichtete Altstadt ist eine planmäßige Anlage, deren Umriss die Form eines langgestreckten Ovals beschreibt (290 x 100 m); ehemalige Stadtmauer in Resten erhalten. Innerhalb des sehr regelhaften, engmaschigen Gassennetzes mit entsprechend dichter Bebauung wirkt nur die Lage der Kirche in der Stadtmitte asymetrisch. Vor der Kirche kleiner Markt. Auf dem Kirchhof stand 1777 eine geleitete Linde. Im Norden jüngere Siedlung beiderseits der Straße nach Grebenhagen.

Alte Amtsverbindung nach Neukirchen (über Hauptschwenda) und Oberaula (über Friedigerode).

Straße von Großropperhausen bzw. Seigertshausen nach Grebenhagen.

Ersterwähnung:

1311

Siedlungsentwicklung:

In der ursprünglichen Dorfsiedlung Schwarzenborn errichteten die Grafen von Ziegenhain vermutlich Anfang des 14. Jahrhunderts eine Burg, die als östlicher Stützpunkt des ziegenhainischen Territoriums diente (Näheres unter Befestigungen).

Vor 1329 planmäßige Erweiterung zur Stadt unter Einbeziehung von umliegenden Orten (Huningerode, Heuchelheim, Schluft, Appenhagen, Wilsberg), die als Wüstungen in der Gemarkung Schwarzenborn aufgegangen sind.

Stadtummauerung zu unbekanntem Zeitpunkt. Die Stadtmauer hatte an den Schmalseiten 2 Tore (Obertor, Untertor; abgebrochen ca. 1830/35).

Schon im 17. Jahrhundert entstand vor dem Untertor im Norden die kleine vorstädtische Siedlung (1827: 7 Wohngebäude).

Historische Namensformen:

  • Suarcenbrunnen (12. Jahrhundert) (Flurname [?], Fuldische Geschichtsblätter 11, 1912, S. 122)
  • Swarzenburnen (1311)
  • Svarcinburrin (1329)

Bezeichnung der Siedlung:

  • oppidum 1329 (Urkunden A II Kloster Immichenhain).

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Gebertsmühle,
  • Göttingsmühle,
  • Idemühle,
  • Jugendhof Hoher Knüll,
  • Kämmershagen,
  • Lager Schwarzenborn (Truppenübungsplatz),
  • (Hof) Richberg,
  • Unterste Mühle,
  • Wilsberg (Hof).
  • Wüstung Appenhagen,
  • Wüstung Heuchelheim,
  • Wüstung Huningerode,
  • Wüstung Kalenberg,
  • Wüstung Mönchehof,
  • Wüstung Schluft,
  • Wüstung Thiemensdorf,
  • Wüstung Wilsberg.

Burgen und Befestigungen:

  • Vermutlich Anfang des 14. Jahrhunderts errichteten die Grafen von Ziegenhain in der ursprünglichen Dorfsiedlung Schwarzenborn eine Burg, die als östlicher Stützpunkt des ziegenhainischen Territoriums diente (vgl. Siedlungsentwicklung).
  • Die 1340 erwähnte Burg (Schloß; siehe unter Besitz) wurde im Stadtbrand von 1469 zerstört.
  • An ihrer Stelle entstand das 1552 erbaute Rathaus, das dem Stadtbrand von 1636 zum Opfer fiel.
  • Ein angeblich auf den Trümmern des Rathauses errichteter Hof wurde noch 1826 als Burg bezeichnet (Lage am Obertor am Süd-Ende der Stadt; vgl. Scharlau, Siedlung, Karte 28). Die ehemalige Burg wäre demnach nicht in die Stadtummauerung einbezogen gewesen.

Umlegung der Flur:

1916/1923

Älteste Gemarkungskarte:

1777

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3531474, 5641737
UTM: 32 U 531387 5639920
WGS84: 50.9100759° N, 9.446444149° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634023020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1742 (Kasseler Acker): 3310, davon 1440 Feld, 677 Wiesen, 427 Wald, 766 Weide.
  • 1838 (Kasseler Acker): 2061 stellbares Land, 1637 Wiesen, 41 Gärten, 3108 Triesche, 1050 Wald.
  • 1885 (Hektar): 1686, davon 460 Acker (= 27.28 %), 512 Wiesen (= 30.37 %), 273 Holzungen (= 16.19 %)
  • 1961 (Hektar): 2341, davon 1034 Wald (= 44.17 %)
  • Gemarkungsgröße:

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 90 Haushaltungen.
  • 1626: 92 Haushaltungen. 1639: 29 Mannschaften, 9 Witwen.
  • 1681: 61 Hausgesesse, 10 Ausschuss, 2 Junggeselle.
  • 1705: 95, 1747: 109 Haushalte. 1781: 124 Häuser mit 608 Einwohnern.
  • 1781: 1 Bäcker, 1 Hutmacher, 6 Leineweber, 4 Müller, 4 Schlosser, 3 Schmiede, 3 Schneider, 3 Schreiner, 3 Schuhmacher, 1 Wagner, 1 Siebmacher, 6 einzelne Weibspersonen, so spinnen und tagelohnen, 3 Handelsjuden.
  • 1827: 7 Wohngebäude in der vorstädtischen Siedlung (vgl. Siedlungsentwicklung).
  • 1834: 983, 1885: 911 Einwohner.
  • 1838 (Familien): 114 Ackerbau, 91 Gewerbe, 78 Tagelöhner.
  • 1861: 896 evangelisch-reformierte Einwohner, 79 Juden.
  • 1885: 899, davon 870 evangelisch (= 96.77 %), 0 katholisch, 29 Juden (= 3.23 %)
  • 1925: 830, 1939: 1184, 1950: 1411, 1961: 1278 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 230 Land- und Forstwirtschaft, 105 produzierendes Gewerbe, 33 Handel und Verkehr, 149 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 1278, davon 1081 evangelisch (= 84.59 %), 183 katholisch (= 14.32 %)

Diagramme:

Schwarzenborn: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Um 1580 und später: (Ober-)Amt Ziegenhain
  • Ende 18. Jahrhundert: Amt Neuenstein
  • 1360/67: Gericht Oberaula (ziegenhainischer Anteil), Amt Schwarzenborn
  • 1807-1813: Königreich Westfalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Schwarzenborn
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Neukirchen
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

  • a) Amt und Stadtgericht Schwarzenborn:
  • 1360/67 ist die Burg Schwarzenborn Verwaltungsmittelpunkt für die Güter und Gülten des Gerichts Oberaula, soweit sie den Grafen von Ziegenhain zustehen. Amtmann ist der Schultheiß in Schwarzenborn, der zugleich die Gerichtsfunktionen im Stadtgericht wie im Gericht Oberaula in gräflichem Auftrag versah.
  • Mit der Zentralisation der Amts- und Gerichtsverwaltung in der 2. Hälfte des 16. Jahrhunderts wird der Schultheiß von Schwarzenborn ausführendes Organ des Rentmeisters zu Ziegenhain. Der Schultheiß bleibt jedoch Vorsteher im städtischen Untergericht in Zivilgerichtsfällen (Brauer, Ziegenhain, S. 85).
  • Schultheiß 1311 (Urkunden A II Kloster Immichenhain).
  • b) Spätere Gerichtszugehörigkeit von Schwarzenborn:
  • 1822: Justizamt Neukirchen.
  • Seit 1867: Amtsgericht Neukirchen.

Herrschaft:

Stadtgründung vor 1329 durch die Grafen von Ziegenhain, möglicherweise schon Anfang des 14. Jahrhunderts (Schultheiß!).

Sigillum civium Svarcinburnin von 1329/46 (Demandt-Renkhoff Nr. 125).

Stadtherrschaft stets landesherrlich (bis 1450 Grafen von Ziegenhain, seitdem die Landgrafen).

Ältere Stadtrechtsverleihung nicht bekannt.

Mit dem Übergang in die landgräfliche Herrschaft 1450 werden der Stadt die bisherigen Privilegien und Freiheiten bestätigt (Urkunden H Grafschaft Ziegenhain).

Schultheiß 1311 (vgl. Gericht).

An der Spitze der Stadt stand der Bürgermeister (1419 erstmals erwähnt), neben ihm der Rat.

1779: 6 Ratsschöffen. Als Vertreter der Gemeinde begegnen 1779 2 Vorsteher.

Gemeindeentwicklung:

1928: Eingemeindung des Gutsbezirks Kämmershagen sowie von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Oberaula.

Am 1.1.1974 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung der Gemeinde Grebenhagen (früher Altkreis Fritzlar-Homberg) in die Stadt Schwarzenborn zur neuen Stadtgemeinde. Zu deren weiterer Entwicklung s. Schwarzenborn, Stadtgemeinde. Sitz der Stadtverwaltung ist Schwarzenborn.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1340 nimmt Graf Johann von Ziegenhain Heinrich von Beisheim zum Burgmann auf seinem Schloß Schwarzenborn auf (Wenck II Urkundenbuch Nr. 342 Anm.).
  • 1343 haben Simon von Waldenstein und seine Erben ein Burglehen zu Schwarzenborn.
  • 1348 erhält Werner von Leimbach ein ziegenhainisches Burglehen von 1 Hufe in Schwarzenborn.
  • 1459 und noch 1502 ist dieses Lehen im Besitz der Kriegk (Klosterarchiv VI Nr. 1025).
  • 1348 bekennt Heinrich mit der Hand, dass er Burgmann Graf Johanns von Ziegenhain zu Schwarzenborn geworden ist, wofür der Graf ihm das Gut zu Weißenborn und 1 Hufe Land zu Schwarzenborn angewiesen hat.
  • 1349 reversiert sich Simon von Schlitz als gräflicher Burgmann zu Schwarzenborn.
  • 1364/67 beziehen die Grafen von Ziegenhain Kodengeld in Schwarzenborn von insgesamt 23 Koden, von 2 Mühlen der von Lüder und von 2 herrschaftlichen Mühlen. Ferner erhalten die Grafen Abgaben von 1 bzw. 1/2 Malter Hafer von 39 ganzen und 4 halben Hufen zu Schwarzenborn.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Pleban 1311 (Urkunden A II Kloster Immichenhain).
  • Friedhof 1364/67 genannt (S 635 ZU I).

Pfarrzugehörigkeit:

Bis 1465 war Schwarzenborn Filiale von Oberaula; seitdem selbständige Pfarrei.

Seit 1913 ist Filiale Grebenhagen (Altkreis Fritzlar-Homberg) nach Schwarzenborn eingepfarrt.

Patronat:

Seit 1465 besaßen die von Dörnberg den Patronat der Kirche.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Michael Horn ca. 1530 bis ca. 1567

Reformierter Bekenntniswechsel: 1607

Juden:

Der Ort gehört zur Gemeinde Oberaula.

1704: Schutzjude genannt.

1744: 2 Juden genannt, die vom Viehhandel lebten.

1781: 3 Handelsjuden.

1837: bestand die jüdische Gemeinde aus 42 männlichen und 38 weiblichen Personen, die vornehmlich vom Vieh- und Kleinhandel lebten.

1861: 79 Juden; 1905: 19; 1932/33: 8 Juden

Judengasse 1777 genannt (nach 1933: Kirchgasse).

Anfang 19. Jahrhundert behelfsmäßiger Betraum und Schule,

dann Synagoge (seit 1840) mit Schule, Lehrerwohnung und Judenbad.

Gebäude in 1920er Jahren an Privat verkauft.

Kultur

Historische Ereignisse:

1469 brannte die Stadt völlig ab.

1517: bis auf 6 Häuser abgebrannt.

1636: 84 Häuser und 57 Scheunen abgebrannt.

Seit 1936 befindet sich im Südwesten der Gemarkung Schwarzenborn der militärische Truppenübungsplatz Lager Schwarzenborn (s. d.).

1948-1959: Lungensanatorium,

dann wieder Truppenübungsplatz.

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Zum castrum Schwarzenborn gehörten 1360/67 Gülten und Renten des ziegenhainischen Besitzes an folgenden Orten des Gerichts Oberaula: (Wüstung) Heuchelheim, (Wüstung) Eckenrode, Friedigerode, (Wüstung) Hornsbach, Christerode, (Wüstung) Taubenscheit, Olberode, Schorbach, (Wüstung) Niederschorbach, Weißenborn, (Wüstung) Renterod, (Wüstung) Stanrode zur Hälfte, (Wüstung) Schluft, die Mühlen und ein Gut zu Grebenhagen (Altkreis Fritzlar-Homberg).

Die Burg Schwarzenborn war Amtssitz und Residenz Graf Johanns des Letzten von Ziegenhain (gestorben 1450).

1807-1813 war Schwarzenborn Kantonsort im Bezirk Hersfeld.

Wirtschaft:

Haupterwerbsquelle der Stadt war stets die Landwirtschaft, besonders die Viehzucht. Dazu Nebenerwerb.

Unbedeutendes Handwerk für örtlichen Bedarf.

Im 19. Jahrhundert Hausindustrie (Heurechen, Körbe, Hacken),

im 20. Jahrhundert Verdienst vor allem durch Wald- und Steinbrucharbeit.

Sägewerk 1932,

Lackfabrik 1949.

Mühlen:

1781: 4 Müller (vgl. Einwohnerstatistik).

Markt:

1556 verlieh Landgraf Philipp der Großmütige von Hessen der Stadt 2 Märkte.

1779: 6 Kram- und 4 Viehmärkte.

Mitte 19. Jahrhundert: 10 Viehmärkte, die vor der Stadt abgehalten wurden.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Schwarzenborn, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4746> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde