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Herzogtum Nassau 1819 – 45. Hochheim

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Flörsheim

Stadtteil · 92 m über NN
Gemeinde Flörsheim am Main, Main-Taunus-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Stadt

Lagebezug:

8 km südwestlich von Hofheim am Taunus

Lage und Verkehrslage:

Die an den Main grenzende Stadt liegt in der Nähe von Rüsselsheim.

Flörsheim liegt am rechten Ufer des unteren Mains auf lösbedeckter Niederterrasse, die unmittelbar vor dem Ort nach Süden in steiler Böschung zu der schmalen Auenterrasse abfällt und am Rande der Gemarkung nach Norden zur Mittelterrasse als dem südlichen Ausläufer des Taunusgebirges ansteigt. Östlich neben Flörsheim mündet der Artelgraben in den Main. Die Gemarkung überschreitet westlich noch den Unterlauf des in den Main mündenden Wickerbaches.

An der B 519 gelegen.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Frankfurt am Main – Wiesbaden („Taunusbahn“) (Inbetriebnahme der Strecke 13.4.1840).

Ortsform:

Ringdorf

Siedlungsentwicklung:

Die Anfänge der Siedlung liegen in der Merowingerzeit ca. zu Beginn des 5. Jahrhunderts

Bereits 1290 weist die Siedlung eine Toranlage auf.

Im Jahre 1462 wird Flörsheim im Zuge der Mainzer Stiftsfehde von Eberhard von Eppstein-Königstein verwüstet.

1547/48 werden Wehranlagen bzw. Mauer und Türme um den Ort gezogen.

1636 wird Flörsheim durch schwedische Truppen gebrandschatzt.

Im Jahre 1666 wird die Stadt von einer Pestepedemie heimgesucht.

Im Jahre 1764 werden die Wehranlagen geschleift.

Die heutige Bebauung erstreckt sich vom Main bis zum Geißberg.

Im Jahre 1953 erhält Flörsheim das Stadtrecht und 1971 werden Weilbach und Wicker zur Stadt eingemeindet.

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (1184)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

  • 1812: Wiesen-, Ober-, Unter-, Appels- und Hopfenmühle
  • 1818: Ziegelhütte, Mühle und Jungfeldischer Hof (ehem. Wiesenmühle)
  • 1897: Bahnhof, Hopfenmühle, Jungfeld´sche Mühle, Obermühle, Taubertsmühle, Untermühle, Kurhaus Weilbach und Ziegelhütte
  • Vor 1971: Falkenberg, Hopfenmühle, Keramag, Landfrauenschule, Obermühle, Steinbruch, Taubertsmühle, Wiesenmühle, Ziegelhütte

Burgen und Befestigungen:

  • 1290 Falltor
  • 1329 im Zuge der Fehde zwischen Erzbischof Balduin von Trier und Heinrich von Virneburg Anlage von Befestigungen an der Kirche
  • 1332 Aufforderung des Kaiser den burglichen Bau zu schleifen wurde nicht entsprochen
  • 1340 Nennung eines Burgrafen
  • 1349 und 1354 Anordnung des Mainzer Erzbischofs zur Zerstörung des Turms
  • Ab 1410 Bau von Befestigungsanlagen
  • 1459 Landwehr
  • 1462 Zerstörung der Befestigung im Zuge der Mainzer Stiftsfehde
  • 1484-1504 Ausbau der Landwehr in Verbindung mit der Kasteler Landwehr.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3459315, 5542286
UTM: 32 U 459256 5540509
WGS84: 50.01549993° N, 8.431301519° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

436004010

Flächennutzungsstatistik:

  • 1843: 3609 Morgen
  • 1885 (Hektar): 961, davon 786 Acker (= 81.79 %), 41 Wiesen (= 4.27 %), 5 Holzungen (= 0.52 %)
  • 1895: 961 ha
  • 1961 (Hektar): 958, davon 0 Wald
  • 1967: 958,1 ha
  • 1981: 960 ha

Einwohnerstatistik:

  • 1637: 63 Bürger (davon nur 12 aus Flörsheim gebürtig)
  • 1697: 162 Viehhalter
  • 1730: 1206 Einwohner
  • 1740: 1356 Einwohner
  • 1792: 196 Bürger
  • 1819: 1591 Einwohner
  • 1830: 1741Einwohner
  • 1851: 2231Einwohner (505 Haushalte)
  • 1885: 2811, davon 141 evangelisch (= 5.02 %), 2620 katholisch (= 93.21 %), 50 Juden (= 1.78 %)
  • 1900: 3711 Einwohner (753 Haushalte)
  • 1950: 9007 Einwohner (1242 Heimatvertriebene, 3145 Haushalte)
  • 1961: 9890, davon 2438 evangelisch (= 24.65 %), 7183 katholisch (= 72.63 %)
  • 1970: 10225 Einwohner

Diagramme:

Flörsheim: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Königssundergau
  • Zusammen mit Bischofsheim, Seilfurt, Raunheim und Rüsselsheim war Flörsheim Teil der Fünfdorfmark.
  • 1431: Kurmainz, Amt Hochheim
  • 1787: Kurfürstentum Mainz, Unteres Erzstift, Ämter des Domkapitels zu Mainz, Domdechaneiamt in Mainz
  • 1803: Fürstentum Nassau-Usingen, Amt Hochheim
  • 1814: Herzogtum Nassau, Amt Wallau
  • 1816: Herzogtum Nassau/Preußen, Amtsbezirk Hochheim
  • 1849: Herzogtum Nassau, Verwaltungsbezirk IX
  • 1854: Herzogtum Nassau/Preußen, Amtsbezirk Hochheim
  • 1867: Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Landkreis Wiesbaden
  • 1928: Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Main-Taunus-Kreis
  • 1977: Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis

Altkreis:

Main-Taunus-Kreis

Gericht:

  • Flörsheim gehörte zum Grafschaftsgericht des Königssondergaus beim Mechtildshäuser Hof. 1270 wurde es davon abgelöst und in Flörsheim ein eigenes Gericht des Mainzer Domkapitels bestellt. Das Schöffengericht bestand aus Oberschultheiß (vom Domkapitel ernannt), als dessen Vertreter 1361 der Büttel fungierte, Unterschultheiß (jährlich aus den Schöffen gewählt) und 6 Schöffen. Die Kartäuser und Klarissen von Mainz sowie das Kloster Eberbach stellten im 16. Jahrhundert wegen ihrer Höfe je einen Dingmann zu den drei ungebotenen Gerichten des Jahres.
  • Gerichtsbücher wurden ab 1447 geführt.
  • 1816: Amt Wallau
  • 1817: Amt Hochheim
  • 1849: Justizamt Hochheim
  • 1854: Justiz- und Verwaltungsamt Hochheim
  • 1867: Amtsgericht Hochheim

Herrschaft:

Herrschaft:

Flörsheim gehörte die längste Zeit seiner Geschichte m Gebiet des Mainzer Domkapitels.

1270 kaufte es das Dorf mit der Gerichtshoheit von den Herren von Eppstein, die es, wie noch eine Urkunde von 1298 ausweist, von den Grafen von Loon Lehen trugen.

Diese hatten die älteren Grafen von Rieneck Anfang 12. Jahrhundert beerbt, die wohl schon im 11. Jahrhundert den Ort besaßen und als Stadt- und Burggrafen von Mainz (als Vögte kirchlichen Besitzes?) erlangt hatten.

Das Domkapitel überließ Flörsheim 1420-31 und 1466 kurze Zeit dem Erzbischof von Mainz.

Dieser veräußerte den Ort 1427 den Herren von Eppstein und löste ihn 1431 wieder ein.

Seit der Säkularisation 1802 bis 1803 gehörte Flörsheim zum Fürstentum (seit 1806 Herzogtum) Nassau

Gemeinde:

Neben Schultheiß und Schöffen wirkten als Organ der Gemeinde vor allem für das Rechnungswesen bis Ende 18. Jahrhundert zwei Bürgermeister (seit 1480 bezeugt).

Die ersten Gemeinderechnungen werden ab 1633 geführt.

Gemeindeentwicklung:

Zur Entwicklung der im Zuge der hessischen Gebietsreform neu gebildeten Stadtgemeinde s. Flörsheim am Main, Stadtgemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Flörsheim.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Um 780-817 erhält das Kloster Fulda zwei Leibegene in Flörsheim übertragen.
  • 922 überträgt der Erzbischof von Köln dem Kölner Ursulastift zwei Hufe Land.
  • 1213 vergeben die Eppsteiner ihre Vogteigüter an den Schultheiß Dieter von Mainz und später an dessen Sohn Gudo.
  • In der ertsen hälfte des 13. Jahrhunderts Hatte Ludwig von Breckenheim ein eppsteinisches Geldelehen inne und Hartlib Niger hatte einen Weinmarkt zu Lehen.
  • 1290 erhält das Mainzer Domstift die Güter seines Domdechanten in Flörsheim, welche etwa ein Größe von 200 Morgen hatten.
  • Zur gleichen Zeit hatte auch das Kloster St. Clara in Mainnz dort Besitz.
  • Im 14. Jahrhundert hatte Ruprecht von Sonnenberg drei Joch Land als eppsteinisches Lehen inne.
  • 1320 verkauft Culmannus gen. von Dryvels dem Domkapitel 220 Morgen Acker und Weinberge in Flörsheim und Wicker.
  • 1352 vermacht der Kantor des Mainzer St. Viktorstifts seinen gesamten Besitz in Flörheim an die Mainzer Kartäuser. Zur gleichen Zeit hatten Domstift, die Dompräsenz, das Kloster Eberbach und das Stift St. Klara.
  • 1361 verkauft Knappe Hennekin gen. Sasse de Glymendal seine ganzen Güter in Flörsheim an den Mainzer Domvikar.
  • 1370 kaufen die Kartäuser den Hof derer von Scharfenstein.
  • Im 17. Jahrhundert besitzen die Frankfurter Dominikaner Güter im ort.
  • 1703 besitzt das Mainzer Domkapitel noch sechs Höfe in Flörsheim.

Zehntverhältnisse:

1184 erhält der Flörsheimer Pfarrer den Viehzehnt und das Mainzer Mariagredenstift zusammen mit der Kirche den Wein- und Kornzehnten.

1275 erhält das Sift St. Viktor den Viehzehnten.

1372 führen St. Viktor und das Mariagredenstift einen Streit um die Kirche und den Zehnten.

1394 pachtet Frank von Kronberg den Kornzehnten vom Mariagredenstift.

1514 und 1675 hat das St. Viktorstift Teile des Salzzehnten und Zehnten inne.

Ortsadel:

Die in der Main-Taunus-Region vorkommenden Ritter von Flörsheim stammten wohl aus Ober-Flörsheim bei Alzey. 1209: Arnold von Flörsheim

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1184: Pfarrei.
  • Ab 1621 (bis 1653 lückenhaft) werden katholische Kirchenbücher geführt.
  • 1666: Neubau der kath. Kirche.
  • 1766-68: Erweiterung der kath. Kirche.
  • 1900/01: Bau der ev. Kirche.
  • 1965: Bau der St. Joseph-Kirche.
  • 1976: Einweihung des kath. Gemeindezentrums.

Patrozinien:

  • Gallus (1790) und Joseph (1965)

Pfarrzugehörigkeit:

Die ev. Gemeinde gehörte ursprünglich zu Massenheim und ab 1860 zu Hochheim.

Bekenntniswechsel:

Der Reformation kann sich nicht durchsetzen. Der Ort blieb katholisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

Seit 1107 zum Dekanat Kastel, Archidiakonat von St. Peter in Mainz gehörig.

Juden:

Judenkirchhof im Gerichtsbuch ab 1448 mehrfach bezeugt.

1718 eigene Synagoge. Rabbinersitz war in kurmainzischer Zeit Bingen.

1927 wurde diese renoviert und am 09.11.1938 schwer zerstört und im folgenden Jahr abgerissen.

Kultur

Schulen:

Schulhäuschen 1517, Schulmeister (zugleich Glöckner) 1570 erwähnt. 1763 Schulneubau neben der Kirche. Heutige Schulgebäude: Grabenschule (1884), Kirchschule (1899) und Riedschule (1912, erweitert 1956). Landfrauenschule Bad Weilbach (Reifensteiner Verband) seit 1911.

Kultur:

Flörsheimer Zeitung ab 1897, ab 1936 als Maingau-Zeitung Ausgabe A, ab 1949 als Maingau-Bote Ausgabe A. Flörsheimer Anzeiger 1902-1922.

Wirtschaft

Wirtschaft:

Um 1250-60 ist eine Fähre in Flörsheim nachweisbar, die zu diesem Zeitpunkt als Lehen im Besitz der Herren von Eppstein ist. Der Fährbetrieb endet erst mit dem Bau der Opelbrücke im Jahr 1928.

1722: drei kombinierte Zünfte.

Chemische Fabrik ab 1896. Fotochemische Fabrik ab 1902. Keramag ab 1911; eine Frankfurter Gesellschaft stellte schon 1902 Kalkringöfen auf.

Mühlen:

1270 kauft das Mainzer Domkapitel das Lösungsrecht an einer halben Mühle von Gottfried von Eppstein.

1339: Mittelmühle

1437: Obermühle

1699: Wiesenmühle (seit 1924 Ausflugslokal)

1803 gehören 5 Mühlen zu Flörsheim

Markt:

Um 1250-1260 Weinmarkt.

Zoll:

Im 15.-18. Jahrhundert bestand in Flörsheim eine kurmainzische Zollstätte.

1433 erhebt Mainz Schiffszölle auf dem Main.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Flörsheim, Main-Taunus-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11259> (Stand: 23.3.2018)
 
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