Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

↑ Rudolf Hoffmann, Briefe aus dem Weltkrieg 1914-1918

Abschnitt 36: 4.11.1917: Brief des Heino Gäfgen aus Wiesbaden

[367-368]

Erläuterung:
Siehe den Brief vom 5.11.1916.


Westen, den 4. November 1917.

... O, Ihr furchtbaren Leute des Mißtrauens. Gewiß, Ihr sagt und führt Beispiele an, die da predigen: Seht, wie berechtigt ist unser Mißtrauen! Aber weit gefehlt: Ausnahmen sind dies. Der Mensch hat anständige Menschen genug in seiner Gesellschaft. Ja! Sehr viele! Und die Schufte sind in der Minderzahl. Darum ist eine ruheatmende Gesinnung ohne Hasten und Mißtrauen schön. Frohe Mienen, offene Aussprache sind die Früchte: die Verbindung von Herzen zu Herzen ist geschaffen. Ich sehe in Deinem Fabrikbetrieb ähnliche Gesichtspunkte zu Grunde gelegt. So freue ich mich, nicht allein mit meinen [S. 368] Gedanken in der Welt zu stehen, mit diesen Gedanken, die so manchen Menschen fremd und überflüssig sind, mir aber als Kernpunkte jedes ersprießlichen Betriebes erscheinen. Gewiß, arbeiten ist schön, aber gern arbeiten ist sehr schön. Und von wem hängt letzteres ab? Der durchschnittliche Mensch sagt sicher: vom Arbeiter. Ich sage: vom Arbeitgeber.


Personen: Gäfgen, Heino
Orte: Wiesbaden
Sachbegriffe: Feldpost · Feldpostbriefe
Empfohlene Zitierweise: „Rudolf Hoffmann, Briefe aus dem Weltkrieg 1914-1918, Abschnitt 36: 4.11.1917: Brief des Heino Gäfgen aus Wiesbaden“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/de/purl/resolve/subject/qhg/id/173-36> (aufgerufen am 21.08.2019)
 
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