Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Heddernheim

Stadtteil · 108 m über NN
Gemarkung Frankfurt-Heddernheim, Gemeinde Frankfurt am Main, Stadt Frankfurt am Main 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Römerkastell

Lagebezug:

6 km nordwestlich von Frankfurt am Main

Lage und Verkehrslage:

Siedlung am Westufer der Nidda. Kirche in zentraler Lage, moderne Siedlungsentwicklung im Südwesten (Römerstadt).

Ersterwähnung:

1132

Siedlungsentwicklung:

Zwischen Heddernheim und Praunheim befanden sich mindstens zehn römische Militärlager, die zu einem civitas-Hauptort gehörten und einen strategisch wichtigen Punkt für die Eroberung der Wetterau bildeten.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (1297);
  • Flecken (1803 )

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3474433, 5558080
UTM: 32 U 474368 5556297
WGS84: 50.15833176° N, 8.641171098° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

412000240

Frühere Ortskennziffer:

412000824

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 245, davon 174 Acker (= 71.02 %), 34 Wiesen (= 13.88 %), 0 Holzungen

Einwohnerstatistik:

  • 1834: 1503
  • 1840: 1825
  • 1846: 1996
  • 1852: 2008
  • 1858: 2026
  • 1864: 2455
  • 1871: 2412
  • 1875: 2720
  • 1885: 2847, davon 1468 evangelisch (= 51.56 %), 1285 katholisch (= 45.14 %), 25 andere Christen (= 0.88 %), 66 Juden (= 2.32 %), 3 andere (= 0.11 %)
  • 1895: 3701
  • 1905: 5117

Diagramme:

Heddernheim: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1132: Wettereiba, in der Grafschaft Siegfrieds von Nuring (in pago, qui Wetereibia dicitur, in comitatu Sigefriedi comitis de Nuringes )
  • 1787: Kurfürstentum Mainz, Dompropsteilischer Ort (zuständig war ein Amtsverweser)
  • 1803: Fürstentum Nassau-Usingen, Oberamt Höchst und Königstein
  • 1816: Herzogtum Nassau, Amt Höchst
  • 1849: Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX (Kreisamtssitz: Höchst, Stadt)
  • 1854: Herzogtum Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Amt Höchst
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Wiesbaden
  • 1886: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Frankfurt am Main
  • 1910: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Stadtkreis Frankfurt am Main
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Frankfurt am Main
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Frankfurt am Main
  • 1952: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreisfreie Stadt Frankfurt am Main
  • 1968: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Frankfurt am Main

Altkreis:

Frankfurt am Main, Stadt

Gericht:

  • 1278 sind die Herren von Eppstein im Besitz der Vogtei, bis 1433 gehört Heddernheim zur eppsteinschen Herrschaft Sulen, nach der Teilung 1433 zur eppsteinschen Herrschaft Homburg.
  • 1619: Langericht Stulen
  • 1816: Amt Höchst
  • 1849: Justizamt Höchst
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Höchst
  • 1867: Amtsgericht Höchst am Main
  • 1879: Amstgericht Frankfurt am Main

Herrschaft:

Ende des18. Jahrhunderts stand Heddernheim unter der Landeshoheit des Mainzer Erzstifts.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.4.1910 Eingliederung in den Stadtkreis Frankfurt am Main.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1132 schenkte der Mainzer Erzbischof Adalbert dem Domstift St. Martin zehn Hufen Land und den Pfarrsitz in Praunheim sowie die Zehntrechte u.a. in Heddernheim. Mit den erworbenen Rechten belehnte das Mainzer Domkapitel die Herren von Praunheim.
  • 1278 reversiert der Schultheiß Heinrich von Frankfurt die Belehnung mit der Vogtei in Heddernheim durch Gottfried III. von Eppstein. Im eppsteinschen Lehnsverzeichnis (1282/83) sind als Aktivlehen der Eppsteiner eine Manse und Fischereireichte in Heddernheim verzeichnet. 1297 erwirbt Kloster Haina eine Wiese in Heddernheim von Heinrich, genannt Steinhusere.
  • In der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts war der Mainzer Dompropst Ortsherr und im Besitz der hohen und niederen Gerichtsbarkeit, die mit dem Besitz ertragreicher Güter verknüpft war. Konflikte entstanden dadurch, dass der Vogt (Eppstein) ein Hof-, der Grundherr (Mainzer Domkapitel) ein Dorfgericht mit jeweils eigenen Schultheißen unterhielten. Die schon zwischen den eppsteinischen Untervögten und den Rittern von Praunheim als Lehnsträgern des Dompropstes ausgetragenen Konflikte verschärften sich, als das Mainzer Erzstift 1581 zusammen mit der Herrschaft Königtstein die Vogteirechte übernahm. 1764 gab der Dompropst in einer Generalverordnung seiner Landeshoheit Ausdruck, dem Erzstift stünde lediglich die Blutgerichtsbarkeit zu.

Ortsadel:

1242: Rupert von Heddersheim

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1512: Michaeliskapelle
  • Um 1740 Baubeginn der Pfarrkirche St. Peter und Paul (Neubau 1893)

Patrozinien:

  • Peter- und Paul

Pfarrzugehörigkeit:

1132 ist Heddernheim Filialort von Praunheim. 1746 Gründung der Pfarrei Heddernheim

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation vermutlich in den 1530er Jahren. Obwohl der Ort seit 1581 zu Kurmainz gehörte, blieb er evangelisch.

Juden:

Ab dem frühen 18. Jahrhundert ist für Heddernheim eine relativ große jüdische Gemeinde bezeugt, später war sie zeitweise die größte im Herzogtum Nassau.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Heddernheim, Stadt Frankfurt am Main“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11722> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde