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Hessian Biography

Portrait

Jacob Ludwig Philipp August Franz Hergenhahn
(1804–1874)

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Hergenhahn, Jacob Ludwig Philipp August Franz [ID = 12939]

* 16.4.1804 Usingen, † 29.12.1874 Wiesbaden, evangelisch
Dr. jur. – Jurist, Prokurator, Politiker, Abgeordneter, Landtagspräsident
Other Names | Activity | Family Members | References | Life | Citation
Activity

Career:

  • Schüler am Pädagogium in Idstein mit herzoglicher Unterstützung
  • 1817-1821 Gymnasium in Weilburg
  • ab 1821 Studium der Rechts- und Staatswissenschaften an den Universitäten Göttingen und Heidelberg
  • 1822 schließt er sich als Student in Heidelberg der „Alten Heidelberger Burschenschaft“ an
  • 1824 Prokurator am Hof- und Appellationsgericht in Usingen, danach in Wiesbaden
  • 1832 Austritt aus dem Staatsdienst und Übersiedlung nach Usingen
  • 1833-1841 Anwaltspraxis in Wiesbaden
  • 1841-1848 erneut in nassauischen Staatsdiensten als Prokurator am Hof- und Appellationsgericht in Wiesbaden
  • 1846-1848 Mitglied der Deputiertenkammer des Nassauischen Landtags, gewählt aus der Gruppe der Grundbesitzer, Wahlkreis Wiesbaden
  • 1848 Präsident der Deputiertenkammer
  • 1848 Mitglied im Fünzigerausschuss
  • 1848 Mitglied im Frankfurter Vorparlament
  • 1848-1849 Ministerpräsident des Herzogtums Nassau
  • 1848-1849 Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung, Wahlkreis Nassau 6
  • 1850 1. Rat und und Generalstaatsprokurator am Oberappellationsgericht in Wiesbaden
  • 1850 Mitglied im Volkshaus des Erfurter Reichstags, Wahlkreis Nassau 4
  • 1858 Gründungsmitglied der Freimauerloge „Plato zur beständigen Einigkeit“ in Wiesbaden, zuvor bereits Mitglied in der Freimaurerloge „Die Freunde zur Eintracht“ in Mainz
  • 1860 Direktor am Hof- und Appellationsgericht in Dillenburg
  • 1861-1863 Direktor am Hof- und Appellationsgericht in Wiesbaden
  • 1863 Direktor der Nassauischen Landesbank
  • 1863-1866 Meister vom Stuhl der Freimauerloge „Plato zur beständigen Einigkeit“ in Wiesbaden
  • 1866-1867 geschäftsführender Ministerpräsident und Justizminister
  • 1867 Mitglied des Norddeutschen Reichstags, Wahlkreis Nassau 1
  • ab 1867 Präsident des Hof- und Appellationsgerichts für den preußischen Regierungsbezirk Wiesbaden
  • bis zu seinem Tod 1874 war er Präsident des Vereins für Nassauische Altertumskunde und Geschichtsforschung

Role:

  • Nassau, Herzogtum, 05. Deputiertenkammer, Mitglied, 1846-1848
  • Nassau, Herzogtum, Deputiertenkammer, Präsident, 1848
Family Members

Father:

Hergenhahn, Johann Carl* Salomon, * Usingen 17.8.1762, † Usingen 28.3.1806, Sohn des Johann Valentin Hergenhahn, Kammerdiener, und der Dorothea Sibylla Josbacher

Mother:

Vigelius, Wilhelmine Christiane*, * Wiesbaden 31.8.1768, † Usingen 18.5.1805, Heirat Wiesbaden 5.12.1788, Tochter des nassau-usingischen Regierungspräsidenten Ludwig Wilhelm Konrad Vigelius und der Marie Christiane Thilemann

Partner(s):

  • Sulzer, Maria Pauline, * Magdeburg 24.12.1806, † Frankfurt am Main 22.3.1880, Heirat Berlin 30.5.1828, Tochter des Kaufmanns Friedrich Georg Sulzer
References

Bibliography:

Image Source:

anonym, AugustHergenhahn1848, als gemeinfrei gekennzeichnet, Details auf Wikimedia Commons (beschnitten)

Life

Durch burschenschaftliche Verbindungen und enge Kontakte mit Heinrich von Gagern, Itzstein und dessen Hallgartener Kreis, Bassermann, Rotteck und Welcker zählte Hergenhahn breits im Vormärz zu den führenden Vertretern des südwestdeutschen Liberalismus, dessen Forderungen er 1846 auf der Hallgartener Versammlung hervorragend vertrat und 1847 als Mitbegründer der Deutschen Zeitung in Heidelberg und Teilnehmer an der Heppenheimer Versammlung formulierte. Unter seiner Federführung entstand 1848 das Flugblatt mit den Neun Forderungen der Nassauer, das progammatisch die klassischen Märzforderungen aufgriff. Als Ministerpräsident verwirklichte er ein liberales Gesetzgebungsprogramm. Sein Ziel waren umfassende Reformen im Rahmen einer konstitutionellen Monarchie. Als Angehöriger der Casino-Partei mit ihren mehrheitlich erbkaiserlichen Bestrebungen trat Hergenhahn in der Frankfurter Nationalversammlung für eine Lösung der deutschen Frage unter preußischer Führung ein, und zwar auf der Grundlage einer für alle Teilstaaten verbindlichen, von der Nationalversammlung zu verabschiedenden Reichsverfassung. Im Verfassungsausschuß gehörte er zu den Befürwortern eines liberalen Grundrechtskatalogs. Maßgebliche Bedeutung kam Hergenhahn am Zustandekommen einer Kollektivnote zu, in deren Folge 28 Teilstaaten die Frankfurter Reichsverfassung anerkannten. Radikalen republikanischen Forderungen trat er sowohl als Märzminister mit militärischer Unterstützung der Reichsexekution entgegen wie auch als Vorsitzender eines Ausschusses der Nationalversammlung für Untersuchungen gegen Abgeordnete der Linken. Nach der Ablehnung von Krone und Reichsverfassung durch König Wilhelm IV. trat Hergenhahn am 7.6.1849 von seinem Amt als nassauischer Ministerpräsident zurück, weil er sich verpflichtet hatte, keiner Änderung der von der Nationalversammlung beschlossenen Reichsverfassung zuzustimmen. (C. Rösner)

Citation
„Hergenhahn, Jacob Ludwig Philipp August Franz“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/116735511> (Stand: 16.4.2020)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde