Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Grünberg

Stadtteil · 273 m über NN
Gemeinde Grünberg, Landkreis Gießen 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Kloster; Mühle; Stadt

Lagebezug:

20 km östlich von Gießen

Lage und Verkehrslage:

Stadt mit regelhaften Grundrissmerkmalen auf einer Basaltkuppe im Nordwesten des Vorderen Vogelsberges oberhalb des zur Wetter entwässernden Äscherbaches. Kern der ehemals ummauerten Altstadt in nahezu halbkreisförmiger Ausdehnung im Anschluss an die ehem. Burg an höchster Stelle im Nordosten. Marktplatz im Mittelpunkt eines gitterförmigen Straßennetzes vor der nach Südosten versetzten Stadtkirche. Jüngere Siedlungen an die Altstadt anknüpfend zunächst im Süden entlang der Ausfallstraße, später im Nordwesten in Richtung Bahnhof moderne Wohnsiedlungen sowie im Nordosten am Eschersberg und am Ziegelberg.

Durch die Stadt führt die B 489 im Zuge der alten Handelsstraße durch die "kurzen Hessen", die nördlich des alten Stadtkerns die B 49 im Zuge der alten Handelsstraße durch die "langen Hessen" kreuzt (heute Umgehung). Ferner Ausfallstraße nach Göbelnrod und Stangenrod.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Gießen – Fulda ("Vogelsbergbahn") seit 1869. Die Teilstrecke Gießen - Grünberg wurde am 29.12.1869 eröffnet und die Teilstrecke Grünberg - Alsfeld am 29.7.1870 in Betrieb genommen.

Endbahnhof der Eisenbahnlinien Grünberg – Lollar ("Lumdatalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.8.1896) bis zur Stilllegung der Strecke am 26.5.1963 und Butzbach/West – Grünberg ("Wettertalbahn I") (Inbetriebnahme der Strecke 1.8.1909) bis Stilllegung der Strecke zwischen 1953 und 1961.

Ersterwähnung:

1186

Siedlungsentwicklung:

Im 13. Jahrhundert zügiger Ausbau zur Stadt mit gitterförmigem Straßennetz und Marktplatz in zentraler Lage, durch die die Straße durch die "Kurzen Hessen" führt. Noch im 13. Jahrhundert Niederlassung von Antonitern im Nordwesten und Franziskanern im Westen, jeweils direkt an der Stadtmauer. Die schon vor 1261 planmäig nach Südosten ausgeweitete Siedlung wurde 1324 als "Neustadt" mit der Altstadt vereint. Der zeitgleich mit der Pfarrkirche St. Paul erbaute Friedhof im Südosten nimmt ein Viertel der Neusta

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Burg 1186 durch den thüring. Landgraf Ludwig III. erbaut. Daran anschließend ältere, halbkreisförmig angelegte Siedlung. Inwieweit beide 1194 durch die Ebb. von Mainz und Köln zerstört wurden, ist unklar. Die Burg büßt ihre Verteidigungsfähigkeit gegenüber der Stadt im Laufe des 14. Jahrhunderts ein.
  • Der Umfang der Stadtbefestigung mit halbkreisförmigem Umriß betrug 1300 m, die beiden Durchmesser etwa 420 und 250 m. Die ehemaligen Haupttore der Stadt (im Südwesten Frankfurter Pforte, im Norden Stangenröder Pforte) durch die Hauptstr. (Rabegasse/Alsfelder Gasse) verbunden. Im Nordwesten Antoniterpforte, im Osten Bornpforte, im Nordosten Neupforte (nach 1586 erbaut). Teilweise Ummauerung ohne Graben und Türme mit Neustädter Tor im Süden.Tore und Teile der Stadtmauer im 19. Jahrhundert niedergelegt, Diebsturm im Westen erhalten. Im Nordwesten außerhalb der Mauer ein Wartturm.

Älteste Gemarkungskarte:

1839

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3497183, 5606248
UTM: 32 U 497110 5604445
WGS84: 50.59190275° N, 8.959166313° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

531006030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 6870, davon 3478 Acker, 1219 Wiesen, 1634 Wald
  • 1961 (Hektar): 1717, davon 454 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1577: 420 Hausgesesse
  • 1630: 390 Männer (318 über 30 J., 72 unter 30 J.), 62 Witwen, 30 Vormundschaften
  • 1677: 342 Hausgesesse, davon 25 freie
  • 1742: 17 Geistl./Beamte, 508 Untert., 103 junge Mannschaften 4 Beisassen/Juden
  • 1804: 2142 Einwohner
  • 1834: 2415 Einwohner
  • 1885: 2149 Einwohner
  • 1925: 2170 Einwohner
  • 1939: 2403 Einwohner
  • 1950: 3550 Einwohner
  • 1961: 3915 Einwohner
  • 1970: 11054 Einwohner
  • 1982: 11242 Einwohner
  • 1830: 2540 evangelische, 2 römisch-katholische Einwohner
  • 1961: 2943 evangelische, 798 römisch-katholische Einwohner
  • 1961 (Erwerbspers.): 172 Land- und Forstwirtsch., 776 Prod. Gewerbe, 328 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 425 Dienstleistung(en) und Sonstige

Diagramme:

Grünberg: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1269: Amt der Landgrafschaft Hessen (zum Umfang s. Mittelpunktfunktion)
  • 1567-1604: Amt der Landgrafschaft Hessen-Marburg; 1604 an Hessen-Darmstadt
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Grünberg, Landgericht Grünberg
  • 1806: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Grünberg
  • 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Grünberg
  • 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg
  • 1874: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis
  • 1979: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen

Altkreis:

Gießen

Gericht:

  • Innerhalb des Amtes bestehen die selbständigen Gerichte der Stadt und des Landes. Das Halsgericht wird durch die Schöffen des Landgerichts unter Vorsitz des Schultheißen gehegt. Stadtgericht im Zuge der Stadtgründung entstanden. 1222 Grundstücksauflassung mit Sekretsiegel (vgl. Ziff. 3 Capitulum); Gerichtsherrschaft durch den Stadtherrn bzw. seinen Vertreter ausgeübt. Zuständig zunächst für Fälle der hohen (so 1250) und niederen Gerichtsbarkeit. 1272 werden im Zuge der Privilegienverleihung als Gerichtsstand in Güterfragen Schultheiß und Schöffen genannt, ohne Möglichkeit der Berufung. Unsicher ist, inwieweit die Kompetenz des Stadtgericht die Hochgerichtbarkeit einschloß und inwieweit das 1353 belegte Landgericht hierfür zuständig war. 1577 hegen 12 Landschöffen das peinliche Halsgericht für Stadt und Amt in Grünberg, die sich durch Kooptation ergänzen. - Brunnen beim Dyebesstocke 1480; Flurname Galgenberg, Auf dem Galgenberg und Unterm Galgenberg an der Gemarkungsgrenze zu Stangenrod. - 1442 und später ist Marburg Oberhof für das Gericht Grünberg. - Schultheiß bzw. castellani 1227; scabini 1241; 6 Ritter, Schultheiß, Schöffen und Bürger 1241; comes 1246; villicus bzw. Scultetus et Cives 1250; 6 milites und 11 scabini 1251; Sculteuts, scabini et universitas civium in Grünberg. 1259; subscultetus 1315; 12 Schöffen 1305; 2 milites, 10 scabini, 2 consules 1314; scultetus und subscultetus 1329; Unteramtmann 1388
  • 1821: Landgericht, seit 1879: Amtsgericht Grünberg

Herrschaft:

Ungeklärt ist, ob die Herrschaft der Landgrafen von Thüringen in Grünberg auf die Usurpation von Rechten des Mainzer Johannes-Stiftes oder auf Reichsrechte zurückzuführen ist. 1263 als mainzisches Lehen an die Landgrafschaft Hessen (Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr. Nr. 78f).

Amt. Amtsbildung in Anlehnung an die Burg Grünberg 2. Hälfte 13. Jahrhundert Grünberger Amtmann 1269 erstmals gen. (siehe unten). - Amtsherrschaft landgräflich. 1350 hat Landgraf Heinrich II. mit Hilfe der Grünberger Bürger das Amt von Johann von Eisenbach gelöst. 1383 quittieren Gottfried von Schweinsberg und Wilhelm Schlitz Landgraf Hermann über 1000 Gulden, für die sie das Amt Grünberg innehatten. 1385 versetzt der Landgraf u.a. das Amt Grünberg an die Ritter Rorich und Johann von Eisenbach und ihre Verwandten. 1389 wird Dietrich Schutzbar als hessischer Amtmann über Grünberg und Homberg eingesetzt; seitdem war das Amt nicht mehr verpfändet.

Gerichtliche Kompetenzen.

Möglicherweise ist ein 1199 erwähnter Zehntgraf von Queckborn als Amtsvorgänger zu betrachten. - Schultheiß 1227; officiali et scabini 1269; officiatus 1306; Amtmann 1346; provisor et perceptor redituum nostrorum in iuridicionibus Grünberg et Alsfeldie 1357; Rentmeister 1367

Stadt

Landgräfliche Stadtgründung in Anlehnung an die Burg um 1200. civitas 1194/1222; secret(vm) (G)rvninberc 1222 (Ortswappenbuch Nr. 318); 1234 totum conmune urbium Hoenburg (= Homberg an der Ohm) et Grünberg; Stadtherrschaft stets landgräflich geblieben (vgl. Ziff. 3a). 1272 Verleihung und in der Folge häufige Bestätigung eines Freiheitsbriefs durch Landgraf Heinrich I., in dem den Bürgern (cives) fränkisches Recht und eine eigene Gerichtsbarkeit verliehen sowie Sendger. und Eingriffe kirchl. Stellen verboten werden (Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr. Nr. 165). An der Spitze der städt. Verwaltung stehen vor 1305 der Schultheiß und das aus 12 Mitgl. bestehende Schöffenkollegium, das sich aus Burgmannen (Rittern) und Bürgern zusammensetzt. 1305 Verdoppelung des Schöffenrates durch 12 jährl. neu zu wählende Vertreter der Bürgerschaft. Bildung der Vierer aus beiden Bänken zur Erhebung des Ungeldes und der Rechnungslegung (Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr. Nr. 459). Vor 1482 Abschaffung der Vierer und Ersetzung durch sechs Bürger, in diesem Jahr durch Lgf Heinrich III. Wiedereinsetzung der Vierer aus den Reihen der Bürgerschaft. An die Spitze des Rates wird ein Bürgermeister jährl. aus der Mitte der Schöffen von der Bürgerschaft nach Zünften gewählt. Der Rat wählt ferner den Unterbürgermeister und besetzte die städt. Ämter (Weinmeister, Mehlwieger, Brot- und Fleischschätzer, Bedeheber, Wegemeister). Im 16./17. Jahrhundert verstärkte landgräflich Einflußnahme bei der Besetzung der Ämter. 1821 Einführung der Gemeindeordnung im Großherzogtum Hessen

scabini 1241, consules civitatis 1286, proconsul 1330, Bürgermeister 1344, magister civium 1361, Unterbürgermeister 1525

Gemeindeentwicklung:

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Stadtgemeinde s. Grünberg, Stadtgemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Grünberg.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1230 befreit Landgraf Heinrich von Thüringen ein Haus des Klosters Arnsburg zu Marburg, eins zu Grünberg und die Hospitien des Klosters in jeder seiner Städte von allen Abgaben und Diensten, die seine villici oder Bürger fordern könnten (Dobenecker, Regesta 3 Nr. 137, Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 15).
  • 1261 übergeben der Grünberger Bürger Richard und seine Frau sich selbst, ihr Haus samt Scheune und allen Gütern Kloster Haina unter Vorbehalt lebenslanger Nutzung von Haus und Gütern. 1312 erwirbt Kloster Haina ein Wohnhaus in Grünberg von der Witwe Walters beim Turm (Franz, Kloster Haina 1 Nr. 348, Franz, Klosterarchive 6 Nr. 189). 1313 erwirbt Haina von dem Grünberger Bürger Siegfried von Gleen einen Zins von dessen Haus und Hofstatt in Grünberg (Franz, Klosterarchive 6 Nr. 213). 1329 verpachtet Kloster Haina ein Haus mit Hofstätte in Grünberg an Werner von Gleen, den dortigen Nachbarn (Franz, Klosterarchive 6 Nr. 422). 1350 erwirbt Haina von einer Grünberger Erbengemeinschaft die Gülte aus deren Hof samt Behausung zu Grünberg vor dem Tor bei den Antonitern (Franz, Klosterarchive 6 Nr. 594).
  • 1272 befreit Landgraf Heinrich die Höfe des Klosters Arnsburg in Grünberg und Gießen, die von den Mönchen bei Abwicklung ihrer Geschäfte in diesen Städten aufgesucht werden, von jeder Steuer und Bede und befiehlt den Schultheißen, Amtmännern und Schöffen in diesen Städten, nicht zu gestatten, daß die Mönche in landgräflich Gebiet von irgend jemandem belästigt werden (Regesten der Landgrafen von Hessen 1 Nachdr. Nr. 166). 1551 wird der Hof des Klosters von dem landgräflichen Rentmeister zu Grünberg Johann Meckbach gekauft.
  • 1285 überträgt das Kloster Wirberg der Witwe eines Grünberger Bürgers auf Lebenszeit die klösterliche Kemenate. In den folgenden Jahrhunderten sind die Häuser des Klosters in Grünberg meist zur Leihe oder als Lehen ausgetan (Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 1 Nr. 1078, 1105, 1107)
  • 1320 überlassen die Witwe Irmengard Kremers und ihre Söhne dem Deutschen Orden Marburg wegen dessen Ansprüchen auf das Erbteil einiger dem Orden angehöriger Verwandten einen Hof vor dem Stangenroder Tor zu Grünberg. 1321 verkauft der Friedberger Bürger Heinrich von Sassen dem Deutschen Orden seine Wiese bei St. Peter vor Grünberg, in der Queckborner Gemarkung und im Eschersdorfer Feld. 1322 verkauft der Grünberger Bürger Denhard gen. Bere dem Deutschen Orden Marburg 8 Morgen Ackerl. In der Grünberger Gemarkung 1364 verkauft der Grünberger Priester Konrad Swinde und sein Bruder Johann dem Deutschen Orden Haus, Scheuer und Garten beim Stangenröder Tor (Wyss, Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei 2 Nr. 382, 391, 425, III Nr. 1042).
  • Mitte 14. Jahrhundert hat St. Johann zu Mainz Einkünfte in Grünberg (Würdtwein, Dioecesis Moguntina 3 S. 367 f.).
  • 1489 verkauft Kloster Arnsburg seinen Besitz zu Grünberg den Antonitern ebd. (Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 2 S. 29 ff.).
Kirche und Religion

Ortskirchen:

Patrozinien:

  • Maria (1313); Georg (1499); Paulus (Patrozinium der Neustadt, 1457)

Pfarrzugehörigkeit:

Pfarrkirche für Lauter, Queckborn, Göbelnrod (alle bis M. XVI. Jahrhundert), Stangenrod, Lehnheim, Flensungen und zunächst auch Grünberg-Neustadt. Seit der Reformationszeit verfügte Grünberg über eine Pfarrstelle und die Kaplanei, im 19. Jahrhundert kam eine dritte, die Mitpredigerstelle, hinzu.

Patronat:

1364 und später landgräflich

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Mengel 1526-1531; 1535-1565

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Archidiakonat St. Johann zu Mainz. Seit 1634 Dekanatssitz

Juden:

1387 befinden sich Synagoge und Judenbad in der iudengaßen im Besitz des Landgraf (Baur, Hessische Urkunden 1 (Starkenburg und Oberhessen) Nr. 1181). Im 15. Jahrhundert vereinzelte Belege, 1624 größere Niederlassung.

Kultur

Schulen:

1322 rector scolarum , 1366 rector parvulorum. Stadt- u. Lateinschule seit dem 16. Jahrhundert Klosterschule der Antoniter (1433 erw.) bis zur Ref. Mädchenschule seit 1579 mit Unterbrechungen im 30jährigen Krieg. 1876 Gründung der erw. Volksschule (seit 1945 Staatl. Realgymnasium, seit 1970 Gesamtschule; seit 1956 Theo-Koch-Schule). Berufsschule seit 1854, Landwirtschaftsschule und Bildungsstätte des deutschen Gartenbaus seit 1921, Sportschule seit 1954.1532/33

Hospitäler:

1532/33 Spital im Klosterhaus der Augustinerinnen. Ursprünglich von Pfarrer und Rat der Stadt Grünberg, von 1816 bis 1952 von einer Armenkommission, dann von der Stadt verwaltet

Spital im Klosterhaus der Augustinerinnen. Ursprüngl. von Pfarrer und Rat der Stadt Grünberg, von 1816 bis 1952 von einer Armenkommission, dann von der Stadt verwaltet.

Historische Ereignisse:

Zerstörung 1194 durch die Erzbischöfe von Mainz und Köln

Brände 1370 und 1391

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1255 Mitglied des Rheinischen Städtebundes.

Das Landgericht Grünberg umfaßte 1391 und später: Lehnheim [Kreis Alsfeld], Göbelnrod, +Borningen, Reinhardshain, Beltershain, Lumda, Weickartshain, Lindenstruth, Saasen, Stangenrod, Lauter, Queckborn, Harbach, Flensungen (z. T.) [Kreis Alsfeld], Stockhausen (z. T.) [Kreis Alsfeld] (Staatsarchiv Darmstadt C 2 Nr. 160/1); 1577 dazu: Ilsdorf z. Hälfte [Kreis Alsfeld], Wirberg, Veitsberg, Bollnbach (Staatsarchiv Marburg Süden 40). - Das Amt Grünberg bestand 1502 aus dem Grünberger Landgericht und dem Ohmer Gericht (Staatsarchiv Marburg Süden 34), 1577 aus dem Grünberger Landgericht (15 Dörfer), dem Gericht Nieder-Ohmen (5 Dörfer), dem Gericht Merlau mit Kirschgarten; Dorf Winnerod. - 1272 werden die Bürger von Grünberg vom Sendgericht eximiert

Wirtschaft:

Gewerbe. Wollweber und Tuchhändler 1375 erwähnt, die Wolle, Tuche und Leinwand ausführen, wohingegen auch Tuche aus Köln, Aachen und Brabant auf dem Markt in Grünberg angeboten werden. Im Mittelalter sind 10 Grünberger Zünfte belegt: Gewandschneider und Krämer, Schneider, Bäcker, Schuhmacher, Wollenweber, Leinweber, Hutmacher, Metzger, ferner jeweils als eine Zunft Lohgerber, Sattler, Weißgerber und Säckler sowie Schlosser, Kupferschmiede und Schwertfeger. Wirtschaftl. Niedergang durch Brände im 14. Jahrhundert und die Übernahme von Bürgschaften und Schulden für den Landesherrn.

Industrie. Bedeutende Textilindustrie im 19./20. Jahrhundert Weberei Repp 1856 (1962 stillgelegt), Heinrich Schmidt I., 1874, Allmendinger 1893. Ab 1960 Niedergang der Textilindustrie

Mühlen:

Mühlen. 1293 molendinarius; 1330 Obermühle, Suremühle und Holzmühle (später Dickelsoder Antonitermühle) gen. Letztere 1935 abgerissen. 1384 ummauerte Mühle zwischen dem Spital und dem Heiligenborn, später Spitalsoder Stadtmühle (= Suremühle) erwähnt 1560 von der Stadt erworben, 1910 abgebrochen. Lappenmühle 1570 erwähnt Landgraf Mahlordnung 1584. 1626 Bau einer zweiten Lohmühle. 1629/30 haben nur die Stein- und die Stadtmühle 2 Gänge, alle übrigen 1 Gang. Neumühle 1711 vor der Stadt err. M. 19. Jahrhundert 5 Mahlmühlen, 1 Öl- und Lohmühle.

Markt:

Marktsiedlung auf Grund der Verkehrslage (vgl. Ziff. 2 a) und der Münze schon im 13. Jahrhundert zu erschließen. Marktplatz (ad forum) 1366 erstmals gen. 1340 gehört Grünberg zum Einzugsbereich der Frankfurter Messen, 1387 werden Grünberger Händler zur Frankfurter Messe geladen. 1481 verleiht Kaiser Friedrich III. der Stadt Grünberg das Privileg, vom Vorabend des Calixtustages (13. Oktober) ab einen Jahrmarkt zu halten, der als Gallusmarkt bezeichnet wurde (Glaser, Geschichte der Stadt Grünberg Nachdr., S. 234-236, Urkunde Nr. 42). Daneben um 1500 7 weitere Jahrmärkte und ein Wochenmarkt. Mitte 19. Jahrhundert jährl. 6 Märkte.

Münze:

Landgräfliche Münzstätte um 1230. Denare und Brakteaten unter Heinrich Raspe und Sophie von Brabant. Kurz vor 1400 eingestellt. Bis 1387 Grünberger Währung erwähnt.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Grünberg, Landkreis Gießen“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/10308> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde