Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Eimelrod

Ortsteil · 492 m über NN
Gemeinde Willingen (Upland), Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

12 km nordwestlich von Korbach

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit regellosem Grundriß nordwestlich des Mühlberges in einem entlang der Mülmecke zur Diemel verlaufenden Tal. Kirche am Nordwestrand des Ortes.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Korbach - Brilon/Wald ("Uplandbahn") seit 1914 (Die Teilstrecke Lelbach/Rhena - Eimelrod wurde am 1. Mai 1916 eröffnet, die Teilstrecke Eimelrod - Usseln am 14. August 1914).

Ersterwähnung:

1250

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

  • villa (1310)

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Umlegung der Flur:

1912

Älteste Gemarkungskarte:

1875

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3479162, 5685202
UTM: 32 U 479096 5683368
WGS84: 51.30124573° N, 8.700152256° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635022020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 3522, davon 2146 Acker, 297 Wiesen, 1002 Wald
  • 1885 (Hektar): 880, davon 301 Acker (= 34.20 %), 65 Wiesen (= 7.39 %), 284 Holzungen (= 32.27 %)
  • 1961 (Hektar): 881, davon 333 Wald (= 37.80 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1585: 32 Haushaltungen
  • 1629: 32 Haushaltungen
  • 1742: 34 Haushaltungen
  • 1885: 426, davon 410 evangelisch (= 96.24 %), 3 katholisch (= 0.70 %), 13 Juden (= 3.05 %)
  • 1961: 489, davon 456 evangelisch (= 93.25 %), 26 katholisch (= 5.32 %)

Diagramme:

Eimelrod: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1310 und 1319: Herrschaft Itter
  • 1590: Landgrafschaft Hessen-Marburg, Herrschaft Itter
  • 1625: Herrschaft Itter, Kirchspiel Eimelrod; jedoch in der Grafschaft Waldeck, Amt Eisenberg gelegen
  • 1648/50: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Herrschaft Itter
  • 1733: Herrschaft Itter, Kirchspiel Eimelrod (vgl. Herrschaft)
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Herrschaft Itter
  • 1806: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Itter
  • 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Herrschaft Itter, Kirchspiel Eimelrod
  • 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Vöhl
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Vöhl
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Frankenberg (bis 1886 noch als Amtsbezirk/Verwaltungsamt Vöhl)
  • 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis des Eisenbergs
  • 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Waldeck

Gericht:

  • 1347 ist das Gericht Eimelrod landgräflich
  • 16. Jahrhundert: Grafschaft Waldeck, Freigericht Usseln
  • 1537/1541: Gogericht Flechtdorf
  • 1821: Landgericht Vöhl
  • 1867: Amtsgericht Vöhl
  • 1932: Amtsgericht Korbach

Herrschaft:

1319 verpfänden die Edelherren von Itter ihren Hof in und ihre Hälfte des ganzen Zehnten dieses Dorfes für 36 Mark an Stephan von Horhusen d.Ä. und seinen Sohn Stephan, Ritter, darum, dass diese für sie ihren Hof in Wellede verpfändet hatten.

Im Spätmittelalter zunächst Exklave der Herrschaft Itter im Gebiet der Grafschaft Waldeck. 1347 versuchen die Herren von Itter, mit Unterstützung der Landgrafen von Hessen eine Burg (Burg Hartenstein) im Gericht Eimelrod zu errichten. Die Herrschaft gelangt jedoch über die Wölfe von Gudenberg an die von Padberg. 1414 entsagen Friedrich vom alten Haus Padberg, sein Bruder Gotschalk und seine Söhne Friedrich und Johann zu Gunsten des Grafen Heinrich von Waldeck aller Ansprüche an die Grafen und Güter und Mannen in der Grafschaft, insonderheit auf das Schloß Ense, Gogericht Flechtdorf und Kirchspiel Eimelrod.

Im 16. Jahrhundert versuchen wiederum die Grafen von Waldeck, die Herrschaft aus ihrer Obrigkeit über Straßengeleit, Glockenschlag u.ä. herzuleiten. Das Kirchspiel Eimelrod entwickelt sich zur Enklave der Herren von Itter im waldeckischen Herrschaftsgebiet. Bei der Festlegung der waldeckisch-itterschen Grenze 1590 fällt u.a. die hohe Obrigkeit in Eimelrod der Landgrafschaft Hessen-Marburg zu. Die Einkünfte aber verbleiben den Grafen von Waldeck (HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 10931).

Gemeindeentwicklung:

Vom 31.12.1971 bis 31.12.1973 zwischenzeitlicher Zusammenschluß der Gemeinden Bömighausen, Eimelrod, Neerdar Usseln und Welleringhausen zur Gemeinde Upland, die dann am 1.1.1974 in der Gemeinde Willingen (Upland) aufging. Sitz der Gemeinde ist Willingen (Upland).

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Vgl. Herrschaft
  • 1310 weist Heinrich, Herr von Itter, der Kirche zu Obernburg zum Seelgerät für sich und seine Familie einige Güter u.a. in Eimelrod an. 1412 und 1429 verkaufen die Brüder vom alten Haus Padberg dem Kloster Bredelar ihren Groten Hof in Eimelrod.
  • 1537 haben die von Padberg und von Viermünden Besitz in Eimelrod.

Zehntverhältnisse:

1412 verkaufen die Brüder vom alten Haus Padberg dem Kloster Bredelar ihren Zehnten über das Dorf Eimelrod. Im selben Jahr überlässt auch Erasmus von Itter dem Kloster als Memorienstiftung seinen Zehnten zu Eimelrod. 1429 verkaufen die Brüder vom alten Haus Padberg dem Kloster erneut den Zehnten über das Dorf Eimelrod. 1537 ist er aber wieder in deren Besitz.

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1314: Pfarrer
  • 1391: Kirchdorf
  • Turm der Kirche aus dem späten 12. Jahrhundert 1909 abgetragen, 1928 Neubau, Tympanonrelief wieder verwendet. Heutiger Kirchsaalbau mit Holztonnengewölbe von 1827

Pfarrzugehörigkeit:

Um 1400 Pfarrei, zu der Deisfeld und Hemmighausen als Filiale gehören; 1590 ebenso. Nach dem Saalbuch der Herrschaft Itter von 1625 umfasst das Kirchspiel Eimelrod die Dörfer Eimelrod, Hemmighausen und Deisfeld. Ebenso 1733. 1994 sind Deisfeld und Hemmighausen eingepfarrt. Zum Kirchspiel Eimelrod - Rhena gehören 2018 die Orte Eimelrod, Hemmighausen, Deisfeld, Alleringhausen, Neerdar, Bömighausen, Rhena und Schweinsbühl.

Patronat:

1541 und 1585 hat der Landgraf von Hessen das Patronatsrecht inne.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Landgrafschaft Hessen ab 1526.

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Johannes Splettenius 1566-1592

1535-1555 wurde die Pfarrei von Caspar Jäger, Pfarrvorsteher von Oberwerbe, versehen.

Reformierter Bekenntniswechsel: 1607, 1624 wieder lutherisch.

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Mainzer Kirchenprovinz, Diözese Paderborn, Archidiakonat Horhausen (Niedermarsberg)

Juden:

Seit ca. 1780 bestand im Ort eine kleine Synagoge, die 1938 zerstört wurde.

Statistik: 1830 34 Juden; um 1850 fünf jüdische Steuerzahler; 1885 drei jüdische Familien und eine Witwe, insgesamt 12 Juden; 1932/33: 16 Juden (2.91% Gesamtbevölkerung). Anfang der 1930er Jahre starke jüdische Auswanderung aus dem Ort. Friedhof vorhanden, er lag an der Violinenstraße (alemannia-judaica)

Schechitah; Religionsunterricht

Wirtschaft

Mühlen:

1310 wird eine Mühle erwähnt. 1854 gehört die Zatenberger Mühle zu Eimelrod.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Eimelrod, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1507> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde