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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 12. Marzhausen / 19. Vatterode

Weitere Informationen

Marzhausen

Ortsteil · 207 m über NN
Gemeinde Neu-Eichenberg, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

8 km nordöstlich Witzenhausen

Lage und Verkehrslage:

2,5 km nordnordwestlich von Hebenshausen gelegen

Lockeres Dorf mit durchlaufender Straße um die Kirche am Nordrand

Südwestlich abgesetztes Gut

Ersterwähnung:

1120

Siedlungsentwicklung:

Reste der Landwehr vorhanden, die von der Werra bei Hedemünden über Hermannrode-Marzhausen nach Friedland zog

Historische Namensformen:

  • Maretegeshus(on), in (um 1120) [Abschrift Hoffmann, Helmarshausen und Corvey, S. 102]
  • Marthegeshus(on), in (1150/60) [Abschrift Hoffmann, Helmarshausen und Corvey, S. 125]
  • Martakeshusen, in (1222)
  • Mardakeshusen, in (1223)
  • Mardageshusen, de (1246)
  • Martageshusen, in (1268)
  • Marthageshusen, de (1303)
  • Marteshusen, in villa (Anfang 14. Jahrhundert)
  • Martigeshusen, von (1350)
  • Marthusin, von (1352)
  • Martirshusen, von (1365)
  • Martishusen, von (1391)
  • Martzhusen, von (1405)
  • Marteßhusen, to (1447)
  • Martzhusen, to (1496)
  • Martighausen, über dem Dorff (1543)
  • Martshausen, zu (1569)
  • Marxhausen, zu (1571)
  • Mershausen (1575/85)

Bezeichnung der Siedlung:

  • Anfang 14. Jahrhundert: villa
  • 1459: Dorf

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Reste der Landwehr vorhanden, die von der Werra bei Hedemünden über Hermannrode-Marzhausen nach Friedland zog

Älteste Gemarkungskarte:

1780

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3562566, 5697553
UTM: 32 U 562467 5695714
WGS84: 51.40919758° N, 9.898164771° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636009050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1744: 825 Acker
  • 1961 (Hektar): 297, davon 30 Wald (= 10.10 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1575/85: 33 Hausgesesse
  • 1681; 24
  • 1744: 182 Einwohner
  • 1747: 27 Mannschaften mit 28 Feuerstellen
  • 1961: 242, davon 199 evangelisch (= 82.23 %), 43 katholisch (= 17.77 %)
  • 1970: 249 Einwohner

Diagramme:

Marzhausen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1448 und 1559: Amt Friedland
  • 1530: Gebiet der Burg Berlepsch
  • 1560: Versuch Braunschweigs, Dorf Marzhausen in Gerichtszwang des Amtes Friedland zu ziehen; Dorf und Gericht landgräflich und Lehen der von Berlepsch
  • 1570: Amt Witzenhausen
  • 1575/85: Amt Ludwigstein
  • 1747: Amt Witzenhausen
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Witzenhausen
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Witzenhausen
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Leine-Departement, Distrikt Göttingen, Kanton Friedland
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Witzenhausen
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Witzenhausen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Witzenhausen

Gericht:

  • 1370: Gericht ist braunschweigisches Lehen der von Stockhausen
  • 1455: von diesen an von Grone
  • 1561: Niederes und peinliches Gericht von Berlepsch
  • um 1570: Gericht von Berlepsch und von Bodenhausen
  • 1747: Niederes Gericht von Bodenhausen und von Berlepsch, peinliches Gericht von Berlepsch und Hannover alternierend
  • 1778: Gericht Berlepsch des Amtes Witzenhausen
  • 1807: Friedensgericht Friedland
  • 1814: Amt Witzenhausen
  • 1822: Justizamt Witzenhausen
  • 1834: Justizamt Witzenhausen II
  • 1837: Justizamt Witzenhausen
  • 1867: Amtsgericht Witzenhausen
  • 1879: Amtsgericht Witzenhausen

Gemeindeentwicklung:

Am 1.2.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden zur neu gebildeten Gemeinde Neu-Eichenberg zusammengeschlossen, deren Ortsteil Marzhausen seitdem ist.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Um 1120: Kloster Helmarshausen tauscht Güter zu Marzhausen ein und erhält solche von Herzog Lothar von Supplinburg und seiner Frau Richenza
  • 1221: Heinrich Truchseß von Eberstein und die von Reinhausen überlassen Graf Konrad von Everstein den Zehnten zu Marzhausen, dieser überläßt ihn dem Erzbischof von Mainz.
  • 1223: Erzbischof Siegfried von Mainz schenkt dem Kloster Hilwartshausen unter anderem Zehnte zu Marzhausen, die ihm Graf Konrad von Everstein resignierte.
  • 1268: Die Gebrüder von Ziegenberg verkaufen dem Kloster Mariengarten ihr Allod und eine Mühle zu Marzhausen.
  • 1325: Die von Rusteberg übergeben dem Kloster Mariengarten einen Zins zu Marzhausen.
  • 1370: Herzog Otto von Braunschweig belehnt Heimbrad von Stockhausen mit Dorf, Gericht und Vogtei Marzhausen; folgend Belehnungen der von Stockhausen bis 1436
  • 1415: Eckhard von Grone durch die von Plesse mit 4 Huben zu Marzhausen belehnt
  • 1416: Die von Plesse belehnen Lange Recke mit 1 Hube und 2 Höfen zu M.
  • 1418: Heinemann von Eberstein verkauft unter anderem Zehnten zu Marzhausen an Job. von Plesse.
  • 1420: Die von Stockhausen schenken dem Wilhelmitenkloster Witzenhausen eine Rente zu Marzhausen.
  • 1424: Die von Rusteberg verkaufen einen Zins zu M. an Kloster Mariengarten.
  • 1428-36: Lehnbrief Ditmars von Stockhausen über Marzhausen mit Gericht und Vogtei, wie es der Herrschaft Braunschweig eigen ist.
  • 1436: Berthold von Lange durch die von Plesse mit Zehnten zu M. belehnt.
  • 1447: Gottschalk von Plesse belehnt Hans Recke mit 1 Hube und 2 Höfen zu Marzhausen.
  • 1456: Hermann Segebode von Göttingen von Plesse mit Zehntem zu Marzhausen belehnt.
  • 1459: Die von Stockhausen verschreiben den von Bodenhausen Dorf Marzhausen
  • 1462: Heinrich von Stockhausen verkauft an Sittich von Berlepsch Dorf Marzhausen
  • 1479: Hans Twernemann, Bürger zu Göttingen, von Plesse mit Zins zu Marzhausen
  • belehnt
  • 1492: Gunzel von Grone verkauft 1/2 Vorwerk und 3 Kothöfe zu Marzhausen an seinen Bruder.
  • 1494: Herzog Wilhelm von Braunschweig belehnt die Gebrüder von Grone und ihre Vettern von Stockhausen mit Dorf Marzhausen; folgend Belehnungen der Grone und ihrer Verwandten bis 1555 durch Herzog Erich von Braunschweig
  • 1559: Kloster Hilwartshausen verkauft eine Rente von Zehnten und Vorwerk zu Marzhausen
  • 1562: hessische Rechte an Marzhausen sind mit Braunschweig strittig
  • 1566: Hans Twernemann sucht bei den von Plesse um Belehnung zu Marzhausen an
  • 1569: Florian von Weyhe durch Herzog Erich von Braunschweig mit Marzhausen belehnt
  • 1571: Landgraf Wilhelm belehnt Philipp von Hanstein mit einem Zins aus der Mühle zu Marzhausen, folgend Belehnungen der Hansteiner bis 1794
  • 1575/85: Hof mit Gefallen und Gerechtigkeiten zu Marzhausen hessisches Lehen, Zinsen aus einer Mühle sind plessisches Lehen der von Hanstein; 1 Hube und 2 Höfe zu Marzhausen sind pless. Lehen der von Mandelsloe.
  • 1604: Landgraf Moritz belehnt die von Heßberg mit Vorwerk und Zubehör zu Marzhausen.
  • 1618: Hessen erhält durch Vertrag mit Braunschweig Steuerrecht in Marzhausen.
  • 1730 und 1824: die von Berlepsch von Hessen mit Vorwerk und 4 Hufen zu Marzhausen belehnt
  • 1831: Marzhausen endgültig an Hessen
  • Daneben 1815 und 1844 Belehnung der von Laspe mit 1/2 Hufe zu Marzhausen durch Hessen

Ortsadel:

1246-1411

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1618: Jus episcopale durch Vertrag zwischen Braunschweig und Hessen an Hessen
  • Kirche erbaut 1847

Pfarrzugehörigkeit:

1556: Filiale von Hermannrode, da aber dort kein Pfarrhaus vorhanden, wohnt der Pfarrer in Marzhausen.

1581: Bei Übersiedlungsversuch des Pfarrer nach Hermannrode protestiert Marzhausen.

Weiter Sitz des Pfarrers in Marzhausen bis 1621, dann Marzhausen Filiale von Hermannrode wie heute

Patronat:

1556 und 1569: Plesse

1571 und 1831: Landgraf

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johannes Lepper 1556 bis ca. 1574

Kirchliche Mittelbehörden:

Archpresbytariat Sieboldshausen; Archdiakonat Nörten

1585: Superintendentur Rotenburg - Allendorf

Wirtschaft

Zoll:

1622: hessische Zollstätte für Ausländer

Nachweise

Quellen:

  • Cal. Or. 100 Mariengarten Nr. 53, 74, 132, 210
  • Cal. Or. 81h
  • Cal. Br. 1 k Friedland 1, 5, 19b, 40
  • Cal. Br. 1 k Brackenberg 2, 4f., 6a, 99, 177f.
  • Cal. Br. 7 B Hilwartshausen Nr. 126
  • Cal. Br. Arch. Des. 33 2 (Salbuch Plesse) fol. 79, 90v, 98, 98 v, 101v, 120V, 135V
  • Kann. 88 D Friedland A 3.
  • Kann. 94 Spec. 13 Hilwartshausen A X Nr. 8, desgl. B 3 b Nr. 8, desgleichen B Vh Nr. 4. Kann. 94 Spec. 18 Mariengarten A XII Nr. 11 a und c; alle Staatsarchiv Hannover
  • Kopiar Mariengarten Nr. 174, 176,256, 258, 261, Landesbibliothek Hannover

Literatur:

Zitierweise
„Marzhausen, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/6411> (Stand: 16.10.2018)
 
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