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Strengvertrauliches Schreiben der Kriminalpolizeileitstelle Frankfurt an das Städtische Bauamt vom 2. Februar 1943

Bericht des Sicherheitsdienstes der SS zu Bordellen für ausländische Arbeiter, 29. November 1943

Ein Bericht des Sicherheitsdienstes der SS zu Inlandsfragen vom 29. November 1943 behandelt die Bordelle für ausländische Arbeiter. Es habe sich, so wird festgestellt, zum Schutz des deutschen Volkes als immer notwendiger gezeigt, für die im Reich eingesetzten fremdvölkischen Arbeiter Bordelle zu errichten, um den bedrohlich zunehmenden Geschlechtsverkehr fremdvölkischer Arbeiter mit deutschen Frauen und Mädchen, besonders in Orten mit stark massiertem Ausländereinsatz tatkräftig entgegenzutreten. Deshalb seien an etwa 60 Einsatzstellen von Ausländern im Reich Bordelle mit etwa 600 Prostituierten errichtet worden, weitere 50 Bordelle seien im Bau und würden in Kürze fertiggestellt.

Der Bericht führt aus, die Prostituierten würden auf freiwilliger Grundlage in Paris, in Polen und dem Protektorat Böhmen und Mähren ohne besondere Meldungen angeworben. Sie könnten daher jederzeit aus dem Bordell ausscheiden und in ihre Heimat zurückkehren. Sie unterstünden einer sehr strengen gesundheitlichen, hygienischen und polizeilichen Kontrolle, für Verpflegung, Heizung, Licht und Wäsche usw. müsse jedes Bordellmädchen einen täglichen Satz abführen.

Nach den vorliegenden Meldungen sei der Besuch der Bordelle durch die Ausländer äußerst rege. Teilweise würden fremdvölkische Arbeiter bereits den Schichtwechsel ausnützen, um das Bordell aufzusuchen. Die Einnahmen der Prostituierten seien im allgemeinen recht hoch, weil sie vereinzelt bis zu 50 Männer am, Tage empfangen. Dazu wird zum Beispiel aus Frankfurt am Main berichtet: Während die Polinnen nicht viel verdienen, sind die Französinnen in der Lage, jeden Monat (mit Genehmigung der Devisenstelle) RM 1.000,- nach Frankreich zu schicken. Die Preise für einen Besuch sind RM 3,- bis RM 5,- im Durchschnitt. Preise von RM 50,- und sogar RM 100,- sollen vereinzelt gezahlt worden sein.

Der Bericht weist aber auch darauf hin, dass in der deutschen Bevölkerung nicht immer ein Verständnis für diese Bordelle vorhanden sei. Angesichts des Krieges sei es nach dieser Meinung besser, das Geld für Wohnungen der Volksgenossen zu verwenden, statt mit hohem finanziellem Aufwand Bordelle für Ausländer zu schaffen. Da man die Frage der Bordelle nicht in der Zeitung oder im Rundfunk erörtern könne, sei es Aufgabe der Partei, hier Aufklärungsarbeit zu leisten. Dabei sei darauf hinzuweisen, wie wichtig die getroffenen Maßnahmen angesichts der Gefährdung des rassischen Bestandes des deutschen Volkes durch Geschlechtsverkehr deutscher Volksgenossen mit ausländischen Arbeitskräften sei.
(OV)

Belege
Empfohlene Zitierweise
„Bericht des Sicherheitsdienstes der SS zu Bordellen für ausländische Arbeiter, 29. November 1943“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edb/id/4736> (Stand: 29.11.2020)
Ereignisse im Oktober 1943 | November 1943 | Dezember 1943
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