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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 52. Ziegenhain

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Allendorf an der Landsburg

Stadtteil · 220 m über NN
Gemeinde Schwalmstadt, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

2,5 km nordöstlich von Schwalmstadt

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit komplexem Grundriss an der Einmündung eines kleinen Seitentals in die Schwalmniederung. Kernbereich der Siedlung in konzentrischer Ausrichtung auf die Kirche. Kirche mit Resten wehrhafter Ummauerung (unter anderem Schlüsselschießscharten). Ein weiterer, tiefer gelegener Siedlungskomplex mit sichelförmigem Umriss im Südosten. Südwestlich abgesetzt, jenseits eines kleinen Bachtals, moderne Bebauung mit Gewerbeanlagen.

Ein östlicher Strang der alten Straße durch die Langen Hessen führte durch Allendorf.

Straßen von Ziegenhain und Dittershausen vereinigen sich am Bachübergang in Allendorf, um sich nördlich von Allendorf nach Schlierbach bzw. Michelsberg wieder zu verzweigen.

Ersterwähnung:

1197

Historische Namensformen:

  • Aldendorf (1197) [Urkunden A II Kloster Spieskappel]
  • Aldenthorp (1231)
  • Altendorf in monte (1262)
  • Aldendorff unter der Landes Burg (1353)
  • Kirch-Aldindorf (1360)
  • Aldendorf uf dem Berge (1360/67)
  • Allendorf (1747)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • Wüstung Klein-Allendorf
  • Wüstung Holzmannshausen
  • Auf eine wüste Siedlung deutet vielleicht der Flurname Ommelburg (ca. 1 km südwestlich von Allendorf).

Umlegung der Flur:

1899/1925

Älteste Gemarkungskarte:

ca. 1772

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3515189, 5645812
UTM: 32 U 515109 5643993
WGS84: 50.94736275° N, 9.215074693° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634022010

Flächennutzungsstatistik:

  • 1838 (Kasseler Acker): 1051 stellbares Land, 432 Wiesen, 80 Gärten, 76 Triesche
  • 1885 (Hektar): 791, davon 316 Acker (= 39.95 %), 177 Wiesen (= 22.38 %), 285 Holzungen (= 36.03 %)
  • 1961 (Hektar): 864, davon 205 Wald (= 23.73 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1502: 28 Männer. 1585: 48 Hausgesesse
  • 1639: 7 Bauern, 5 Ködener, 16 Einzelne, 1 Witwe
  • 1681: 32 Hausgesesse, 4 Ausschuss
  • 1782: 2 Schmiede, 3 Wagner, 1 Bender, 2 Maurer, 2 Schneider, 3 Leineweber, 1 Müller, 1 Zimmermann, 2 Branntweinschenken, 1 Krämer, 3 Lohnschäfer, 12 Tagelöhner
  • 1782: 51 Wohnhaus, 311 Einwohner
  • 1838 (Familien): 44 Ackerbau, 25 Gewerbe, 36 Tagelöhner
  • 1861: 529 evangelisch-reformierte Einwohner, 10 Juden
  • 1885: 485, davon 480 evangelisch (= 98.97 %), 0 katholisch, 5 Juden (= 1.03 %)
  • 1961 (Erwerbspersonen): 163 Land- und Forstwirtschaft, 98 produzierendes Gewerbe, 40 Handel und Verkehr, 21 Dienstleistungen und Sonstiges
  • 1961: 620, davon 549 evangelisch (= 88.55 %), 61 katholisch (= 9.84 %)

Diagramme:

Allendorf an der Landsburg: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Vor 1344/45: Gericht auf den Wasen (Amt Ziegenhain)
  • 1467 erscheint Allendorf mit Michelsberg zwischenzeitlich unter den Dörfern des Amtes Ziegenhain; ebenso 1548
  • Seit 1548/69: Amt Ziegenhain
  • 1371 und wohl schon seit 1344/45: Gericht zur Landsburg
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Frielendorf
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Grafschaft Ziegenhain, Amt Ziegenhain
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Ziegenhain
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Oberhessen, Landkreis Ziegenhain
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Ziegenhain
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Ziegenhain
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Ziegenhain

Gericht:

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingliederung in die Stadtgemeinde Schwalmstadt, deren Stadtteil Allendorf an der Landsburg wurde.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1197 hat Kloster Spieskappel Einkünfte in Allendorf
  • 1205/16 bekundet der Abt von Fulda, dass die Grafen von Ziegenhain von Fulda zu Lehen gehende Einkünfte in zwei Orten Allendorf an die von Heckershausen bzw. von Erbenhausen verpfändet hätten (Ortsidentifizierung fraglich; möglich, dass neben Allendorf im Bärenschießen [Stadtallendorf, Altkreis Marburg] Allendorf an der Landsburg gemeint ist; vgl. Klosterarchiv V Nr. 9).
  • 1252 belehnt Graf Gottfried von Ziegenhain seinen Ministerialen Bruno von Gerwigshain mit einem Vorwerk (allodium) zu Allendorf.
  • 1262 übereignet Hartrad von Goßfelden Kloster Haina seine Güter zu Allendorf.
  • 1295 erwirbt Haina von Kloster Blankenau Güter in Allendorf, die der verstorbene Priester Konrad von Heimbach Blankenau vermacht hatte.
  • 1271 leistet Meinrich von Uttershausen gegenüber Kloster Haina Verzicht auf Güter zu Allendorf, die sein verstorbener Onkel, Heinrich von Uttershausen, dem Kloster übertragen hatte.
  • 1360 hat Haina in Kirch-Allendorf 2 Güter. Ein weiteres, mit den von Rommershausen geteiltes Gut des Klosters liegt in Klein-Allendorf.
  • 1341 verpfändet Ritter Ludwig von Heimbach das von Ziegenhain zu Lehen gehende Gut zu Allendorf an Ritter Konrad Milchling.
  • 1365 erwirbt Kloster Spieskappel von den Grafen von Ziegenhain deren Vorwerk zu Allendorf (das der verstorbene Ritter Ludwig von Heimbach besessen hatte) mit Ausnahme des Kirchlehens, welches zu jenem Vorwerk gehört.
  • 1522 besitzt Kloster Spieskappel zu Allendorf und in der benachbarten Wüstung Holzhausen vier Güter (Allode) sowie einen Koden.
  • 1415 verkauft Henne Krengel den Grafen von Ziegenhain das sogenannte Krengel-Gut, zu Holzmannshausen und Allendorf gelegen.
  • 1569 haben die von Grusen einen Hof zu Allendorf.
  • 1782 befindet sich in Allendorf ein freiadliges Gut der von Berlepsch.

Zehntverhältnisse:

1337 verkaufen die von Milnrode den Hochgemut zu Treysa ihren halben Zehnten zu Allendorf.

1353 bekennt Ritter Heinrich Riedesel, dass er dem Burgmann Wigand Hochgemut und seinen rechten Lehnserben den großen und kleinen Zehnten bei Allendorf verkauft habe.

1368 reversieren sich die Hochgemut, dass sie ihren von Ziegenhain lehnsrührigen Zehnten binnen 8 Jahren von Ludwig Nodung wieder einlösen wollen.

Um 1585 teilen sich die Zehntrechte am Ort die Rau von Holzhausen, die von Linsingen und die von Gilsa.

Ortsadel:

1215-1477

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Pleban um 1225; Vikar 1280 genannt (Klosterarchiv V Nr. 34 bzw. 698).

Pfarrzugehörigkeit:

Pfarrkirche, der 1537 Dorheim, 1569 und später Michelsberg eingepfarrt waren.

1569 und 1585: Pfarrei Rommershausen (mit Dittershausen) von Allendorf versehen.

2. Viertel 16. Jahrhundert und 1794-1828: Dorheim Filiale von Allendorf.

Seither nur Michelsberg als Filiale eingepfarrt.

Patronat:

1295 erwirbt Kloster Haina von Kloster Blankenau 1 Viertel des Kirchsatzes zu Allendorf, den Blankenau von den von Heimbach übereignet bekommen hatte.

1341 übertragen die Krug, 1342 die von Windhausen ihre Rechte am Patronat den Grafen von Ziegenhain, die ihn 1364 dann ganz besitzen.

Seit 1450 landgräfliches Patronat.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Henn Brackers ca. 1530

Reformierter Bekenntniswechsel: 1605

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Sendbezirk Treysa

Juden:

1861: 10 Juden

Wirtschaft

Wirtschaft:

Fischerei 1371 erwähnt (Schunder, Löwenstein II, Nr. 258). Ein 1432 angelegter großer Teich (vgl. noch Schleenstein 1708/10), Mitte 19. Jahrhundert trockengelegt; Flurname Teichwiesen.

Mühlen:

Mühle 1371 genannt.

1546 bekennt Landgraf Philipp, dass er die Besteuerung seiner Mühle, zu Allendorf gelegen, samt der Fluer-Mühle, am Ausfluß des Allendorfer Teichs gelegen, der Frau des Hans Heiden und ihren Erben verkauft habe unter der Bedingung, dass sie auf der Fluer-Mühle keine Haushaltung haben noch Vieh halten dürften.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Allendorf an der Landsburg, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4522> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde