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Hessische Biografie

Portrait

Ludewig III. Graf von Erbach-Schönberg
(1792–1863)

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GND-Nummer

116529040

Erbach-Schönberg, Ludewig III. Graf von [ID = 1111]

* 2.7.1792 Zwingenberg (Bergstraße), † 18.8.1863 Airolo, Begräbnisort: Schönberg bei Bensheim, evangelisch
Offizier, Generalleutnant, Abgeordneter
Andere Namen | Wirken | Familie | Nachweise | Leben | Zitierweise
Andere Namen

Weitere Namen:

  • Erbach-Schönberg, Ludwig III. Graf von
Wirken

Werdegang:

  • Unterricht durch Hauslehrer
  • 1807-1809 Militärinstitut Major Laroche in Darmstadt als Secondeleutnant im Hessischen Leibgarderegiment
  • 1811 Premierleutnant
  • 1812 als Premierlieutenant im ersten Bataillon des Ghz. Hessischen Leibgarderegiments im Krieg gegen Russland
  • 1/2.1813 Rückkehr mit starken Erfrierungen, die die Amputation der rechten Hand in Darmstadt nötig machte
  • 10.1813 Völkerschlacht bei Leipzig, bei der sein Bruder Gustav durch eine Kanonenkugel neben ihm ums Leben kam und der ältere Bruder Emil Christian verwundet wurde
  • folgt 1828 als Graf zu Erbach-Schönberg, Herr zu Breuberg, Abschied vom hessischen Militär als Großherzoglich Hessischer Oberst à la suite
  • 1829-1849 und 1856-1863 Mitglied der Ersten Kammer des Landtags des Großherzogtums Hessen, seit 5.1829 zum Eintritt berechtigt, nicht teilgenommen, regelmäßig entschuldigt
  • 1844 Großherzoglich Hessischer Generallieutenant á la suite
  • 17.2.1862 2. Inhaber des 1. Großhz. Hessischen Infanterie-Regiments
  • 1829-1849 und ab 1856 Erbliches Mitglied der 1. Kammer des Großherzogtums Hessen
  • verstarb auf einer Italienreise

Funktion:

  • Hessen, Großherzogtum, 04. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1829-1830
  • Hessen, Großherzogtum, 05. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1832-1833
  • Hessen, Großherzogtum, 06. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1834
  • Hessen, Großherzogtum, 07. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1835-1836
  • Hessen, Großherzogtum, 08. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1838-1841
  • Hessen, Großherzogtum, 09. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1841-1842
  • Hessen, Großherzogtum, 10. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1844-1847
  • Hessen, Großherzogtum, 11. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1847-1849
  • Hessen, Großherzogtum, 15. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1856-1858
  • Hessen, Großherzogtum, 16. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1859-1862
  • Hessen, Großherzogtum, 17. Landtag, 1. Kammer, Mitglied, 1862-1863
Familie

Vater:

Erbach-Schönberg, Gustav Graf zu, 1759-1812

Mutter:

Stolberg-Stolberg, Henriette Christiane* Gräfin von, 1753-1816, Tochter des Christoph Ludwig II. Graf von Stolberg-Stolberg

Partner:

  • Gronsfeld-Diepenbrock, Caroline Gräfin von, (⚭ Meerholz 28.2.1837) 1802-1852
  • Gronsfeld-Diepenbrock, Karoline Wilhelmine* Henriette Friederike Gräfin von, (⚭ Assumstadt 16.11.1854) † Schönberg 1858, Witwe des Ludwig Freiherr von Ellrichshausen, Schwester der ersten Frau

Verwandte:

Nachweise

Quellen:

  • Ludwig Graf zu Erbach-Schönberg, „Rußischer Feldzug 1812“, „Der Rückzug“. Manuskripte im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt F 21 A Nr. 37/6, fol. 71-248.

Literatur:

Bildquelle:

L. von Lehsten, Schönberg

Leben

Ludewig Graf zu Erbach-Schönberg, in Zwingenberg am 1.7.1792 geboren, machte eine gleiche militärische Karriere wie sein Bruder Gustav. Beide wurden bei Wagram gefangen genommen, aber bald wieder freigelassen. Auch im Frieden blieb er zunächst in hessischen Militärdiensten, erst in Worms, dann in Darmstadt in Garnison. “1 Seine militärische Laufbahn endete er 1829 als Oberst à la suite und wurde später noch zum Generallieutenant und 2. Inhaber des 1. Großhz. Hess. Infanterie-Regiments, der Leibgarde, ernannt.

Nachdem er seinem Bruder Emil Christian 1829 in den Besitzungen seiner Familie gefolgt war, wurde er erbliches Mitglied der ersten Kammer des Großherzogtums Hessen und später Senior des Gräflichen Gesamthauses Erbach. In Schönberg ließ er zunächst die von seinem Bruder projektierte Kirche erbauen und westlich vom Hauptschiff einen Familienfriedhof anlegen. Seine beiden Brüder und ihre Angehörigen ließ Ludewig aus Gronau auf den neuen Friedhof überführen. In Gronau verblieben die Angehörigen von Georg-August Graf zu Erbach-Schönberg und der Ferdinande-Henriette. In Schönberg wurden alle weiteren Mitglieder der Familie bestattet.

Nach der Mediatisierung der Erbachschen Grafschaften 1803 kam es zu einer „hohen Leistungsforderung des neuen Staates bei gleichzeitigem Weiterbestehen vieler Abgaben an die alten Herren“2. In Erbach-Schönberg erfolgte die Ablösung der Zehnten, Grundrenten und Zinsen durch die Rentkammern in König und Schönberg seit 1833, forciert aber seit den Unruhen im März 1848.3 Sie wurden von Graf Ludewig gefördert.4 1848 erfolgte im Zuge der endgültigen Auseinandersetzung der standesherrlichen Rechte auch die Neuregelung der Anstellung des Konsistorial- und Forstpersonals.5

Auf Ludewig ging auch die Ludewigslinde oberhalb des Schönberger Herrenwingerts zurück. Zugleich ließ er den Schloßpark in seiner jetzigen Form durch den Hofgärtner Storck anlegen.

Seine Schwiegertochter Marie schilderte ihn als einen frommen, herzensguten Mann mit schlichter Lebensweise, ohne Standesdünkel. Der miterlebte Tod seines Bruders Gustav und das einfache Soldatenleben hatten ihn geprägt. Modernen Komfort und höfischen Prunk lehnte er ab.

Sein starkes soziales Engagement, insbesondere für die Schönberger fand u.a. in der gräflichen „Suppenanstalt“, in der Gründung der Arbeiter-Hilfsvereine in Schönberg, Reichenbach, Gadernheim und Gronau, und der Schaffung von Arbeitsmöglichkeiten ihren Ausdruck. Viele Bewohner des Lautertals wurden als Arbeiter im Weinberg, Schloßpark, den Feldern und Gütern der Familie beschäftigt. So entstand u.a. das Hofgut Hohenstein. Der Graf vergab für die Förderung der Schaffung von Arbeitsplätzen zinslose Darlehen. Selbst die Seidenraupenzucht wollte er wieder einführen. Er starb als Witwer in Ariolo am 18.8.1863 während einer Italienreise infolge eines Schlaganfalls.

Seine erste Gemahlin, Caroline Gräfin von Gronsfeld-Diepenbrock heiratete er im Isenburgischen Schloß Meerholz 1837. Sie starb in Schönberg 1852. Der Ehe entstammten die Tochter Marie und der Sohn Gustav, der nachmalige Fürst Gustav zu Erbach-Schönberg. In zweiter Ehe heiratete Ludewig in Assumstadt 1854 die Schwester seiner ersten Frau, Wilhelmine Gräfin von Gronsfeld-Diepenbrock, Witwe des Ludwig Freiherrn von Ellrichshausen, auf Schloß Assumstadt im Hohenlohischen. Wilhelmine starb bereits nach vier Jahren 1858 in Schönberg.

Der Ahnherr dieser beiden Ehefrauen, Bertram von Diepenbrock Graf von Gronsfeld (+ 1772) hatte die Miterbin in Limpurg-Ober-Sontheim Amöne Sophie Gräfin von Löwenstein-Wertheim geheiratet. Sein Sohn Johann Bertram hatte das Amt Ober-Sontheim 1782 an Württemberg verkauft. Schon in der ersten Erbtöchtergeneration in Ober-Sontheim hatte Sophie Eleonore den Grafen Friedrich Karl zu Erbach (+ 1731) geheiratet, dessen Tochter Friederike ihren von der Mutter geerbten Anteil an Amöne Sophies Bruder, ihren Vetter, Johann Ludwig Graf von Löwenstein-Wertheim-Freudenberg brachte. Deren Nachkommen blieben im Besitz der Hälfte von Ober-Sontheim. Eine weitere Erbin in Limpurg-Gailfeld war die Gräfin Louise Charlotte von Leiningen, die den Grafen Franz zu Erbach-Erbach geheiratet hatte. Graf Franz hatte diesen Anteil 1790 an Württemberg verkauft.

Lupold von Lehsten


  1. Gustav Simon, Die Geschichte der Dynasten und Grafen zu Erbach und ihres Landes#052923703, Frankfurt am Main 1858, S. 479f.
  2. Peter Fleck, Agrarreform in Hessen-Darmstadt. Agrarverfassung , Reformdiskussion und Grundlastenablösung (1770-1860), Darmstadt/Marburg 1982, S. 254
  3. HStA Darmstadt Best. F 21 B Nr. 57/6.
  4. Vgl. aber das Konzept einer ausführlichen Darstellung des revolutionären Geschehens, das vmtl. Graf Ludewig III. von Erbach-Schönberg aufgrund der Berichte des Kammerdirektors Johann Adam Dingeldey verfaßte; HStA Darmstadt Best. F 21 B Nr. 3/3.
  5. HStA Darmstadt Best. F 21 B Nr. 27/3.
Zitierweise
„Erbach-Schönberg, Ludewig III. Graf von“, in: Hessische Biografie <https://www.lagis-hessen.de/pnd/116529040> (Stand: 15.8.2017)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde