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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 41. Borken

Nassenerfurth

Stadtteil · 190 m über NN
Gemeinde Borken (Hessen), Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Hof

Lagebezug:

12 km südlich von Fritzlar.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss am West-Ufer der Ohmes auf einem Hügelvorsprung der Mittelterrasse. Ovale Wegführung im westlichen Ortsbereich schließt Kirche mit ummauertem Kirchhof (Spitzbogenportal mit Zangenmauern und Schießscharten) sowie einige Hausstätten ein. Im Osten Gutshof (ehemalige Wasserburg). Im Süden moderne Wohnsiedlung.

Straße Dillich - Trockenerfurth führt westlich am Ort vorbei.

Ersterwähnung:

1359

Historische Namensformen:

  • Nassenerffurt, Naszinerphurd (1359) [Staatsarchiv Marburg Urkunden Kloster Spieskappel, Urkunden von Falkenberg]
  • Nassinerforte, in (1378)
  • Nassenerfurte (1411)
  • Nassen Erffort (1430)
  • Naßenerffurte, zu (1469)
  • Nasßinerfford, zu (1489)
  • Naißenerfford, zcu (1511)
  • Nassenn Erpfordt (1517)
  • Nassenerfort (1567)
  • Nasenfertt (um 1570)
  • Nassen Erffurdt, Nassenerffurd, Naßenerffurdt (1575/85)
  • Nassen Erfurth (1767)
  • Erfurth, Nassen-
  • Nassen-Erfurth

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1468: Dorf.

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Wüstung Adorf

Burgen und Befestigungen:

Umlegung der Flur:

1896/1897

Älteste Gemarkungskarte:

1771

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3518349, 5654356
UTM: 32 U 518268 5652534
WGS84: 51.02407188° N, 9.260469582° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634001110

Flächennutzungsstatistik:

  • 1742 (Kasseler Acker): 790 Land, 747 Wiesen.
  • 1885 (Hektar): 512, davon 314 Acker (= 61.33 %), 95 Wiesen (= 18.55 %), 60 Holzungen (= 11.72 %)
  • 1961 (Hektar): 513, davon 53 Wald (= 10.33 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1724: 97 Personen. 1742: 44 Häuser. 1747: 52 Hausgesesse. 1775: 255 Einwohner.
  • 1834: 382, 1885: 337 Einwohner.
  • 1835: 376 evangelisch-reformierte, 4 jüdische Einwohner.
  • 1861: 352 evangelisch-reformierte, 5 jüdische Einwohner.
  • 1885: 337, davon 337 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1925: 364, 1939: 415, 1950: 735, 1961: 614, 1970: 718 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 106 Land- und Forstwirtschaft, 122 Produzierendes Gewerbe, 11 Handel und Verkehr, 23 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 614, davon 460 evangelisch (= 74.92 %), 154 katholisch (= 25.08 %)
  • Um 1570: 42 Hausgesesse.

Diagramme:

Nassenerfurth: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1569: Untergericht von Grifte
  • 1575/85: Amt Borken, niederes und peinliches Gericht Hessen
  • 1598: Landgraf Moritz belehnt die von Baumbach mit Burg und Dorf Nassen-Erfurth (Belehnungen folgen bis 1822)
  • 1742: Amt Borken, Gericht von Baumbach
  • 1807: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton und Friedensgericht Borken
  • 1814: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Borken
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis und Justizamt Homberg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Homberg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Homberg
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Fritzlar-Homberg

Gericht:

  • 1742: Gericht von Baumbach
  • 1807: Friedensgericht Borken
  • 1821: Justizamt Homberg
  • 1822: Landgericht Homberg
  • 1832: Justizamt Borken
  • 1867: Amtsgericht Borken
  • 1968: Amtsgericht Fritzlar (Zweigstelle Borken)
  • 1970: Amtsgericht Fritzlar

Herrschaft:

1537: Landgraf Philipp belehnt Hiob Schrendeisen mit Burg und Hufe zu Nassen-Erfurth, vormals von Wildungen, davor Holzsadel, mit aller Hoheit und Gericht (vgl. Besitz).

Gemeindeentwicklung:

Am 1.1.1974 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil in die Stadtgemeinde Borken (Hessen) eingegliedert.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Frühe Belege siehe Erfurth.
  • 1338/50: Die Holzsadel haben Homberger Burglehen zu Nassen-Erfurth.
  • 1357: Kloster Spieskappel vertauscht seinen Hof zu Nassen-Erfurth.
  • 1359: Johann von Falkenberg durch Erzbischof Gerlach von Mainz mit halbem Vorwerk zu Nassen-Erfurth belehnt.
  • 1365: Erzbischof Gerlach von Mainz verträgt sich mit Johann von Falkenberg, dass diesem Nassen-Erfurth wieder gehören solle.
  • 1400: Den Holzsadel ist zu Nassen-Erfurth eine Kemenate und eine Wohnung verbrannt.
  • 1430: Kloster Spieskappel erhält ein Haus mit Zubehör zu Nassen-Erfurth.
  • 1437: Landgraf Ludwig belehnt Werner Holzsadel mit Haus, Burgsitz und 3 Huben zu Nassen-Erfurth; folgend Belehnungen bis 1491.
  • 1441: Die von Linsingen verkaufen einen Getreidezins aus ihrem Gut zu Nassen-Erfurth, desgleichen Johann von Linsingen 1469 und 1483.
  • 1485: Haus der Holzsadel zu Nassen-Erfurth in den landgräflichen Kriegen zerstört.
  • 1489: Gozmar von Linsingen belehnt Heinkel Moller mit 2 Hufen zu Nassen-Erfurth, desgleichen Hans von Linsingen 1511 den Hans Moller.
  • 1512: Cyriax von Linsingen belehnt Konz Reinhard mit einem Garten zu Nassen-Erfurth.
  • 1516: Landgraf Philipp belehnt die von dem Berge mit Zehnten zu Nassen-Erfurth; desgleichen die von Wildungen mit Burg und Hofreite zu Nassen-Erfurth, die von den Holzsadel an sie verkauft wurden.
  • 1517: Johann von Wildungen verkauft einen Getreidezins zu Nassen-Erfurth an den dortigen Heiligenmeister.
  • 1526: Die von Linsingen belehnen Martin Gerhard zu Nassen-Erfurth mit einem Gulden.
  • 1590/93: Ph. W. von Cornberg erwirbt Burg Nassen-Erfurth von den Schrendeisen.
  • 1594: Derselbe verkauft die Burg Nassen-Erfurth an Landgraf Moritz.

Zehntverhältnisse:

1411: Bernhard von dem Berge durch Graf Johann von Ziegenhain mit Zehnten zu Nassen-Erfurth belehnt; folgend Belehnungen bis 1567.

1516: Landgraf Philipp belehnt die von dem Berge mit Zehnten zu Nassen-Erfurth (siehe Besitz).

1575/85: Die von dem Berge haben den großen und kleinen Zehnten zu Nassen-Erfurth als hessisches Lehen.

1591: Landgraf Wilhelm belehnt die von Cornberg mit Zehnten zu Nassen-Erfurth (vormals von dem Berge).

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1378: plebanus.

Pfarrzugehörigkeit:

1432: Pfarrei;

1557: Nassen-Erfurth versieht auch Trocken-Erfurth, 1569: auch Haarhausen.

Seit 1570: Trocken-Erfurth Vikariat von Nassen-Erfurth.

1575/85: Nassen-Erfurth versieht Trocken-Erfurth, Haarhausen Filiale.

1780: Trocken-Erfurth und Haarhausen Filiale von Nieder-Erfurth.

1835 und später: Trocken-Erfurth ständiges Vikariat, Haarhausen Filiale von Nassen-Erfurth.

Patronat:

1528, 1575/85: Patronat von Grifte.

Ende 16. Jahrhundert: Die von Baumbach kaufen Patronat von den von Meisenbug als hessisches Lehen; seitdem von Baumbach Patrone.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Christian Gleimenhain 1527 bis nach 1556 (1570?)

Kirchliche Mittelbehörden:

Archipresbyterat Mardorf.

Juden:

1835: 4, 1861: 5 Juden.

Wirtschaft

Wirtschaft:

Seit 1954 Braunkohlentagebau Altenburg IV.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Nassenerfurth, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4094> (Stand: 16.10.2018)
 
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