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„Fulda Gap“ als strategisches Brettspiel, 1977

Die amerikanische Firma Simulations Publications, Incorporated (SPI) veröffentlicht in den USA die von James F. Dunnigan konzipierte Simulation „Fulda Gap – The first battle of the next war“. Nach Angaben des Herstellers bietet das Spiel eine „wirklichkeitsgetreue Nachahmung der Kriegsführung im modernen Europa auf der Stufe von Regimentern und Brigaden“, bei der ein Angriff der Warschauer Pakt-Staaten im süddeutschen Raum simuliert wird, dessen erste Attacke nach Überlegungen der militärischen Planung des westlichen Verteidigungsbündnisses bei Fulda eine Bresche („Gap“) in die NATO-Verteidigung schlagen wird (Aufschrift auf dem Verpackungsdeckel der Originalausgabe des Spiels: If war ever again comes to Europe, the major Soviet thrust must be aimed at the powerful US forces guarding southern Germany. In order to breach the NATO defenses and break through into the heart of Europe, the armored columns of the Warsaw Pact must force their way through the Fulda Gap – The First Battle of the Next War.). Das Spiel, Anfang der 80er Jahre auch in Großbritannien, aber niemals in Deutschland offiziell vertrieben1, gelangt 1982 nach Adaption durch die Friedensbewegung zu leidlicher Bekanntheit. Die mit einer Altersempfehlung ab 12 Jahren versehene „Cosim“ (Konfliktsimulation, engl. „Conflict simulation“), bestehend aus einem Spielanleitungsplan, einer Hessenkarte und 400 Spielmarken zur Darstellung nuklearer Angriffe, hat es spieltechnisch allerdings in sich: die Firma SPI bewertet „Fulda Gap“ mit einem Schwierigkeitsgrad von „7,0“ – für das Brettspiel Monopoly wird lediglich ein Schwierigkeitsgrad von „2,34“ angegeben. Angeblich soll das strategische Brettspiel allerdings derart realistisch sein, dass es innerhalb des US-Miliärs empfohlen wird, um sich mit der strategischen Situation eines sowjetischen Angriffs in Osthessen vertraut zu machen. Ein ähnliches Strategiespiel, mit dem sich auf deutschem Boden „mit Hilfe der neuesten und modernsten Fortschritte militärischer Technologie unter Einschluß von chemischer Kriegsführung und Atomwaffen“ die Eskalation des „Kalten Krieges“ ausgestalten lässt, wird von SPI unter dem Titel „Hof Gap“ angeboten.
(KU)


  1. „Fulda Gap – The First Battle of the Next War“ war hierzulande über die PX-Stores des Army & Air Force Exchange Service (AAFES) auf den amerikanischen Stützpunkten zum Preis von etwa 12 US-Dollar erhältlich
Belege
  • Taunus Kurier, 9.3.1982: Fünf Stunden bis zum bitteren Ende – Ein Kriegsspiel aus USA mit Signalwirkung
  • Fuldaer Zeitung/Hünfelder Zeitung, Nr. 57/1982, 9.3.1982, S. 7: „Fulda Gap“ oder Wie man einen Alptraum zum Kinderspiel macht
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„„Fulda Gap“ als strategisches Brettspiel, 1977“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/4506> (Stand: 4.8.2020)
Ereignisse im Dezember 1976 | Januar 1977 | Februar 1977
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