Hessen im 19. und 20. Jahrhundert

Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus, 12. November 1903
Bei der Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus können die Konservativen mit 144 von 433 Mandaten ihre Position als stärkste Kraft behaupten (1898: 145). Zweitstärkste Kraft bleibt die katholische Zentrumspartei, die drei Sitze verliert und nun 97 Abgeordnete stellt. Die Nationalliberalen gewinnen wieder deutlich hinzu (80 statt 73 Mandate, 1893 waren es noch 89), die Reichspartei (-1) und die Freisinnige Partei (-3) verlieren beide in geringem Umfang.1
In der Provinz Hessen-Nassau bleibt die Sitzverteilung weitgehend wie bei der letzten Wahl fünf Jahre zuvor: die Nationalliberalen werden mit neun Mandaten erneut stärkste Kraft, Reichs- und Freisinnige Partei verlieren je ein Mandat. Die Konservativen gewinnen ein Mandat dazu und entsenden nun sieben Vertreter nach Berlin. Die antisemitische Deutsche Reformpartei erringt nun auch im Wahlkreis Kassel-Land – Witzenhausen ein Mandat und entsendet fortan zwei Vertreter nach Berlin.2 In den Wahlkreisen der heute auf dem Gebiet des Landes Hessen liegenden Teile der Provinz Westfalen (Wahlkreis Arnsberg 1) und der Rheinprovinz (Wahlkreis Wetzlar) erringen ein Nationalliberaler (Heinrich Macco aus Siegen) und ein Deutschkonservativer (Karl Stackmann aus Grunewald/Kreis Teltow) die Mandate.3
Gewählte Abgeordnete
Bei der Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus wird in jedem Wahlkreis nach absolutem Mehrheitswahlrecht (Persönlichkeitswahl) ein Abgeordneter gewählt.
Provinz Hessen-Nassau – Regierungsbezirk Kassel
Baumbach(-Ropperhausen), Ferdinand von (1851–1912); Rittergutsbesitzer; Großropperhausen/Kreis Ziegenhain; Konservative Partei; Wahlkreis 8: Homberg – Ziegenhain
Christen, Hermann von (1841–1919); Deutsche Reichspartei; Wahlkreis 5: Eschwege – Schmalkalden
von Ditfurth, Hans (1862–1917); Landrat, Rittergutsbesitzer; Dankersen/Kreis Grafschaft Schaumburg; Konservative Partei; Wahlkreis 223: Kassel 1/Rinteln (Grafschaft Schaumburg)
Gleim, Franz (1842–1911); Fabrikant; Melsungen; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 229: Kassel 7/Melsungen – Fritzlar
Goebel, Dr. phil. Peter Eduard (1831–1904); Gymnasialdirektor a.D.; Fulda; Zentrum; Wahlkreis Kassel 12: Fulda
Junghenn, Emil (1850–1911); Rentner; Berlin; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 236: Kassel 14/Hanau
Kaute, Eberhard (geb. 1859); Regierungs- und Forstrat; Potsdam; Zentrum; Wahlkreis 233: Kassel 11/Hünfeld – Gersfeld
Lattmann, Wilhelm (1864–1935); Deutschsoziale Partei; Wahlkreis 226: Kassel 4/Kassel-Land – Witzenhausen
Meyenschein, Adam (geb. 1863); Pfarrer; Altenhaßlau/Kreis Gelnhausen; Konservative Partei; Wahlkreis 235: Kassel 13/Schlüchtern – Gelnhausen
von Negelein, Maximilian (1852–1911); Landrat; Marburg; Konservative Partei; Wahlkreis 232: Kassel 10/Marburg
Rabe von Pappenheim, Karl (1847–1918); Konservative Partei; Wahlkreis 224: Kassel 2/Hofgeismar – Wolfhagen
Riesch, Friedrich (1840–1912); Landrat; Frankenberg (Eder); Deutsche Reichspartei; Wahlkreis 231: Kassel 9/Kirchhain – Frankenberg
Schroeder, Dr. jur. Theodor (1860–1951); Nationalliberale Partei; Wahlkreis 225: Kassel 3/Kassel-Stadt
Werner, Ludwig (1855–1928); Redakteur; Kassel; Deutschsoziale Reformpartei; Wahlkreis 228: Kassel 6: Rotenburg – Hersfeld
Provinz Hessen-Nassau – Regierungsbezirk Wiesbaden
Bartling, Eduard (1845–1927); Fabrik- und Bergwerksbesitzer; Wiesbaden; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 238: Wiesbaden 9/Wiesbaden-Stadt – Untertaunuskreis
Beckmann, Dr. jur. August (1852–1914); Landrat; Usingen; Konservative Partei; Wahlkreis 245: Wiesbaden 6/Oberlahnkreis – Usingen
Bülow, Wilhelm von (1850–1929); Amtsgerichtsrat; Homburg v. d. Höhe/Obertaunuskreis; Nationalliberale Partei; Wahlkreis Wiesbaden 10: Obertaunuskreis – Frankfurt am Main-Land
Cahensly, Peter Paul Simon (1838–1923); Kaufmann; Limburg; Zentrum; Wahlkreis 242: Wiesbaden 5/Limburg
Dahlem, Dr. jur. Anton (1859–1935); Rechtsanwalt; Niederlahnstein/Kreis Sank Goarshausen; Zentrum; Wahlkreis 246: Wiesbaden 3/Unterwesterwaldkreis – Westerburg
Flesch, Dr. jur. Karl (1853–1915); Stadtrat; Frankfurt am Main; Freisinnige Volkspartei (Hospitant); Wahlkreis 237: Wiesbaden 11/Frankfurt am Main-Stadt
Funck, Karl Ludwig (1852–1918); Lederhändler; Frankfurt am Main; Freisinnige Volkspartei; Wahlkreis 237: Wiesbaden 11/Frankfurt am Main-Stadt
Heimburg, Fritz von (1859–1935); Landrat; Biedenkopf; Konservative Partei; Wahlkreis 248: Wiesbaden 1/Biedenkopf
Hofmann, Heinrich (1857–1937); Amtsrichter; Rennerod/Kreis Westerburg; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 247: Wiesbaden 2/Oberwesterwaldkreis – Dillkreis
Lotichius, Dr. phil. Eduard (1847–1908); Rentner; Sankt Goarshausen; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 243: Wiesbaden 7/Rheingaukreis – Meisenheim – St. Goarshausen
Schaffner, Wilhelm (1822–1907); Rentner; Diez/Unterlahnkreis; Nationalliberale Partei; Wahlkreis Wiesbaden 4: Unterlahnkreis4
Wolff, August (1844–1914); Inhaber eines Baumaterialiengeschäftes; Biebrich am Rhein; Nationalliberale Partei; Wahlkreis Wiesbaden 8: Wiesbaden-Land – Höchst
Provinz Westfalen – Regierungsbezirk Arnsberg
Macco, Dr.-Ing. h.c. Heinrich (1843–1920; Nationalliberale Partei); Ingenieur; Siegen; Wahlkreis Arnsberg 1: Wittgenstein – Siegen
Rheinprovinz – Regierungsbezirk Koblenz
Stackmann, Karl (1858–1943; Deutschkonservative Partei); Regierungsrat a.D.; Grunewald/Kreis Teltow; Wahlkreis Koblenz 1: Wetzlar
(LV)
- Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 55. ↑
- Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 79. ↑
- Die politische Zusammensetzung ändert sich im Laufe der Legislaturperiode nicht. ↑
- Schaffner verstarb während der Legislaturperiode am 27. Januar 1907. In der daraufhin durchgeführten Ersatzwahl vom 10. Mai 1907 setzte sich der Landwirt Dr. jur. Hermann Heydweiller (1858–1918; Nationalliberale Partei) aus Denzerheide im zweiten Wahlgang durch. Vgl. Kühne, Handbuch der Wahlen zum Preußischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 691. ↑
- Belege
- Handbuch der Wahlen zum Preussischen Abgeordnetenhaus 1867–1918. Wahlergebnisse, Wahlbündnisse und Wahlkandidaten, Düsseldorf 1994, S. 639-702
- Weiterführende Informationen
- Wikipedia: Preußisches Abgeordnetenhaus (eingesehen am 17.8.2023)
- Empfohlene Zitierweise
- „Wahl zum Preußischen Abgeordnetenhaus, 12. November 1903“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edbx/id/6908> (Stand: 12.11.2024)
- Ereignisse im Oktober 1903 | November 1903 | Dezember 1903
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