Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Monasteries

Description

Das Modul Klöster bietet eine Vielzahl an Informationen und Recherchemöglichkeiten zu Klöstern, Stiften, Klosterhöfen und Termineien. Alle Orden und geistliche Gemeinschaften (Kongregationen), die im heutigen Hessen vom frühen Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert eine Niederlassung hatten, werden erfasst. Eingebunden sind auch die wenigen Neugründungen des 16. und 17. Jahrhunderts in Hessen in der Zeit des religiösen Aufbruchs und der Konfessionalisierung. Dazu gehören der Jesuitenorden und die Frauenorden, die in der Erziehung und schulischen Ausbildung von Mädchen ihre besondere Aufgabe sahen. Die vielen Ordensneugründungen des 19. Jahrhunderts werden nur berücksichtigt, wenn sie ein altes Klostergebäude nutzten.

Seit Wilhelm Dersch mit seinem „Klosterbuch“ von 1940 zumindest für Nord- und Mittelhessen eine lexikalische Zusammenstellung angelegt hat, gibt es keine weitere zusammenfassende Darstellung für das heutige Bundesland Hessen. Diese Lücke möchte das Modul füllen und erstmals für Gesamthessen alle Klöster und klosterähnlichen Einrichtungen in einem Online-Nachschlagewerk vorstellen.

In Hessen, der einst blühenden Klosterlandschaft mit vielen religiösen Orten und Einrichtungen, werden im Zeitalter der Reformation Klöster durch die Landesherren aufgehoben und geschlossen. Nur in Mittelhessen überleben wenige Ausnahmen, die dann dem Reichsdeputationshauptschluss 1803–1806 zum Opfer fallen. Daher beschränkt sich die historische Darstellung zu den Einzelklöstern überwiegend auf Ereignisse in Mittelalter und Früher Neuzeit. In der Zusammenstellung werden nicht die in vielen Städten seit dem 12. Jahrhundert lebenden Beginen berücksichtigt, außer sie unterwerfen sich als Tertiarinnen den Franziskanerregeln und binden sich so an einen Orden an.

Einen Schwerpunkt der Artikel bilden Basisinformationen (Lage, Koordinaten, Landesherr, Ersterwähnung usw.), die auch im Historischen Ortslexikon zu finden sind. Daran schließen sich Hinweise zur Entstehung und Geschichte des Klosters, seiner Ordenszugehörigkeit und seiner Auflösung an. Gesondert dokumentiert wird der Besitz des Klosters; über die Verlinkung mit dem Ortslexikon ist eine regionale Einordnung und Betrachtung des Besitzes möglich.

Soweit fassbar, wird auch die Geschichte der Stadthöfe, Häuser und Termineien der Orden und Stiftsgemeinschaften vorgestellt, da im mittelalterlichen Leben geistliche Bewohner und Gäste, wie Terminierer (Sammler von Almosen, Spenden und festgelegten Unterstützungen) das Bild der Stadtgesellschaft prägten. Beispielhaft sei das in den Städten frei herumlaufende „Antoniusschwein“ genannt, das durch Antoniter, die im gesamten Hessen Niederlassungen hatten, bei ihrer jährlich stattfindenden „Quest“ (Betteltour) eingesammelt wurde.

Die Darstellung spiegelt unterschiedliche Epochen der allgemeinen Klostergeschichte in Hessen wider. In den ersten Klöstern leben Mönche und Nonnen nach der Benediktinerregel, werden Stifte durch die Regionalherren oder als Reichsklöster gegründet. Die Ritterorden der Johanniter und des Deutschen Ordens bauen mächtige Niederlassungen auf und sichern ihren Besitz durch Stadthöfe in den Städten. Seit dem 13. Jahrhundert finden sich verstärkt die Reformorden wie die Zisterzienser und Prämonstratenser in Hessen. Besonders die letzteren sind bedeutsam für die hessische Klosterlandschaft, da sie auch viele Frauenkloster gründen, wie bspw. Kloster Altenberg, wo die Tochter der Heiligen Elisabeth Gertrud, eine Schwester der Sophie von Brabant, als Äbtissin wirkte. Die aufstrebenden Städte bemühen sich besonders um Minoriten (Bettel-Orden) der Franziskaner und Dominikaner, die aufgrund ihres Armutsgelübdes und der Verpflichtung auf die Seelsorge für die städtische Gesellschaft vorteilhaft sind. Im 15. Jahrhundert ziehen „Brüder und Schwestern vom gemeinsamen Leben“ in die Städte ein. Sie schätzen besonders Arbeit und Bildung neben dem Gebet hoch ein, bieten als Laien mit ihrem Gemeinschaftsleben ein Vorbild für die durch wirtschaftliche und religiösen Krisen bedrohte Gesellschaft. Reformen des 15. Jahrhunderts, auch in Gang gesetzt durch die hessischen Landgrafen, prägen die Ereignisse in den Klöstern und Stiften. Netzwerke zwischen den Klöstern durch Visitationen und Zusammenarbeit der Reformklöster wie Bursfelde oder Böddeken lassen sich nachweisen.

Die Konflikte der Territorialherren um die Vergrößerung des Einflusses- und Machtbereiches, das Ringen der Reichsstädte um ihre Unabhängigkeit, die Auseinandersetzungen zwischen Kaiser und Päpsten, das große Kirchenschisma finden ihren Niederschlag in den Hinweisen zur Klostergeschichte ebenso wie die großen wirtschaftlichen Krisen des Mittelalters, die Umstellung auf Geldwirtschaft und die Seuchen und Entvölkerung im 14. Jahrhundert.

Mit der Einführung der Reformation unter Landgraf Philipp 1527 (Homberger Synode), gefolgt von durch die Maßnahmen der Grafen von Waldeck und vieler anderer hessischer Regionalherren verödet die Klosterlandschaft. Die Konkurrenz zu den katholisch bleibenden Gebieten der Erzbischöfe von Mainz und der Fürstbischöfe von Fulda entzweit die Region, Konfessionalisierung sowie die Kriege im 17. Jahrhundert zerstören weiter die ehemalige reiche religiöse Landschaft. Endgültig verlieren die Klöster und Stifte dann 1803/1806 ihre Existenz und werden säkularisiert.

Historische Ansichten und aktuelle Fotografien sowie Lagepläne und Rekonstruktionszeichnungen veranschaulichen das wechselnde Aussehen der Klosteranlagen. Recherchemöglichkeiten über eine Erweiterte Suche führen u.a. zu einzelnen Orden oder Klostertypen. Wichtige Links (zum Beispiel zum Online-Angebot der Germania Sacra) vereinfachen für den Nutzer weitere Recherchemöglichkeiten. Dazu gehört die Verknüpfung mit dem Datenbestand der Denkmalpflege, zur Erforschung der Architekturgeschichte und Bausubstanz. Über die Verknüpfung mit der Hessische Bibliographie und Arcinsys lassen sich bereits digitalisierte Archivbestände erschließen und weitere Publikationen finden. Der Hessische Städteatlas und der Geschichtliche Atlas von Hessen sind weitere Online-Angebote des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde, die verknüpft sind. Weiter lässt sich der Standort der Niederlassung aus der Übersichtskarte erschließen; die Verbindung zu anderen Modulen in LAGIS, wie beispielsweise den Grabdenkmälern, da viele Klosterkirchen als Grablegen adliger Familien genutzt wurden, ist vorgegeben.

Die einzelnen Datensätze im Klostermodul bieten aktuell Grundinformationen und werden weiter ausgebaut; ergänzende Hinweise sind erwünscht und werden gerne eingearbeitet. Das Modul kann auch nicht den spannenden Alltag hinter den Klostermauern und Stiften mit seinen Alltagsproblemen, Konflikten und Besonderheiten zum Leben erwecken oder abbilden, aber es lädt ein, sich intensiver mit dieser fast verschwundenen Welt zu beschäftigen.

Das Modul Klöster wird in Kooperation mit der Historischen Kommission für Hessen entwickelt.

Die Projektmitarbeiter/innen

  • Stefan Aumann M.A.
  • Roswitha Kraatz
  • Dr. Katharina Schaal
  • Prof. Dr. Ulrich Ritzerfeld

Kontakt:

Prof. Dr. Ulrich Ritzerfeld
Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, Marburg

 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde