Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Holzheim

Stadtteil · 223 m über NN
Gemeinde Pohlheim, Landkreis Gießen 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

8 km südwestlich von Lich

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regelhaften Grundrißmerkmalen am Nordwesten-Rand der Wetterau am Ostfuß eines flachen Hügels. 2 km hinter dem Limes, der auf 2 km die nordwestlich Gemarkungsgrenze bildet.

Ausfallstraßen in alle Richtungen

Ersterwähnung:

790

Siedlungsentwicklung:

Groß- und Klein-Holzheim waren nach Wagner, Wüstungen Hessen Oberhessen, S.136 zwei Siedlungen, die zusammengewachsen sind.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Kleinkastell Holzheimer Unterwald, ca. 2 km nordwestlich von Holzheim

Älteste Gemarkungskarte:

1852

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3480287, 5594731
UTM: 32 U 480220 5592933
WGS84: 50.48804341° N, 8.721172693° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

531014050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 2964, davon 2372 Acker, 238 Wiesen, 354 Wald
  • 1961 (Hektar): 861, davon 26 Wald

Einwohnerstatistik:

  • 1834: 1082 Einwohner
  • 1885: 1158 Einwohner
  • 1925: 1182 Einwohner
  • 1939: 1176 Einwohner
  • 1950: 1840 Einwohner
  • 1961: 1648 Einwohner
  • 1830: 965 evangelische, 1 römisch-katholischer Einwohner, 27 Juden
  • 1961: 1318 evangelische, 326 römisch-katholische Einwohner
  • 1961 (Erwerbspers.): 300 Land- und Forstwirtsch., 364 Prod. Gewerbe, 93 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 80 Dienstleistung(en) und Sonstige

Diagramme:

Holzheim: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 790: Wetterau
  • 1210 und später: Gericht Grüningen, 1333 allerdings ein Holzheimer Zentgraf gen
  • 1787: Fürstentum Solms-Braunfels (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Gambach
  • 1806: Großherzogtum Hessen, Souveränitätslande, Provinz Oberhessen, Amt Gambach (zur Standesherrschaft Solms gehörig)
  • 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Hungen
  • 1841: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Hungen
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1918/19-1934: Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Gießen
  • 1977: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis
  • 1979: Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen

Altkreis:

Gießen

Gericht:

  • 1822: Landgericht Hungen, seit 1853: Landgericht Lich, seit 1879: Amtsgericht Butzbach

Herrschaft:

1419, nach Anfall der Falkensteiner Erbschaft, selbständ. Gericht unter eppstein. Herrschaft; 1420: Amtmann und Schöffen bezeugt. 1434 befreien die Brüder Graf Bernhard und Graf Johann von Solms sowie Gottfried und Eberhard von Eppstein die Höfe und Landsiedel des Kloster Arnsburg zu Muschenheim, Birklar, Bellersheim, Utphe, Münster, Holzheim, Eberstadt, Kolnhausen, Hof Güll von allen Diensten, Steuern, Beden mit Ausnahme der herkömmlichen Dienste (Solmser Urkunden 1 Nr. 1006). Nach 1478 (Erwerbung durch Solms-Braunfels wurde Holzheim von Butzbach aus verwaltet, nach dessen verlust 1623 bzw. 1627 zus. mit (Wüstung) Bergheim, Gambach und Griedel im Amt Gambach vereinigt. Landeshoheit, hohe u.ndr. Gerichtsbarkeit: Solms-Braunfels

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1970 Eingliederung nach Pohlheim

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • In den Jahren 772-825 erhält Kloster Lorsch in Holzheim zwölf Privatschenkungen, darunter 793 von Anstrat und Ozilo eine Eigenkirche mit Reliquien und Kirchenschatz, 100 Tagwerke, eine Hofstätte nebst Hufe sowie 5 Manzipien. Vier dieser zwölf Traditionen vermittelt der Priester Walthelm, darunter 823 12 Hufen und 4 Manzipien sowie eine dem hlg. Nazarius geweihte Kirche (Codex Laureshamensis III Nr. 2962-68, 2978, 3128-30, 3135, 3772). Lorscher Hubenliste (2. V. 11. Jahrhundert): 5 (Voll-) Hufen und 15 zu Dreitage-Fron verpflichtete Hufen, 1 Kirche (Codex Laureshamensis III Nr. 3683).
  • 1151 stattet Konrad von Hagen das Kloster Arnsburg mit 5 1/2 Hufen zu Holzheim und dem zur Ortschaft gehörenden Wald aus (Mainzer Urkundenbuch 2, 1 Nr. 159). 1259 verkaufen die von Weinsberg als Miterben der Herrschaft Münzenberg ihre Güter zu Groß-Holzheim (25 Tagwerke Äcker) an Kloster Arnsburg (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 80).
  • 1210 verkauft Hartrad von Merenberg Kloster Arnsburg sein predium in maiori Holzheim. 1229 hat Kloster Arnsburg 7 Grangien zu Holzheim.
  • 1230 schenkt der Priester Konrad gen. Wllenstat (Wöllstadt) Arnsburg u.a. 6 Hufen in Holzheim. 1249 ertauscht Arnsburg vom Ritter Kraft von Ofleiden 2 Mo Wiesenland zu Holzheim gegenüber dem Klosterhof gegen 2 Morgen Wiese gegenüber dem Dorf gelegen. 1259 verkaufen die Brüder Engelhard und Konrad von Weinsberg, Miterben in Münzenberg, Arnsburg 25 Morgen Ackerl. bei Groß-Holzheim. 1276 streiten sich Arnsburg und die Gemeinde Grüningen um die Grangien Güll und Holzheim (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 4, 13, 14, 16, 55, 80, 153). 1280 schenkt der Wetzlarer Bürger Konrad von Driedorf Kloster Arnsburg seine Güter zu Holzheim (Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 1 Nr. 239). 1287 erwirbt Arnsburg von dem Friedberger Bürger Guntram von Holzheim alle seine Güter in Klein- und Groß-Holzheim und Eberstadt mit allem Zubehörechts 1328 verkauft Gylo Faber von Holzheim dem Gunther von Münzenberg eine Gülte von Äckern zu Holzheim. 1350 verkauft der Münzenberger Schöffe Johann von Holzheim alle Äcker und Wiesen zu Holzheim und Heuchelheim Kloster Arnburg. 1351 erhäklt Arnsburg von Sipelin von Grüningen, Bürgerin zu Münzenberg, eine jährl. Gülte von Gütern in Holzheim. 1362 verkauft Philipp von Falkenstein d. Jg. Arnsburg 1 1/2 Hufen Äcker und Wiesen zu Holzheim, die er vom Ritter Konrad von Bellersheim d. Jg., wohnhaft in Obbornhfen gekauft hatte. 1363 verkauft Johann von Holzheim, Bürger zu Münzenberg, Arnsburg seine Äcker zu Holzheim. 1445 überträgt Henne von Buseck Kloster Arnsburg eine jährl. Gülte, die entweder von Besitz zu Altenstadt oder Holzheim fällig ist (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 218, 599, 768, 785, 869,901, 902, 911, 1186). - 1326 verkauft Wolfram, Sohn des Wolfram gen. Lange de Gridele den Beginen und Wetzlarer Bürgerinnen Gudela und Hedwig Güter zu Holzheim.
  • Stift Zelle (Schiffenberg) verfügt im 14. Jahrhundert über Pachteinnahmen (Römer, Einkünfteverzeichnisse).
  • 1357 vertauscht dasMarienstift Wetzlar ein Gut zu Holzheim. 1361 erklären die Ritter Johann und Erwin von Kolnhausen, daß die Güter auf dem Feld zu Holzheim, die ihr Bruder und Wetzlarer Kanoniker Markle dem Stift gegeben hat, dessen eigen sind (Urkundenbuch der Stadt Wetzlar 1 Nr. 239, 273, 1069, III Nr.86, 147).
  • 1347 erhält Dietrich von Muschenheim von Kuno von Falkenstein ein Lehen zu Holzheim und Ober-Holzheim (Löffler, Herren von Falkenstein Bd. 2 Nr. 987). 1355 bewittumt Philipp von Falkenstein-Münzenberg seine Schwester Agnes u.a. mit Gülten zu zu Grüningen, Holzheim, Güll und Bergheim (Löffler, Herren von Falkenstein Bd. 2 Nr. 1104). 1362 verkauft Philipp d. Jg. von Falkenstein ein Gut bei Holzheim Kloster Arnsburg (Urkundenbuch des Klosters Arnsburg 3 Nr. 896). 1371 verleiht Philipp von Falkenstein Kloster Arnsburg eine Schäferei für seinen Hof bei Holzheim (Scriba, Regesten Urkunden Hessen 2 Nr. 1679).

Zehntverhältnisse:

1229 streiten das Mainzer Stift Mariengreden und Arnsburg um den Viehzehnten.1362 verkauft Heinrich von Ysenburg den 6. Teil des Zehnten zu Holzheim Kloster Arnsburg; da es sich um ein Mannlehen handelt, muß der Ysenburger dem Reich ein anderes Lehen auftragen. 1420 vertauscht Diether von Isenburg 2 Drittel des Zehnten zu Holzheim für das Arnsburger Gut zu Niederkleen.1474 ist der sechste Teil des Zehnten zu Holzheim von Kloster Arnsburg den Grünberger Antonitern verschrieben (Eckhardt, Die oberhessischen Klöster 3, 1 Nr. 472).

Ortsadel:

1210 - Ende 14. Jahrhundert

Kirche und Religion

Ortskirchen:

Pfarrzugehörigkeit:

1276 nach Grüningen eingepfarrt

1309 Filiale von Grüningen, bald darauf zur Pfarrei erhoben

1761 wurde Pfarrei Dorf-Güll mit Holzheim verbunden.

Patronat:

Pastor der Mutterkirche Grüningen, seit 1380 Kloster Arnsburg, dem die Kirche 1461 inkorporiert erscheint (bis 1803). 1803: Gesamthaus Solms, seit 1811 Solms-Laubach

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Peter Leschius 1550er Jahre bis nach 1566

Reformierter Bekenntniswechsel: 1580er Jahre, 1624 lutherisch, nach 1648 wieder reformiert

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Grüningen im Dekanat Friedberg, Archidiakonat St. Mariengreden zu Mainz

Juden:

Juden 1638 in Holzheim belegt. 1830: 27, 1852: 46, 1861: 40, 1905: 31, 1933: 17 Juden, vornehmlich Gewerbetreibende. Synagoge in der Schulstraße Anfang des 19. Jahrhundert errichtet. Als Begräbnisplatz diente der Friedhof in Grüningen.

Kultur

Schulen:

Schulmeister: Johannes Beull bis 1584

Mittelpunktschule 1964

Wirtschaft

Wirtschaft:

Basaltsteinbruch 1910

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Holzheim, Landkreis Gießen“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/10336> (Stand: 16.10.2018)
 
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