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Fürstentum Waldeck und Pyrmont 1866

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Bergheim

Ortsteil · 200 m über NN
Gemeinde Edertal, Landkreis Waldeck-Frankenberg 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

5,5 km nördlich von Bad Wildungen

Lage und Verkehrslage:

Dorf mit einfachem Grundriß nördlich der Eder zwischen den Zuläufen des Böhner Bachs und des Mölcherbachs mit Kirche am Hang in zentraler Lage. Moderne Siedlungsausdehnung nach Nordwesten. Durch den Ort führen neben der L 3383 (Affoldern-Fritzlar) mehrere Verbindungsstraßen.

Ersterwähnung:

1085

Historische Namensformen:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Umlegung der Flur:

1889

Älteste Gemarkungskarte:

1700

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3509450, 5670452
UTM: 32 U 509372 5668624
WGS84: 51.16896936° N, 9.134052858° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

635009030

Flächennutzungsstatistik:

  • 1895 (Hektar): 1016
  • 1961 (Hektar): 1016, davon 381 Wald (= 37.50 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1620: 42 Häuser
  • 1650: 17 Häuser
  • 1738: 37 Wohnhäuser
  • 1770: 48 Häuser, 330 Einwohner
  • 1895: 583, davon 574 evangelisch (= 98.46 %), 3 katholisch (= 0.51 %), 6 Juden (= 1.03 %)
  • 1961: 830, davon 724 evangelisch (= 87.23 %), 82 katholisch (= 9.88 %)

Diagramme:

Bergheim: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1487: Grafschaft Waldeck, Amt Waldeck
  • 1712: Fürstentum Waldeck, Amt Waldeck
  • 1755/1757: Fürstentum Waldeck, Amt Bergheim
  • bis 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Amt Waldeck
  • 1814: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberamt der Eder (Sitz in Nieder-Wildungen)
  • 1816: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Oberjustizamt der Werbe (Sitz in Sachsenhausen)
  • 1850: Fürstentum Waldeck-Pyrmont, Kreis der Eder
  • 1929: Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Kreis der Eder
  • 1942: Deutsches Reich, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Waldeck
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Waldeck-Frankenberg

Altkreis:

Waldeck

Gericht:

  • 1370: Baurgericht Bergheim
  • 1639: Freistuhl Bergheim
  • 1710: Gräflich-Waldeckisches Patrimonialgericht Bergheim
  • 1816: Gräflich Waldeckischer Gerichtsbezirk
  • 1850: Kreisgericht Wildungen
  • 1868/69: Amtsgericht Wildungen
  • 1879: Amtsgericht Niederwildungen
  • 1906: Amtsgericht Bad Wildungen

Herrschaft:

1362 sind die Grafen von Waldeck im Besitz der Bede und können in der Folge die Herrschaft über das Dorf an sich bringen. 1421 pachten sie vom Kloster Werbe 20 Hufen Land. 1695 richtet Graf Christian Ludwig von Waldeck für seinen zweitgeborenen Sohn ein Paragium, also einen Besitz mit eingeschränkter Landeshoheit, aus den Dörfern Bergheim, Königshagen und Mehlen ein, dessen Sitz Schloss Bergheim wird. Die Linie nennt sich seit 1778 Grafen von Waldeck und Pyrmont in Bergheim.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.7.1971 Zusammenschluss von Bergheim und Giflitz zur neugebildeten Gemeinde Edertal. Sitz der Gemeinde ist Giflitz.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1085 bestätigt Erzbischof Wezelo von Mainz dem Stift St. Peter zu Fritzlar, dass die Einkünfte der Mutterkirche Bergheim dem Propst zufallen sollen. 1456 wird die Kirche der Stiftsküsterei zugewiesen.
  • 1206 bestätigt Papst Innozenz III. dem Kloster Werbe seinen Besitz u.a. in Bergheim. 1220 kauft Kloster Werbe von denen von Hertingshausen zweieinhalb Hufen in Bergheim für 27 Mark.
  • 1286 verzichtet Otto Hund auf seine Ansprüche an Güter in Bergheim, welche Johannes von Wera dem Kloster Netze übereignet hat. 1290 verkauft der Priester Arnold von Lochtscure gemeinsam mit den Kindern seines Bruders dem Konvent von Netze seine Rechte an Gütern in Nelach bei Bergheim. Im Jahr darauf übereignet Konrad von Waldenstein seine dort gelegenen Güter gleichfalls dem Kloster. In der Folge kann das Kloster seinen Besitz erweitern.
  • 1360 haben die Grafen von Waldeck die Bede in Bergheim inne, 1460 besitzen sie eine Mühle (HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 1452).

Zehntverhältnisse:

1085: Propst des Chorherrenstifts St. Peter zu Fritzlar

1209: Stiftskämmerer des Chorherrenstifts St. Peter zu Fritzlar

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1085: mater aecclesia
  • Ursprünglich romanischer Bau 1331 nach Brand erneuert (HStAM Bestand Urk. 85 Nr. 8852). Massiver Chorturm in der Breite des zweischiffigen romanischen Langhauses.

Patrozinien:

  • Martin

Pfarrzugehörigkeit:

Zum Kirchspiel gehören als Filialgemeinden mit Unterbrechungen seit 1457 Anraff, seit 1565 Giflitz, seit 1565 Buhlen und bis 1556 Königshagen. 1994 sind Giflitz und Königshagen Filialgemeinden

Patronat:

Bis zur Reformation Chorherrenstift St. Peter zu Fritzlar, dann aber, zunächst noch unter Anerkennung der Patronatsrechte des Kustos, bei den Grafen von Waldeck.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation in der Grafschaft Waldeck ab 1526.

Erster evangelischer Pfarrer: Johann Stobchen vor 1545

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Peter zu Fritzlar, Erzpriestersprengel Bergheim

Juden:

1802: 2 Familien; 1826: 2 Familien (11 Personen); 1847 zu Sachsenhausen gehörig.

Keine jüdische Gemeinde in Bergheim, 1932/33 eine Familie im Ort wohnhaft

Friedhof vorhanden, der von Bergheim, Wellen, Mehlen, Affoldern und Kleinern genutzt wird. Er liegt am nördlichen Ortsrand an der Straße "Am Weinberg" und wurde im 19. Jahrhundert angelegt. (Alemannia-Judaica)

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Bergheim war im Mittelalter Sitz des Erzpriestersprengels, zu dem 1410 folgende Kirchen gehören: Affoldern, Altwildungen, Beltershausen, Bergheim, Böhne, Bringhausen, Elben, Frohnhausen, Hemfurth, Hüddingen, Immenhausen, Kleinern, Naumburg, Odershausen, Reitzenhagen, Sachsenhausen, Waldeck, Wellen und Wildungen

Markt:

1738 verlieh Fürst Carl zu Waldeck und Pyrmont Bergheim 4 Jahrmärkte

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Bergheim, Landkreis Waldeck-Frankenberg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/1491> (Stand: 16.10.2018)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde