Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

Inhalt
- Die Situation in Metz zu Beginn des Krieges 1914
- ...
- Besuch der Metzer in Frickhofen und Mensfelden
- Von Kirberg über Niederselters nach Camberg
- Über Schwickershausen und Camberg nach Werschau
- Besuch in Eschhofen, Dehrn und Dietkirchen
- Besuch der Metzer im Kreis Diez an der Lahn
- Abstecher nach Wiesbaden
- Von Wiesbaden nach Braubach
- ...
- Sorge um zurückgebliebene Metzer
↑ Franz Goldschmitt, Kriegserlebnisse evakuierter Metzer Bürger in Hessen, 1914-1915
Abschnitt 26: Besuch in Eschhofen, Dehrn und Dietkirchen
◀ [41-42] Ein ziemlich steiler Hügel mußte nun erklommen werden, um dann querfeldein nach Niederbrechen zu gelangen. In einer Wirtschaft fand die Versammlung statt, nachdem eine Portion Wurst als Mittagessen gedient hatte. Die glühende Sonne „versauerte" mir den weiten Weg längst der Berger Kirche nach Lindenholzhausen. Hier herrschte bei meiner Ankunft grenzenloser Jubel. Fast sämtliche Metzer begleiteten mich wie im Triumphzug nach Eschhofen, wo wir bei der Kirche ein Stündlein miteinander plauderten. Alle plagte brüllendes Heimweh.
Gegen acht Uhr — es begann zu dunkeln und zu regnen — warf mir die scheidende Sonne, die mich in den letzten Tagen förmlich gebraten hatte, den Abendgruß bei Dehren zu. Auf meine Bitten kamen die Metzer an die Lahn. Die Müdigkeit, noch mehr die bedauernswerten Zehen verboten mir die Hausbesuche. Trotz des strömenden Regens eilten die meisten Landsleute herbei. Nur ein Viertelstündlein dauerte unsere Unterhaltung. Dann fuhr das Dampfschifflein ab, das mich an Dietkirchen vorbei wieder nach Limburg brachte. Meine [S. 42] Kräfte waren so zusammengeschrumpft, daß ich den Weg vom Hafen zum Priesterseminar nicht zurücklegen konnte. Im ersten besten Hotel labte mich ein warmes Abendessen, dann sofort in die Klappe; ich schlief und schlief bis am ändern Morgen neun Uhr.
Zum Dom waren die Metzer bestellt, die in Dietkirchen wohnten. Es kamen etwa fünfzehn.
Nach dem Besuch beim Hochw. Herrn Bischof, beim Herrn Regens des Priesterseminars und Herrn Landrat war ich Gast im katholischen Pfarrhause.
Welch eine Woche — strapazenreich, aber nicht trostarm. Wievielen armen verbannten Menschenkindern war mein Besuch lindernder Balsam für herbe Wunden!
[...] Eigentlich hätte ich mir ein paar Tage Ruhe gönnen müssen. Das Reisefieber verdrängte jedoch alle Feriengedanken. Kurz nach Mittag brachte mich der Zug nach der Kreisstadt Diez an der Lahn, wo der liebe Herr Pfarrer gerade im Mittagschläfchen gestört wurde. ▶
| Empfohlene Zitierweise: | „Franz Goldschmitt, Kriegserlebnisse evakuierter Metzer Bürger in Hessen, 1914-1915, Abschnitt 914: Besuch in Eschhofen, Dehrn und Dietkirchen“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/de/purl/resolve/subject/qhg/id/99-26> (aufgerufen am 08.05.2026) |
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