Historisches Ortslexikon
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Weitere Informationen
Kirchhosbach
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Stadtteil · 240 m über NN
Gemeinde Waldkappel, Werra-Meißner-Kreis
- Siedlung ↑
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Ortstyp:
Dorf
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Lagebezug:
13 km südwestlich von Eschwege gelegen
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Lage und Verkehrslage:
Straßendorf mit geringer Siedlungsdichte südöstlich von Waldkappel im Hosbachtal entlang der Peter-Grieß-Straße (L 3459 von Bischhausen nach Stadthosbac). Kirche auf flacher Erhebung in zentraler Lage.
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Ersterwähnung:
1141
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Vorbemerkung Historische Namensformen:
Bei den drei in der Urkunde 1141 ohne Bestimmungswort genannten Orten Hasebach, altero Hasbach und deserto Hassbach handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Kirchhosbach sowie die Wüstungen Grubenhosbach und Lerchenhosbach. Stadthosbach und Thurnhosbach kommen hierfür nicht in Betracht (vgl. K. Kollmann, Erstwähnung und frühe Geschichte, in: 850 Jahre Kirchhosbach, 1141 - 1991, S. 5-7)
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Historische Namensformen:
- Hasebach, in; Hassbach (1141) [verunechtet 13. Jh., Kop. 16. Jh., UB Mainz 2,1, S. 45-53, Nr. 28]
- Hasbeche, in (1157-1165) [Kopiar Codex Eberhardi 2, Bl. 160v, S. 306; nur hier überlieferter Zusatz zu einer Urkunde von 978 RI II,2 n. D934]
- Kerchhospach, in (1410) [Eckhardt, Rechtsgeschichte der Stadt Eschwege 2, S. 366-369, Nr. 5, hier S. 368]
- Kirchhoßpach (1448) [Klosterarchive 1: Klöster an der Werra, S. 537-538, Nr. 1368, Anm. 1, mit falscher Datierung auf 1408; zur korrigierten Datierung s. K. A. Eckhardt, Eschwege als Brennpunkt thüringisch-hessischer Geschichte, S. 128; StA Wü, MIB 25 fol. 279 [01], in: Die Regesten der Mainzer Erzbischöfe mit Borghespach]
- Kirchhosbach (1585) [Der ökonomische Staat, S. 79]
- Kirchhospach (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 12]
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Bezeichnung der Siedlung:
- villa (1141)
- Mengedorf (1654)
- Dorfschaft (1744)
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Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:
-
Umlegung der Flur:
1915
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Älteste Gemarkungskarte:
1750
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Koordinaten:
Gauß-Krüger: 3563564, 5665189
UTM: 32 U 563465 5663362
WGS84: 51.118219° N, 9.906761° O OpenLayers - Statistik ↑
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Ortskennziffer:
636012090
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Flächennutzungsstatistik:
- 1885 (Hektar): 583, davon 182 Acker (= 31.22 %), 18 Wiesen (= 3.09 %), 366 Holzungen (= 62.78 %)
- 1961 (Hektar): 583, davon 188 Wald (= 32.25 %)
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Einwohnerstatistik:
- 1585: 36 Haushaltungen (Der ökonomische Staat)
- 1744: 41 Häuser, 188 Menschen; Gewerbetreibende: 1 Schneider, 1 Schmidt, 21 Leinweber, 1 Müller, 10 Tagelöhner
- 1747: 42 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
- 1885: 250, davon 250 evangelisch (= 100.00 %), 0 katholisch
- 1961: 230, davon 222 evangelisch (= 96.52 %), 6 katholisch (= 2.61 %)
- 1970: 398
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Diagramme:

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. - Verfassung ↑
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Verwaltungsbezirk:
- 1141: Honer Mark (in pago, qui dicitur Hunether marca)
- 1460: Landgrafschaft Hessen, Amt Eschwege, Gericht Boyneburg
- 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederfürstentum, Amt Eschwege, Gericht Boyneburg
- 1654: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Bischhausen
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Bischhausen
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Bischhausen
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Bischhausen
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Bischhausen
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Eschwege
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Eschwege
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Eschwege
- 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis
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Altkreis:
Eschwege
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Gericht:
- 1822: Justizamt Bischhausen
- 1867: Amt Bischhausen
- 1879: Amtsgericht Bischhausen
- 1932: Amtsgericht Eschwege
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Herrschaft:
Der Mainzer Erzbischof Markolf bestätigt 1141, dass Graf Siegfried IV. von Northeim dem Kloster Northeim Güter aus seinem Besitz, darunter vier Hufen und eine Mühle in (Kirch-) hosbach, geschenkt hat. Der Erzbischof fügt noch den Kirchenzehnten hinzu.
1409 werden die Herren von Dieden vom Landgrafen von Hessen mit zwei Hufen und zugehörigen Höfen in Kirchhosbach belehnt. Seit 1449 werden die von Boyneburg-Bischhausen von Hessen mit zehn Hufen zu Kirchhosbach belehnt, die die Boyneburger zuvor von Kloster Bursfeld erworben hatten und den Landgrafen übertrugen. Seitdem ist es faktisch ein Dorf der von Boyneburg-Bischhausen. 1650 kommt es zur Veräußerung boyneburgscher Lehngüter (sogenannte bemmelbergische Anteile) u.a. in Kirchhosbach an Hessen, wodurch die Landgrafen stärker an der Ortsherrschaft partizipieren und versuchen, Einfluss auf das Gericht Boyneburg geltend zu machen. 1654 ist Kirchhosbach ein sogenanntes Mengedorf, d.h. zweiherrig.
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Gemeindeentwicklung:
Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform als Stadtteil nach Waldkappel eingegliedert.
- Besitz ↑
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Grundherrschaft und Grundbesitzer:
- 1141 bestätigt der Mainzer Erzbischof Markolf dem von dem Grafen Siegfried IV. von Boyneburg und seinen Vorfahren gegründeten Benediktinerkloster Blasien zu Northeim u.a. seinen Besitz zu (Kirch-) hosbach. Der Besitz des Klosters Northeim gelangt um 1200 an das Kloster Bursfelde, welches ihn noch 1446 innehat und mit Zustimmung des Mainzer Erzbischofs an die Boyneburger veräußert.
- (1157-1165): Stift Fulda hat Zinseinkünfte zu Hasbeche, womit vermutlich Kirchhosbach gemeint ist.
- 1410 werden im Zinsregister der Eschweger Augustiner Einkünfte aus Kirchhosbach genannt, ebenso 1417 und 1436.
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Zehntverhältnisse:
1141 fügt der Mainzer Erzbischof der Schenkung an das Kloster Northeim den Zehnten hinzu.
- Kirche und Religion ↑
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Ortskirchen:
- Chorturm im Kern romanisch, im 16 Jahrhundert verändert. Schiff 1661 in Fachwerk erhöht, 1812 erneuert
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Pfarrzugehörigkeit:
Es ist 1585, 1744, 1872 und 1994 Filial von Bischhausen.
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Patronat:
1744 ist das Patronatsrecht zu zwei Drittel landgräflich, zu einem Drittel steht es dem von Boyneburg-Laudenbach zu Wichmannshausen zu
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Bekenntniswechsel:
Einführung der Reformation vermutlich in den 1530er Jahren.
- Kultur ↑
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Schulen:
1624 Schulmeister genannt, 1744 ist ein Schulhaus vorhanden, 1910 einklassige Volksschule
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Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):
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Historische Ereignisse:
1688: Zerstörungen durch Feuer
- Wirtschaft ↑
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Mühlen:
Mühle am südwestlichen Ausgang des Ortes. Eine Mühle wird bereits 1141 eigens aufgeführt, weitere Hinweise dann erst im 16. Jahrhundert.1744 wird eine oberschlächtige Mühle mit dem geringen Wasser des Hosbaches betrieben. Seit 1952 Turbinenbetrieb bis 1980
- Nachweise ↑
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Literatur:
- K. Kollmann, Von Wind und Wasser gedreht, Teil 31, Kirchhosbach
- Diehl, Adelsherrschaft im Werraraum, S. 107
- 850 Jahre Kirchhosbach, 1141 - 1991
- Scholz, Wasser- und Windmühlen Werra-Meißner-Kreis, S. 129
- Karl G. Bruchmann, Kreis Eschwege, S. 62
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 250 f. (Hosbach)
- Denkmaltopographie Werra-Meißner-Kreis 1, S. 502 - 508
- Fundberichte aus Hessen 1991, S. 533 (Sippel) > Grabung in Kirche
- Zitierweise ↑
- „Kirchhosbach, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/6188> (Stand: 11.9.2024)

