Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Übersichtskarte Hessen
Messtischblatt
5915 Wiesbaden
Moderne Karten
Kartenangebot der Landesvermessung
Historische Karten
Herzogtum Nassau 1819 – 47. Eltville

Schierstein

Stadtteil
Gemeinde Wiesbaden, Stadt Wiesbaden 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

5 km südöstlich von Wiesbaden

Lage und Verkehrslage:

Siedlung am Rheinufer.

1859 Anlage des Schiersteiner Rheinhafens, der nach dem Ersten Weltkrieg erweitert wurde.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Wiesbaden – Oberlahnstein ("Rheintalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 11.8.1856).

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3442526, 5545863
UTM: 32 U 442474 5544085
WGS84: 50.04627202° N, 8.196539785° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

414000270

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 1192, davon 582 Acker (= 48.83 %), 58 Wiesen (= 4.87 %), 259 Holzungen (= 21.73 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1885: 2423, davon 1853 evangelisch (= 76.48 %), 480 katholisch (= 19.81 %), 40 andere Christen (= 1.65 %), 50 Juden (= 2.06 %)

Diagramme:

Schierstein: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 973: comitatus Ymikonis comitis Chuningessundera vocatus (Königssunderngau)
  • 1017: in pago Cuningessundra in comitatu Reginhardi comitis (Königssunderngau)
  • 1353: Grafschaft Nassau (walramische Linie), Herrschaft Wiesbaden
  • 1787: Fürstentum Nassau-Usingen, Oberamt oder Herrschaft Wiesbaden
  • 1806: Herzogtum Nassau, Oberamt Wiesbaden, Kirchspiel Schierstein
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Wiesbaden
  • 1849: Herzogtum Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden,Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk X (Kreisamt Wiesbaden)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Amt Wiesbaden
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Wiesbaden (Main-Kreis)
  • 1926: Stadtkreis Wiesbaden
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wiesbaden
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wiesbaden
  • 1952: Kreisfreie Stadt Wiesbaden
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Wiesbaden

Altkreis:

Wiesbaden

Gericht:

  • 1343: Gericht zu Schierstein
  • 1816: Amt Wiesbaden
  • 1849: Justizamt Wiesbaden
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Wiesbaden
  • 1867: Amtsgericht Wiesbaden

Herrschaft:

1353 im Weistum des Hofes Wiesbaden genannt

Gemeindeentwicklung:

Am 1.10.1926 Eingemeindung in die Stadt Wiesbaden.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 973 schenkt Kaiser Otto II. dem von seinem Vater begründeten Chorherrenstift Hilwartshausen (nördlich von Hannoversch-Münden) Weinberghe zu Schierstein, die zu vier Fuder Wein ausreichen und eine Hofstatt mit dessen Bewohner. 993 (?) schenkt Kaiser Otto III. der bischöflichen Kirche in Augsburg einen Hof in Schierstein am Rhein im Königssundergau auf Fürsprache der Kaiserin Adelheid und der Äbtissin Mathilde von Quedlinburg. Kaiser Heinrich III. bestätigt dies 1040. 1017 bestätigt Kaiser Heinrich II. dem Kloster Michelsberg bei Bamberg die dem Kloster von Bischof Eberhard von Bamberg geschenkten Besitzungen, worunter sich ein Hof zu Schierstein befand. Diesen Hof soll ein Udalrich, Vorgänger des Grafen von Nassau, dem Kloster 1052 zu entfremden versucht haben, wurde aber durch das Urteil eines unter kaiserlichem Vorsitz tagenden Fürstengerichts gezwungen, dieses wieder herauszugeben. 1184 bestätigt Papst Lucius III. den Besitz des Klosters Bleidenstadt u.a. in Schierstein. Ende des 15. Jahrhunderts bestand das Bamberger Gut aus 77 Morgen.
  • Besitz des Trierer Stifts St. Simeon wird bereits in einer Güterliste 1098 genannt, 1155 gehörte die curits zum Kapitelsgut.
  • Zahlreiche Mainzer Stifte und Klöster hatten in Schierstein Besitz, so Liebfrauen, St. Johannes, St. Stephan, Altmünster und das Deutschordenshaus. Ferner versuchten auch das Kloster Teifenthal und Eberbach auf Schierstein überzugreifen sowie an Adligen die Herren von Schierstein und die Marschälle von Frauenstein.
  • Der entscheidende Durchbruch aber gelang des Grafen von Nassau, auch wenn sich ihre Besitzansprüche erst im 14. Jahrhundert nachweisen lassen. Da die Einwohner von Schierstein steuerpflichtige Untertanen der Grafen waren, konnten sie herrschaftliche Hoheitsanprüche durchsetzen und gliederten Schierstein ihrer Herrschaft Wiesbaden ein.
  • Die Vogtei und die Gerichtsbarkeit in Schierstein hatten um 1200 die Herren von Eppstein inne und noch im 15. Jahrhundert hatten diese Besitz in Schierstein.

Zehntverhältnisse:

Um 860 schenkt Kaiser Ludwig der Deutsche dem Kloster Bleidenstadt den Zehnten im Pfarrsprengel von Schierstein mit der Kirche. Der Zehnthof befand sich am Westrand des Ortes.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • um 860: Kirche und Pfarrsprengel
  • Die Kirche befand sich unmittelbar neben dem Zehnthof am westlichen Ortsrand. Nach einem Teileinsturz im Jahre 1732 wude die alte Kirche 1752 endgültig niedergelegt. Der an anderer Stelle errichtete Neubau war 1754 vollendet.

Patrozinien:

  • Maria (Katholische Pfarrkirche); Christoph (evangelische Kirche)

Pfarrzugehörigkeit:

Bis 1544 war Frauenstein Filiale, seitdem Pfarrei.

Patronat:

1295 wurde die Pfarrkollatur mit der Baupflicht von Erzbischof Gerhard von Mainz dem Kloster Bleidenstadt übertragen. 1705 fiel das Patronatsrecht durch einen Vergleich an den Fürst von Nassau-Usingen.

Bekenntniswechsel:

1534/35 wurden erste lutherische Predigten in Schierstein gehalten. Die Einführung der Reformation erfolgte um 1545.

In allen Orten des Herzogtums Nassau wurde ab 1817 die Union des lutherischen und reformierten Bekenntnisses zu einer evangelischen Kirche eingeführt.

Kirchliche Mittelbehörden:

Archidiakonat des Propstes von St. Peter in Mainz, Dekanat Kastel

Wirtschaft

Wirtschaft:

In der durch seine fruchtbaren Böden ausgezeichneten Gemarkung waren von jeher Weinbau und Landwirtschaft die entscheidenden Wirtschaftsformen.

Im 19. Jahrhundert Ansiedlung von industriellen Unternehmungen, u.a. der Sekt-Firma Söhnlein (Rheingold).

Markt:

1720 wurde ein Jahrmarkt an Schierstein verliehen.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Schierstein, Stadt Wiesbaden“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11146> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde