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Hessische Biografie

Portrait

Peter Suhrkamp
(1891–1959)

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GND-Nummer

118619977

Suhrkamp, Peter [ID = 4713]

* 28.3.1891 Kirchhatten bei Oldenburg, † 31.3.1959 Frankfurt am Main, Begräbnisort: Keitum (Sylt) St. Severin, evangelisch
Dr. phil. h.c. – Lehrer, Verleger
Andere Namen | Wirken | Familie | Nachweise | Leben | Zitierweise
Andere Namen

Geburtsname:

Suhrkamp, Heinrich Johann

Wirken

Werdegang:

  • Schule in Hatten, Oldenburg
  • Konfirmation in Kirchhatten
  • Lehrerseminar in Hannover
  • 1911-1914 Volksschullehrer
  • 1915 Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg, zahlreiche Tapferkeitsmedaillen, Nervenzusammenbruch
  • Studium der Germanistik in Heidelberg, Frankfurt am Main, München, bis 1929 Lehrer, zunächst der Odenwaldschule in Oberhambach, dann an der Freien Schulgemeinde Wickersdorf
  • 1921-1925 Dramaturg und Spielleiter am Landestheater Darmstadt
  • 1926-1929 Pädagogischer Leiter der Freien Schulgemeinde Wickersdorf
  • Redakteur der Ullstein-Verlags in Berlin
  • 1929 freier Mitarbeiter des „Berliner Tagblatts“, 1930 ganz in Berlin
  • 1932 leitender Redakteur der „Neuen Rundschau“ des S. Fischer Verlags, 1933 Vorstands-Mitglied
  • 1936 werden die Erben des Verlags, Gottfried Hermann und Brigitte Fischer, von den Nazis in die Emigration gezwungen, und Suhrkamp wird Verlagsleiter des S. Fischer Verlags
  • 1941 erzwungene Namensänderung in „Suhrkamp Verlag vorm. S. Fischer“
  • 1944 Gestapo-Haft, Anklage wegen Landes- und Hochverrat, acht Monate Haft im Konzentrationslager Sachsenhausen
  • lungenkrank und todkrank kann er das Konzentrationslager auf Intervention von Baldur von Schirach im Februar 1945 verlassen
  • 1945 erhält Suhrkamp die erste deutsche Verlagslizenz für den „S. Fischer Verlag“
  • 1950 Streit mit den Erben und Schlichtung durch Eugen Kogon: von fünfzig Autoren, die wählen durften, gehen 22 zum „Suhrkamp Verlag“, Frankfurt am Main, darunter Bertold Brecht, T. S. Eliot, Hermann Hesse, Ernst Penzoldt, Rudolf Alexander Schröder, Suhrkamp verlegt, Marcel Proust, Samuel Beckett in Deutschland, an modernen Autoren Rolf Becker, Günter Eich, Max Frisch, Uwe Johnson, Peter Weiss
  • Doktor der Philosophie h.c. Universität Frankfurt
  • 1956 Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main
  • 1957 Großes Bundesverdienstkreuz
  • 1957 Ehrenmitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung
  • 1959 die Gedächtnisrede hielt Theodor W. Adorno
  • 1984 Gründung der Peter-Suhrkamp-Stiftung, Frankfurt am Main, durch Siegfried Unseld zur Förderung der Literatur und Humanwissenschaften, Verleihung des Peter-Suhrkamp-Preises

Werke:

  • Deutscher Geist. Ein Lesebuch aus zwei Jahrhunderten, Einführung von Peter Suhrkamp, hrsg. von Oskar Loerke und Peter Suhrkamp, 2 Bde., Berlin 1940, revidierte u. erweiterte Ausgabe Frankfurt am Main 1953
  • Brief an einen jungen Freund, Berlin und Frankfurt am Main 1951 (Erstveröffentlichung 1946)
  • Ausgewählte Schriften Bd. 2, 1956
  • Munderloh. Fünf Erzählungen, Berlin und Frankfurt am Main 1957
  • Der Leser. Reden und Aufsätze, hrsg. von Hermann Kasack, Frankfurt am Main 1960
  • Briefe an die Autoren, hrsg. von Siegfried Unseld, Frankfurt am Main 1963 (Privatdruck schon 1961)
  • Hermann Hesse - Peter Suhrkamp, Briefwechsel 1945-1959, hrsg. von Siegfried Unseld, Frankfurt am Main 1969
Familie

Vater:

Suhrkamp, Johann Friedrich, Landwirt und Tischler

Mutter:

Lange, Elise Katharina, aus Hatten, ⚭ 1899, † April 1959, 91 Jahre alt

Partner:

  • Plöger, Ida, (⚭ 1913-1918) Lehrerin
  • Lehmann, Irmgard Caroline, (⚭ 1919-1923)Tochter des Professors Lehmann in Kiel
  • Cleve, Fanny, (⚭ 29.9.1923 bis 30.12.1924) 1893-1971, Sopranistin
  • Seidel, Annemarie, (⚭ 1935) Peter Suhrkamp starb 1959 zwei Tage vor dem Gerichtstermin für die Scheidung, * Braunschweig 30.11.1894, † 1959, 1921/22 Lebensgemeinschaft mit Carl Zuckmayer, verheiratet I. 1922-1932 mit Anthony van Hoboken, Schwester der Schriftstellerin Ina Seidel, Tochter des Heinrich Alexander Seidel
Nachweise

Literatur:

  • Georg Kurt Schauer, Ein Praeceptor Germaniae. Zum Tod des Verlegers Peter Suhrkamp. In: Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel, Frankfurter Ausgabe 15. Jahrgang Nr. 29, 10.4.1959, S. 469-470;
  • Siegfried Unseld & Helene Ritzerfeld, Daten, Dokumente und Bilder zur Biographie eines Verlegers, 1991;
  • Gunter Nickel (Hrsg.), Carl Zuckmayer/Annemarie Seidel: Briefwechsel, Göttingen 2003;
  • Josef Kern, Die Ehen des Peter Suhrkamp. In: FAZ Nr. 167, 22.7.2009, S. 29;
  • Wolfgang Schropf, Briefwechsel Peter Suhrkamp/Annemarie Seidel: Briefe an Mirl, Frankfurt am Main 2009
Leben

Seit November 1900 erschienen in der Samstag-Beilage der Oldenburger Nachrichten für Stadt und Land die Geschichten von „Jan un Hinnerk“ in plattdeutscher Sprache. Da die Eltern Suhrkamp fürchteten, ihr Sohn mit dem Rufnahmen Heinrich könne mit dem Namen des Oldenburger Komikers gehänselt werden, nannten sie ihn fortan „Peter“.1

Der Vater soll über die ersten Elaborate des Sohns in der Oldenburger Zeitung einen alttestamentarischen Zorn ausgelassen haben. Allerdings war es vor allem das Vorbild des Vaters, das ihn, wie Suhrkamp bekannte, davor bewahrt hätte, 1930 bis 1940 „auch in den deutschen Sumpf zu geraten.“


  1. So Peter Suhrkamp an Hermann Hesse 1948, vgl. Dirk Grathoff, in: Oldenburg Hauskalender 1992, S. 11.
Zitierweise
„Suhrkamp, Peter“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/118619977> (Stand: 9.7.2013)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde