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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 21. Niedenstein

Wichdorf

Stadtteil · 265 m über NN
Gemeinde Niedenstein, Schwalm-Eder-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

7 km nordwestlich von Gudensberg.

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriss in flachem Kessel am Zusammenfluss zweier Bäche. Kirche in zentraler Lage mit teilweise umlaufender Gasse.

Im Ortsbereich treffen sich die Straßen von Kirchberg bzw. Metze, Merxhausen und Niedenstein.

Ersterwähnung:

957

Historische Namensformen:

  • Uuihdorpforum, in finibus (949-957) [Urkundenbuch der Reichsabtei Hersfeld 1,1, S. 94-95, Nr. 52]
  • Wichthorf, in (1081) [Fälschung XI]
  • Wichdorf (1145)
  • Wictorp, in (1209)
  • Wichdorp, de (1213)
  • Wichtorpe, in (1234)
  • Wihdorf, de (1236)
  • Wichdoref, de (1251)
  • Wichtorf, in (1253)
  • Withorp, de (1273)
  • Wichtorph, de (1275)
  • Woctorf, de (1277)
  • Wicdorp, de (1285)
  • Wychdorf, de (1292)
  • Wichtorp (1299)
  • Wychtorf (1313)
  • Wychdorph (1319)
  • Wytdorf, de (1335)
  • Wychtdorff, von (1358)
  • Wichtorfe, van (1361)
  • Wychtorp, von (1386)
  • Wichtorff (1387)
  • Wichdorff, czu (1442)
  • Wichturff (1505)
  • Weichdorff (1565)
  • Weichdorf (1575/85)
  • Weichtorff (1760)

Bezeichnung der Siedlung:

  • 1319: villa
  • 1460: Dorf

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Umlegung der Flur:

1889/1890, 1899/1900

Älteste Gemarkungskarte:

1685

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3521265, 5676856
UTM: 32 U 521183 5675025
WGS84: 51.22621542° N, 9.303354651° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

634018050

Flächennutzungsstatistik:

  • 1742 (Kasseler Acker): 556 Land, 181 Wiesen und Weiden.
  • 1885 (Hektar): 0 Acker, 0 Wiesen, 0 Holzungen
  • 1961 (Hektar): 447, davon 44 Wald (= 9.84 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1575/85: 22 Häuser.
  • 1639: 16 verheiratete, 8 verwitwete Hausgesesse.
  • 1735: 34 Mannschaft. 1742 und 1747: 41 Häuser bzw. Hausgesesse. 1765: 269 Einwohner.
  • 1834: 536, 1885: 510 Einwohner.
  • 1834: alle Einwohner evangelisch-reformiert.
  • 1885: 510, davon 509 evangelisch (= 99.80 %), 0 katholisch, 0 Juden, 1 andere (= 0.20 %)
  • 1925: 554, 1939: 576, 1950: 867, 1961: 604 Einwohner.
  • 1961 (Erwerbspersonen): 175 Land- und Forstwirtschaft, 127 Produzierendes Gewerbe, 21 Handel und Verkehr, 22 Dienstleistungen und Sonstiges.
  • 1961: 604, davon 576 evangelisch (= 95.36 %), 22 katholisch (= 3.64 %)

Diagramme:

Wichdorf: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Um 950: in comitatu Hassonum
  • 1437: Landgraf Ludwig versetzt Henne von Wehren das Dorf Wichdorf
  • 1497: Landgrafschaft Hessen, Amt Gudensberg
  • 1575/85: Amt Gudensberg, niederes und peinliches Gericht Hessen
  • 1742: Amt Gudensberg
  • 1807: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton Niedenstein
  • 1814: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Gudensberg
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Fritzlar
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Fritzlar
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Fritzlar
  • 1932: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Fritzlar-Homberg
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Schwalm-Eder-Kreis

Altkreis:

Fritzlar-Homberg

Gericht:

  • 1575/85: Amt Gudensberg, niederes und peinliches Gericht Hessen.
  • 1807: Friedensgericht Niedenstein
  • vor 1822: Kurhessisches Amt Gudensberg
  • 1822: Justizamt Gudensberg
  • 1867: Amtsgericht Gudensberg
  • 1943: Amtsgericht Fritzlar (Zweigstelle Gudensberg)
  • 1879: Amtsgericht Gudensberg
  • 1971: Amtsgericht Fritzlar

Herrschaft:

1437: Landgraf Ludwig versetzt Henne von Wehren das Dorf Wichdorf.

Gemeindeentwicklung:

Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform der Stadtgemeinde Niedenstein eingegliedert, deren Stadtteil Wichdorf seitdem ist.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1081: Erzbischof Siegfried I. von Mainz bestätigt dem Kloster Hasungen seinen Besitz unter anderem anderthalb Mansen zu Wichdorf (Fälschung).
  • 1193: Kloster Hardehausen kauft von Werner von Bischhausen das allodium zu Wichdorf und den Zehnten, der vom Stift Fritzlar zu Lehen ging.
  • 1209 und noch um 1450: Stift Fritzlar hat Einkünfte zu Wichdorf.
  • 1253: Graf Berthold von Felsberg schenkt dem Kloster Breitenau eine Hufe zu Wichdorf.
  • 1275: Die Gebrüder Yuppan ertauschen von Augustiner-Hospital Fritzlar ein Gut in Wichdorf.
  • 1299: Die Familie Wackermaul verkauft dem Kloster Merxhausen 2 Hufen zu Wichdorf.
  • 1319: Kloster Merxhausen verkauft seine Güter zu Wichdorf, die es von Albert von Glasewalt kaufte, an Kloster Ahnaberg.
  • 1323: Johann von Venne verkauft seine Güter zu Wichdorf an Kloster Hasungen.
  • 1328: Kloster Hasungen bestimmt seinen Hof zu Wichdorf zum Bau der Klosterkirche.
  • 1374: Landgraf Heinrich gestattet dem Widerold von Gasenhausen 2 Hufen zu Wichdorf zu lösen.
  • 1387: Landgraf Hermann belehnt Ludwig von Wildungen mit ehemaligen Scharteberger Lehen zu Wichdorf.
  • 1434: Landgraf Ludwig belehnt Hermann Hund mit einer Hube zu Wichdorf; folgend Belehnungen bis 1655.
  • 1437: Hermann Hund verkauft einen Getreidezins zu Wichdorf an Hermann von Ehlen.
  • 1442: Kloster Merxhausen verkauft dem Kurt von Metze einen Acker zu Wichdorf.
  • 1489: Landgraf Wilhelm belehnt die Gebrüder Hessen und die von Wildungen mit Gütern zu Wichdorf; folgend Belehnung 1533.
  • 1505: Landgraf Wilhelm belehnt Johann von Wildungen mit Gütern und Kemenate auf dem Friedhof zu Wichdorf.
  • 1545: Landgraf Philipp belehnt von Buttlar mit einer Hube zu Wichdorf; folgend Belehnung bis 1822.
  • 1565: Burkhard von Wildungen hat von Landgraf Wilhelm 4 Hufen, Kemenate auf dem Kirchhof, Haus, Hof und Baumgarten in Wichdorf zu Lehen.
  • 1575/85: Die von Elben und Heß haben Besitz und Gefälle zu Wichdorf als hessisches Lehen.
  • 1789: von Dalwigk verkauft der hessischen Oberrentkammer 2 Waldstücke bei Wichdorf.

Zehntverhältnisse:

1193: Kloster Hardehausen kauft von Werner von Bischhausen das allodium zu Wichdorf und den Zehnten, der vom Stift Fritzlar zu Lehen ging.

1432: Nach Streit mit den von Naumburg erhält Werner von Elben einen halben Zehnten zu Wichdorf.

1503 und 1533: Landgraf Wilhelm belehnt die von Beichlingen mit Feldzehnten zu Wichdorf.

1570: Landgraf Wilhelm belehnt die von Löwenstein mit Feldzehnten zu Wichdorf; folgend Belehnungen 1593 und 1793.

Ortsadel:

Ortsadel: 1151 bis Ende 14. Jahrhundert

Heß von Wichdorf 1383-1631.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1234: plebanus.
  • 1319: viceplebanus.
  • 1505: Landgraf Wilhelm belehnt Johann von Wildungen mit Gütern und Kemenate auf dem Friedhof zu Wichdorf.
  • 1565: Burkhard von Wildungen hat von Landgraf Wilhelm 4 Hufen, Kemenate auf dem Kirchhof, Haus, Hof und Baumgarten in Wichdorf zu Lehen.

Patrozinien:

  • Johannes (1443); Andreas (1443); Johannes der Täufer (1503)

Pfarrzugehörigkeit:

1391 und 1447: Pfarrkirche;

1447: Niedenstein Filiale von Wichdorf.

Mit Stadtwerdung von Niedenstein Übersiedlung des Pfarrers dorthin.

1491: Pfarrer abwechselnd in Wichdorf und Niedenstein.

Seit der Reformation Sitz des Pfarrer in Niedenstein.

Patronat:

1254: Patronat von Elben.

1570: Landgraf Wilhelm belehnt die von Löwenstein mit allen geistlichen Lehen zu Wichdorf.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Kultur

Historische Ereignisse:

1627: Zweimalige Plünderung durch bayerische Truppen.

Nachweise

Literatur:

  • Historisches Ortslexikon Fritzlar-Homberg, S. 335-337;
  • Historisches Ortslexikon KurhessenS. 513.
  • Freiherr von Pappenheim, Die neuen Hess von Wichdorf. Geschichte einer Fälschung. In: Mitteilungen des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde (1899) S. 44 ff.
  • B. Otto, Die neuen Heß von Wichdorf. Bericht über den Versuch einer Geschichtsfälschung. In: Niedensteiner Heimatbuch (1954).
  • M. Beck, Aus der Chronik eines Rittergeschlechts. In: Heimatwarte zum Homberger Kreisblatt (1950) Nr. 4.
  • P. Zaundert, Melchior Heß zieht in die weite Welt. In: Heimatkalender Kreis Kassel (1953) S. 64 ff.
  • R. Haarberg, Der alte Burgsitz in Wichdorf. In: Hessischer Gebirgsbote (1968/69) S. 35.
  • Ders., Siedlungskundliche Untersuchung des Einzugsgebietes der Wiehoff und Matzoff in Niederhessen (Kreis Fritzlar-Homberg). In: Hessisches Jahrbuch für Landesgeschichte 20 (1970), S. 19 f.
Zitierweise
„Wichdorf, Schwalm-Eder-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/4345> (Stand: 12.11.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde