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Hessische Biografie

Portrait

Paul Karl Moritz Knipping
(1883–1935)

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GND-Nummer

117524603

Knipping, Paul Karl Moritz [ID = 7466]

* 21.5.1883 Neuwied, † 26.10.1935 Darmstadt
Prof. Dr. phil. – Physiker, Professor
Andere Namen | Wirken | Familie | Nachweise | Leben | Zitierweise
Wirken

Werdegang:

  • 1904-1913 Studium Heidelberg
  • 1913 Promotion zum Dr. phil. an der Universität München
  • 1913-1922 Assistent Universität Berlin
  • 1924 Habilitation TH Darmstadt
  • 1924 Privatdozent Physik TH Darmstadt; Assistent des Physikalischen Instituts
  • 1928 apl. Professor für Röntgenphysik und Röntgentechnik an der TH Darmstadt
  • 1932 Vorstand des Instituts für Röntgentechnik an der TH Darmstadt
  • 1934 planmäßiger ao. Professor für Röntgenphysik und Röntgentechnik an der TH Darmstadt

Akademische Vita:

  • Darmstadt, TH / /Röntgentechnik / Professor / 1924-1935

Werke:

  • Über den Einfluß der Vorgeschichte auf verschiedene Eigenschaften des Bleies, Borna-Leipzig, 1913 (Diss. phil. München 1913).
  • Friedrich Walther, Paul Knipping, Max v. Laue, Interferenzerscheinungen bei Röntgenstrahlen. Eine quantitative Prüfung der Theorie für die Interferenz-Erscheinungen bei Röntgenstrahlen. In: Bayerische Akademie der Wissenschaften, Mathematisch-Physikalische Klasse, Sitzungsberichte 1912, S. 303-322, 363-373.

Lebensorte:

  • Heidelberg; München; Berlin; Darmstadt
Familie

Vater:

Knipping, Paul, Dr. med.

Mutter:

Hatzfeld, Emilie

Partner:

  • Krüger, Thea, Dr. phil.
Nachweise

Quellen:

Literatur:

Leben

Für die Entdeckung der Röntgenstrahlinterferenzen bei der Beugung von Kristallen im Jahre 1912 hat Max von Laue den Nobelpreis 1914 erhalten. Dieses Experiment hatte vielfältige Auswirkung auf alle naturwissenschaftlichen Disziplinen. Kristallstrukturbestimmung von Molekülen und Kristallen bis hin zu Proteinen und Ribosomen oder Mineralen und Gesteinen sind ohne diese Entdeckung nicht möglich. Die Experimente wurden dabei von Walter Friedrich und Paul Knipping durchgeführt. Von Laue war als theoretischer Physiker der Frage nach der Wellenlänge der 1895 von Röntgen entdeckten Strahlen auf der Spur. Er verband dabei die Frage nach den Abständen (bzw. der Existenz) von Atomen in Festkörpern mit der Strahlung. Wenn Wellenlänge und Abstände übereinstimmen, müssen Interferenzen auftreten, wie dies vom Licht bekannt war. Für die Experimente waren – wie auch heute noch üblich – Doktoranden zuständig. Paul Knipping und Walter Friedrich (Assistent von Sommerfeld) experimentierten mit verschiedenen Kristallen. Die Photoplatten, die die Interferenzen aufnehmen sollten, standen neben den Kristallen, parallel zum Strahl. Wochenlang forschten die Physiker vergebens. Der Legende nach änderte Knipping die Versuchsordnung, da die bisherige Anordnung offenbar Geräusche verursachte, die Knipping beim Schreiben seiner Dissertation störten. Er stellte die Platten hinter den Kristall und schließlich wurden bei Kupfervitriol CuSO4 . 5H2O erstmals die vorhergesagten Interferenzen beobachtet. Von Laues Wirken wurde immer wieder gewürdigt, auch Walter Friedrich (gest. 1968) war als Mitglied der Akademie der Wissenschaften der DDR und Namensgeber einer Straße Gegenstand öffentlicher Ehrungen. Weniger ist dagegen über Paul Knipping bekannt.

Paul Knipping wurde am 21. Mai 1883 in Neuwied als Sohn des Sanitätsrats Dr. Paul Knipping und seiner Frau Emilie Hatzfeld geboren. Er heiratete 1918 Dr. phil. Thea Krüger, Ärztin, Tochter des Generalmajors Georg Krüger. Er starb bei einem Motorradunfall am 26. Oktober 1935 in Darmstadt.

Paul Knipping studierte von 1904 bis 1913 in Heidelberg (2 Semester) und München (16 Semester) Physik. Sein Name wird für immer „mit der Geschichte der Röntgenstrahlen verknüpft sein, denn P. Knipping ist es 1912 zusammen mit W. Friedrich in München gelungen, den genialen Laueschen Gedanken mit Hilfe von Kristallgittern Interferenz-erscheinungen an Röntgenstrahlen zu erhalten, experimentell zu verwirklichen“ und so entscheidend mitzuarbeiten an der „Feststellung der Wellennatur der Röntgenstrahlen“ (Darmstädter Tageblatt November 1935). Am 26.5.1913 wurde er in München zum Dr. phil promoviert. Der Titel der Dissertation war: „Über den Einfluß der Vorgeschichte auf verschiedene Eigenschaften des Bleies“ (Bayrische Staatsbibliothek München).

Von 1913 bis 1922 war Knipping als wissenschaftlicher Assistent tätig. Einige Quellen berichten von einer Anstellung am Kaiser-Wilhelm-Institut für Physikalische Chemie in Berlin, andere von den Universitäten Berlin und Heidelberg. In diese Zeit fallen weitere Arbeiten über Elektronenstoß, aber auch „widrige Schicksale und bittere Enttäuschungen“. Schließlich konnte er durch eine Anstellung an der Technischen Universität Darmstadt dort seine Habilitation im Jahre 1924 mit dem Titel „Über Ionisierung von Molekülen durch Elektronenstoss“ erreichen und festen Fuß fassen. (Habil.-Schr. vom 7. Februar 1924)

Als Privatdozent und dann als außerordentlicher Professor (1928) widmete er die Folgejahre der Errichtung eines Instituts für Röntgenphysik, das schließlich in einer früheren Kaserne 1929/30 eingerichtet werden konnte (Leib-Garde-Infantrie-Reg, No 115, Magdalenenstr. 17). Die Ausstattung (erstaunlich gut, sagen die Unterlagen) bestand am 17.12.1929 aus einem Transformator, elektrischen Meßinstrumenten, Pumpen und Röntgenröhre (Müller, Siegbahn) und kostete 50293 Mark (inklusive Mobiliar). Zu Mitteln des Landes (Darmstadt war Hauptstadt des damaligen Landes Hessen, des früheren Großherzogtums) kamen Spenden der Vereinigung der Freunde der Hochschule und der Industrie (Seifert, Müller). Knipping konnte den Ausbau des Instituts für Röntgen Physik und Röntgen Technik nicht selbst vollenden. Am 26. Oktober 1935 starb er bei einem Verkehrsunfall. Damit endete ein Leben, „das mit der gleichen Begeisterung für die Wissenschaft sich auch für das neue Deutschland einzusetzen bereit war“ (Hess. Landeszeitung). Im Januar 1938 wurde in einer „schlichten Feier“ an Prof. Knipping erinnert, dessen Nachfolger Prof. Dr. Stintzing ab 1.11.1936 bis 1958 war.

Wenn auch die Arbeiten von Paul Knipping in seiner Darmstädter Zeit nicht unmittelbar der Strukturforschung zugerechnet werden, so ist sein Name durch die Experimente des Jahres 1912 in München doch auf immer mit der Kristallographie verbunden.

Hartmut Fueß

Zitierweise
„Knipping, Paul Karl Moritz“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/117524603> (Stand: 18.7.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde