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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 22. Besse

Grifte

Ortsteil · 153 m über NN
Gemeinde Edermünde, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

6,5 km nordöstlich von Gudensberg

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss auf der Mittelterrasse westlich der Eder, vom Pilgerbach durchflossen. Im südwestlichen Ortsbereich Kirche mit wehrhaft ummauertem, ovalen Kirchhof. Im südöstlichen Ortsbereich Mehrzahl der Gehöfte an der von Holzhausen über die Eder nach Guxhagen führenden Straße. Nördlich des Ortskerns Siedlung Heidstadt. Südlich der Ederbrücke Mühle. Moderne Wohnsiedlungen im Westen, Süden und Norden.

Straße von Holzhausen über die Eder nach Guxhagen.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Kassel – Frankfurt am Main ("Main-Weser-Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 29.12.1849).

Endbahnhof der Eisenbahnlinie Edermünde/Grifte – Gudensberg (Inbetriebnahme der Strecke 15.7.1899) bis zur endgültigen Stilllegung der Strecke 1979.

Ersterwähnung:

1081

Historische Namensformen:

  • Grifethe, in (1081) [Fälschungen um 1100 HStAM Bestand Urk. 27 Nr. 585 und HStAM Bestand Urk. 27 Nr. 586. Druck UB Mainz 1, S. 253-258, Nr. 358]
  • Grifide, in (1123) (ebd. Nr. 514)
  • Grifede, in (1145)
  • Griffede, in (1253)
  • Griphede (1259)
  • Griffeide, de (1291)
  • Griffide (1300)
  • Gryffid (1312)
  • Griffedie, tzu (1358)
  • Griffde, von (1410)
  • Griffte (1457)
  • Grifft, von (1506)
  • Greyffe, von (1527)
  • Griftenn, von (1527)
  • Griffta (1575/85)

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1320: villa.
  • 1579: gemeine, Dorf.

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Fehrenberg,
  • Heydstadt,
  • Sinning`sche Mühle,
  • Wüstung Fährhaus,
  • Wüstung Heidholz.

Burgen und Befestigungen:

Umlegung der Flur:

1870

Älteste Gemarkungskarte:

1686

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3531232, 5675389
UTM: 32 U 531146 5673559
WGS84: 51.21257207° N, 9.44590339° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634002020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1579: 16 landgräfliche Huben.
  • 1742 (Kasseler Acker): 787 Land, 219 Wiesen und Weinberge, 56 Wald.
  • 1885 (Hektar): 617, davon 371 Acker (= 60.13 %), 68 Wiesen (= 11.02 %), 28 Holzungen (= 4.54 %)
  • 1961 (Hektar): 615, davon 36 Wald (= 5.85 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1579: 26 Rauchhühner. 1575/85: 29 Hausgesesse.
  • 1639: 18 verheiratete, 3 verwitwete Hausgesesse.
  • 1735: 34 Mannschaften. 1742: 45 1/2 Häuser. 1747: 268 Einwohner.
  • 1834: 487, 1885: 658 Einwohner.
  • 1861: alle Einwohner evangelisch-reformiert.
  • 1885: 658, davon 658 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
  • 1925: 931, 1939: 1140, 1950: 1695, 1961: 1543 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 105 Land- und Forstwirtschaft, 316 Produzierendes Gewerbe, 174 Handel und Verkehr, 98 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 1543, davon 1345 evangelisch (= 87.17 %), 175 katholisch (= 11.34 %)

Diagramme:

Grifte: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1497: Landgrafschaft Hessen, Amt Gudensberg
  • 1575/85: Amt Gudensberg; niederes und peinliches Gericht Hessen
  • 1807: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton und Friedensgericht Gudensberg
  • 1814: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Gudensberg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fritzlar
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Fritzlar-Homberg

Gericht:

  • 1407: Landgraf Hermann verschreibt den von Grifte einen Zins aus dem Gericht Grifte.
  • 1426: Gericht Grifte
  • 1436: das Gerichte. Zubehör: Grifte, Höfe Heydstadt und Fehrenbach sowie die Wüstungen Otzhausen, Schrotshausen, Mittel- und Unseligendissen. Niedere Gerichtsbarkeit: die von Grifte.
  • 1822: Justizamt Gudensberg
  • 1867: Amtsgericht Gudensberg
  • 1879: Amtsgericht Gudensberg
  • 1943: Amtsgericht Fritzlar (Zweigstelle Gudensberg)
  • 1971: Amtsgericht Fritzlar

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform der Zusammenschluss mit anderen Gemeinden zur neu gebildeten Gemeinde Edermünde.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1081: Erzbischof Siegfried I. von Mainz bestätigt dem Kloster Hasungen seinen Besitz, darunter einen Mansus in Grifte, den das Kloster von Gebhard, dem Bruder des Graf Eberhard, erhalten hat (Fälschung).
  • 1123: Erzbischof Adalbert I. von Mainz bestätigt den Besitz Kloster Hasungens, auch den Mansus, den Meginfried und dessen Sohn Gebhard von Altstat gegeben haben. Gepa von Itter schenkt dem Kloster Kaufungen eine Hufe zu Grifte.
  • 1145: Erzbischof Heinrich bestätigt dem Kloster Weißenstein seinen Besitz zu Grifte.
  • 1320: Thimo von Züschen hatte von Landgraf Otto Einkünfte zu Grifte erhalten, die er zur Schuldendeckung an den Kasseler Bürger Werner Seidenschwanz abtritt.
  • 1357: Otto von Elben erhält von Landgraf Heinrich eine Wiese zu Grifte.
  • 1358: Die von Elben übergeben dem Kloster Breitenau eine Wiese zu Grifte.
  • Kurz nach 1376: Gerlach von Linne hat 4 Hühner zu Grifte als hessisches Lehen.
  • 1417: Kloster Kaufungen verleiht eine Hube zu Grifte.
  • 1438: Eckebrecht von Grifte verschreibt aus seinem freien Gut zu Grifte.
  • 1479: Katharina Langwasser zu Gudensberg verkauft ihre Erbzahl Güter zu Grifte an ihren Bruder.
  • 1507: Die Wenzel von Grebenau verkaufen ihre Erbzahl Güter zu Grifte an Kunz Fehre.
  • 1538: Landgraf Philipp belehnt Henne Gans zu Grifte mit der Fähre zu Grifte.
  • 1649: Landgräfin Amalie Elisabeth kauft von den Grift`schen Erben (Meisenbug, von Malsburg, von Hundelshausen) Gut und Burg Grifte.

Zehntverhältnisse:

1344: Die von Grifte verschreiben dem Kloster Breitenau einen Teil ihres Unterzehnten zu Grifte.

1376: Rottzehnte zu Grifte steht durch landgräflichen Spruch dem Kloster Breitenau zu.

1552: Landgraf Philipp verkauft der Gemeinde Grifte seinen Zehnten zu Grifte, vormals Kloster Breitenau.

Ortsadel:

1252-1597.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1253: plebanus.

Patrozinien:

  • Maria

Pfarrzugehörigkeit:

Vor 1249 inkorporiert Erzbischof Siegfried von Mainz dem Kloster Breitenau die Kapelle Grifte; 1255 durch Papst Alexander IV. bestätigt.

1347 wird die Inkorporation der Kirche durch Erzbischof Gerlach erneuert.

1404 schenkt Landgraf Hermann dem Kloster Breitenau die Pfarrkirche Grifte;

1419 Inkorporation durch Papst Martin IV. erneuert.

1569: Haldorf, Guntershausen (Altkreis Kassel), Dissen und Holzhausen eingepfarrt.

1575/85: Dissen, Holzhausen/Hahn und Heydstadt Filiale von Grifte.

1780 und später: Dissen Filial; Haldorf, Holzhausen/Hahn, Neue Herberge, Heydstadt und Guntershausen (Altkreis Kassel) eingepfarrt;

1835: auch Schenke Hertingshausen (H.-Heide);

1926: auch Chausseehaus eingepfarrt; Guntershausen (Altkreis Kassel) Filial, später nach Rengershausen (Altkreis Kassel) ausgepfarrt.

1960: neben Dissen auch Holzhausen/Hahn Filiale von Grifte.

Patronat:

Patronat: bis zur Reformation Kloster Breitenau inkorporiert (vgl. Pfarrzugehörigkeit), seit 1527 landgräfliches Patronat.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Heinrich Ratz 1527 bis nach 1558, bis 1526 katholischer Kaplan

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Grifte, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4140> (Stand: 12.11.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde