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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 50. Rosenthal

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Gemünden (Wohra)

Stadtteil · 255 m über NN
Gemarkung Gemünden, Gemeinde Gemünden (Wohra), Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

15 km südöstlich von Frankenberg (Eder)

Lage und Verkehrslage:

Kleine Stadt mit gestrecktem Grundriss am Ostrand des Burgwalds im Tal der Wohra, die hier den Holzbach und die Schweinfe aufnimmt. Hauptachse ist der von Nord-Südrichtung verlaufende Steinweg (L 3073), von dem mehrere Querstraßen Richtung Westen auf die Kirche und eine ältere Burg zulaufen. Jüngere Siedlungsentwicklung entlang der Achse nach Süden und Norden sowie in Richtung der Ausläufer von Burg- und Kellerwald.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Neuental/Zimmersrode – Kirchhain („Wohratalbahn“) von 1911 bis zur Stilllegung der Teilstrecke am 31.12.1981 (Die Teilstrecke Densberg - Gemünden (Wohra) wurde am 2.10.1911 eröffnet, die Teilstrecke Gemünden (Wohra) - Kirchhain am 1.5.1914).

Ersterwähnung:

1223

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Umlegung der Flur:

1915

Älteste Gemarkungskarte:

1850

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3497936, 5648639
UTM: 32 U 497863 5646819
WGS84: 50.97296984° N, 8.969557883° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635012020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 2105, davon 932 Acker (= 44.28 %), 289 Wiesen (= 13.73 %), 593 Holzungen (= 28.17 %); Gutsbezirk Gemünden: 498, davon 5 (Wiesen), 493 Holzungen
  • 1928: Eingemeindung des aufgelösten Gutsbezirks Gemünden
  • 1961 (Hektar): 2600, davon 1127 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 144 Hausgesesse
  • 1747: 190 Haushaltungen
  • 1885: 1315, davon 1224 evangelisch (= 93.08 %), 4 katholisch (= 0.30 %), 87 Juden (= 6.62 %)

Diagramme:

Gemünden (Wohra): Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1364: Grafschaft Ziegenhain, Amt Gemünden (zum Umfang s. Mittelpunktfunktion)
  • 1450: Landgrafschaft Hessen, Stadt und Amt Gemünden
  • 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Rosenthal
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Oberhessen, Amt Rosenthal
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Oberhessen, Amt Rosenthal
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Werradépartement, Distrikt Marburg, Kanton Gemünden
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Oberhessen, Amt Rosenthal
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Frankenberg
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Marburg
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Frankenberg
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Frankenberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Frankenberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Frankenberg

Gericht:

  • 1223: Stadtgericht datum et confirmatum est primo in Gemunden, secundo in Speckeiswinkil coram utraque parrochia
  • 1253: iudicium nostrum ... G.
  • Zuständig für Grundstücksauflassungen, Straf- und Bußsachen sowie zunächst auch peinliche Gerichtsbarkeit
  • 1571 wird die peinliche Gerichtsbarkeit vom Halsgericht in Marburg wahrgenommen
  • 1536 wird eine Appellationsverhandlung vor dem Amtmann und Pfandherrn Hartmann Schleier ausgetragen
  • 1556 ist der Oberhof beim Stadtgericht in Treysa
  • 1807-1813: Friedensgericht des Kantons Gemünden
  • 1821: Justizamt Rosenthal
  • 1867: Amtsgericht Rosenthal
  • 1932: Amtsgericht Jesberg
  • 1933: Amtsgericht Gemünden
  • 1945: Amtsgericht Kirchhain [Zweigstelle Gemünden (Wohra)]
  • 1973: Amtsgericht Frankenberg

Herrschaft:

Die Grafen von Ziegenhain besaßen Gemünden an der Wohra als Lehen des Stifts Hersfeld. 1253 sprach Gräfin Eilika vn Ziegenhain von ihrem Gericht im Dorf Gemünden. Die Stadtwerdung ist nicht im einzelnen geklärt. 1266 bekundete Graf Gottfried [V.] von Ziegenhain mit seiner Frau Hedwig, dass er, nachdem Ludwig von Linsingen dem Grafen Gottfried alle seine Güter bei der Stadt Gemünden, das Patronatsrecht der Kirche ebendort und den Hof neben dem Kirchhof mit der Mühle übergeben hatte, diesen Hof mit besonderen Freiheiten versehen hat. 1364 bekannte Graf Gottfried von Ziegenhain, dass er Hermann von Schweinsberg versetzt hat unser Stadt Gemunden an der Ware, unser amt ubir die stat und uber dise dorffere die hie sten beschriben [Weiss, Gerichtsverfassung in Oberhessen, S. 183]. 1382 ging das Amt an Godert von Linsingen, 1392 verpfändeten die Ziegenhainer Burg und Stadt an Thile von Falkenberg. Im Jahre 1434 belehnte der Abt von Hersfeld den hessischen Landgrafen Ludwig I. mit den ziegenhainer Lehen und mit dem Tod des letzten Ziegenhainer Grafen Johann II. kamen sie endgültig an Hessen.

1450 huldigte die Stadt Landgraf Ludwig. 1533 war Hartmann Schleier Amtmann und Pfandherr.

1257: Amtmann officialis noster in Gemunden (Klosterarchive 5: Kloster Haina, Band 1, S. 156-157, Nr. 272)

Gemeindeentwicklung:

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform gebildeten Stadtgemeinde s. Gemünden (Wohra), Stadtgemeinde.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • vgl. Herrschaft

Ortsadel:

1214-1292

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1223: plebanus.
  • Spätmittelalterlicher Kirchenbau aus dem 15. Jahrhundert im Kern erhalten

Patrozinien:

  • Petrus

Pfarrzugehörigkeit:

Von Beginn an sind Aumühle, Gemünden, Mühle vor dem Hain, Josbach, Lindenborn, Moischeid, Schlagmühle und Walkmühle eingepfarrt, seit 1503 auch Ernsdorf.

1780: Schafhof und die Mühle zu Holzbach

Seit 1680 entsteht neben der lutherischen eine reformierte Gemeinde, die seit 1715 einen eigenen Pfarrer hat. Sie hat als Filialen Schiffelbach, Hertinghausen, Hospital Haina, Dodenhausen, Rosenthal nebst Lehnhausen, Grüßen, Sehlen, Bockendorf, Herbelhausen, Mohnhausen, Oberholzhausen, Niederholzhausen und Willershausen, ferner die Reformierten im alten Amt Haina, nämlich Ellnrode, Haddenberg, Hütterode, Fischbach, Hof-Kirschgarten, Battenhausen, Altenhaina und Halgehausen. 1835 und später ist Schiffelbach Vikariat

Patronat:

1266: Brüder von Linsingen, 1359 Verkauf an die Grafen Ziegenhain, 1450 an die Landgrafen von Hessen, so auch 1577

Klöster:

  • Klause 1571 im Salbuch genannt.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Andreas [Nachname unbekannt], gestorben um 1530

Reformierter Bekenntniswechsel: 1606, 1624 wieder lutherisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Gemünden (zum Umfang s. Mittelpunktfunktion)

Juden:

Provinzial-Rabbinat Marburg, Gemeinde Grüsen angeschlossen

Statistik: 1835: 36; 1861: 72; 1905: 71; 1933: 44 oder 49? Juden (2,72% Gesamtbevölkerung)

1537 bzw. 1571 erste Hinweise auf Juden in Gerichtsbücher der Stadt; 1655 drei Schutzjuden; 1724 vier Schutzjudenfamilien; 1756 drei Schutzjuden; für 1735 ist im Kirchenbuch der lutherischen Pfarrei Taufe eines jüdischen Mädchens vermerkt.

Synagoge: Erbaut 1823 in der Untergasse 27; 1938 wird sie abgerissen.

Eine Schule wird 1848 erstmals erwähnt, aber schon vor 1844 wird ein Lehrer genannt. 1868/69 29 Schüler an der israelitischen Elementarschule; 1893: 35 Schüler; im selben Jahr für Gemeinde 20 Steuerzahler in Gemünden vermerkt; mit Grüsen 128 Seelen; 1889 kauft Gemeinde (Gemünden: 15 Fam/76 Seelen, 20 Schulkinder; Grüsen: 7 Fam. 58 Seelen, 16 Schulkinder) altes Försterhaus am Aumühlsweg und nutzt es als Schulgebäude; Kinder aus Dodenhausen, Schiffelbach und Grüsen besuchen im Ort die Schule.

Berufe: Viehhandel; Spezerei und Ellenwarenhandel; Handel mit Teer und Pottasche

Nach 1933 wird Kibbuz auf Gut 2 Km entfernt errichtet, 1938 beendet

1939/40 nur noch vier jüdische Familien im Ort, 1939 werden die letzten 11 jüdische Einwohner deportiert, ein Überlebender.

Friedhof: Zwischen Gemünden und Rosenthal 1828 angelegt, 1,5km westlich vom Ort. auch Gemeinde Rosenthal nutzt ihn. (alemannia-judaica)

Zuvor gab es einen Begräbnisplatz auf dem adligen Gut der Familie v. Knoblauch.

Kultur

Schulen:

Schulmeister: Johannes Rauschenberger ca. 1580

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Das Amt Gemünden umfasste 1364 neben Gemünden die Dörfer Heimbach, Hettingshausen, Holzbach und Josbach, später nur noch einige Wüstungen.

Zum Sendbezirk Gemüden gehörten im 15. Jahrhundert: Aumühle, Gemünden, Mühle vor dem Hain, Josbach, Lindenborn, Moischeid, Schlagmühle, Walkmühle.

Mühlen:

vgl. Siedlungsplätze

1781 gibt es in und bei der Stadt 8 Mühlen, darunter 5 Mahlmühlen, 1 Schneidemühle, 1 Schlagmühle, 1 Papiermühle, außerdem noch eine angehängte Schneide- und vier dergleichen Schlagmühlen.

Die vom Holzbach betriebene Obermühle (später auch Schlittmühle) mit 1 oberschlächtigem Mahlgang und 1 Schlaggang ist eine herrschaftliche Mühle. Sie ist seit 1944 nicht mehr in Betrieb.

Die ebenfalls vom Holzbach betriebene, 1630 belegte Mittelmühle mit 1 oberschlächtigen Mahlgang ist eine Erbmühle. Sie ist seit 1938 nicht mehr in Betrieb.

Ferner Walken- (seit 1936 nicht mehr in Betrieb) sowie Unter- oder Lingelbachmühle (seit 1950/53 nicht mehr in Betrieb).

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Gemünden (Wohra), Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1141> (Stand: 24.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde