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Historisches Ortslexikon

Burg Rüsselsheim

Burg; Schloss; Sonstiges · 88 m über NN
Gemarkung Rüsselsheim, Gemeinde Rüsselsheim, Landkreis Groß-Gerau 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Burg; Schloss; Sonstiges

Lagebezug:

10,4 km nordwestlich von Groß-Gerau

Lage und Verkehrslage:

Im Norden von Rüsselsheim am Mainufer

Ende 14. Jahrhundert - Ende 17. Jahrhundert

Besitzgeschichte: Im Besitz der Grafen von Katzenelnbogen. Mit dem Erlöschen des Grafengeschlechts im Jahre 1479 im Erbgang an Landgraf Heinrich III. von Hessen- Marburg. Nach dem Tod Landgraf Philipps 1567 und der Vierteilung Hessens unter seinen Söhnen an die Landgrafschaft Hessen-Darmstadt.

Baugeschichte: Ende des 14. Jahrhundert wurde von den Grafen von Katzenelnbogen - als Vorgängerbau zu der landgräflichen Festung - ein Festes Haus errichtet. Am 18. Oktober 1399 teilte der Mainzer Bürgermeister und Rat der Reichsstadt Frankfurt mit, das in Rüsselsheim von den Grafen Eberhard und Johann von Katzenelnbogen ein Festes errichtet wurde. 1454 wurde ein burgartiger Ausbau vollendet. Kurz nach dem Übergang an Hessen erfolgte unter Landgraf Heinrich III. ein Ausbau. Das Feste Haus wurde mit Fundamenten einer Ringmauer umfasst. (Heitzenröder, Festung, S. 19) Um 1485 wurde wohl unter Landgraf Wilhelm III. der Bau der rechteckigen Ringmauer mit Schießscharten und Wehrgängen vollendet. Wigang Gerstenberg meint wohl diesen Ausbauzustand, wenn er 1486 den Bau des Hauses Rüsselsheim als abgeschlossen bezeichnet. (Heitzenröder, Festung, S. 20) Für 1493 sind Maurer- und Palisadierungsarbeiten überliefert. Im Rahmen dieser Erweiterungsarbeiten dürfte wohl ein Verteidigungsring aus Erdwerken errichtet worden sein. (Heitzenröder, Festung, S. 20-21) In den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts erfolgte der Ausbau zur Festung (Bau der Rondelle 1514 fertiggestellt). (Heitzenröder, Festung, S. 21-22) Nach der Schleifung der Festung erfolgte unter Landgraf Philipp in den Jahren 1560-1562 der Wiederaufbau der Festung Rüsselsheim (ca. 14.000 fl. Baugeld). Während des Dreißigjährigen Krieges erfolgten mehrfach Baumaßnahmen zur Instandhaltung der Festung. 1656 wurde der Bau eines "pfeilförmigen Werks [Ravelin] am Fuß des Glacis vor dem Eingang der Festung" begonnen (Heitzenröder, Festung, S. 35). Die Arbeiten an dem Ravelin waren noch 1672 unvollendet.

Baubeschreibung: "Auf einer Grundfläche von ca. 100 [Quadratmetern] stand auf zwischen 1,40 m bis 1,70 m breiten und neun bzw. elf Metern langen Fundamenten ein Gebäude mit rechteckigem Grundriß und eindeutigem Wehrcharakter, über dessen ehemalige Höhe jedoch keine Aussage getroffen werden kann. [...] An der Nordmauer dieses festen Hauses wurden noch hufeisenförmig daran anbindende Fundamente mit geringerer Mauerstärke freigelegt, die auf ein ehemaliges turmartiges Gebäude hindeuten, das aber schon in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts abgerissen worden sein muß, wie Grabungsfunde belegen. Das feste Haus war von einem [...] Zaum umgeben, der jedoch im Laufe der Zeit verfiel. Ob auch ein Wassergraben existierte, ist nicht zu beweisen [...]." (Heitzenröder, Festung, S. 17) Die Rüsselsheimer Festung zur Zeit des Schmalkaldischen Krieges (1546/47) "Insgesamt stellt die Festung zur damaligen Zeit eine Vierflügelanlage dar, die von einem Graben, einer mit Stützmauern versehenen Kurtine und dem äußeren Graben, der ebenfalls eine Futtermauer besaß, umgeben war. Beide Gräben sind vom Typus her Sohlgräben, sie waren nach Ausweis der Quellen trocken [...]. Aus den vier Bollwerken an den Eckpunkten der Krutine und einem weiteren, in unmittelbarer Nähe des Eingangs zur Festung gelegenen Rondells konnten der äußere Graben, über den eine Brücke führte, sowie das weitere Vorland unter Beschuß genommen werden. Die vier Bollwerke an den Eckpunkten waren durch gewölbte Gänge mit dem inneren Graben verbunden [...]. Den vier Flügeln der Kernanlage können mit der gebotenen Vorsicht, da hierzu keine eindeutigen Quellenaussagen vorliegen, folgende Funktionsbreiche zugeordnet werden: Im Nordostflügel befand sich ganz sicher der Marstall, da hofseitig dort keine Mauer vorhanden war, im Südosten stand das Zeughaus, der kleinere Südwestflügel wird möglicherweise als Unterkunft für das ranghöhere Personal gedient haben, im Nordwestflügel, der später ganz sicher als Speicher benutzt wurde, hat sich zu dieser Zeit vermutlich das Quartier für die Mannschaft befunden." ((Heitzenröder, Festung, S. 23-24)

Burggeschichte: Mit der Errichtung des Festen Hauses durch die Grafen Johann und Eberhard von Katzenelnbogen kommt es zu Rechtsstreitigkeiten mit der Stadt Mainz und der Reichsstadt Frankfurt. Graf Philipp von Nassau tritt diesbezüglich als Vermitttler in Erscheinung. Am 17. Juli 1437 wurden Graf Johann von Katzenelnbogen und dessen Sohn von Kaiser Sigismund die Privilegien erteilt, das Feste Haus in Rüsselsheim burgartig auszubauen, dem Ort Stadtrechte zu verleihen und zu befestigen. (Heitzenröder, Festung, S. 14) Nach dem Übergang an die Landgrafen von Hessen fordert das Erzstift Mainz die Rüsselsheimer Befestigungen zu zerstören. Die Streitigkeiten wurden erst 1491 nach einem Vergleich beigelegt. 1547/48 erfolgte die von einer kaiserlichen Komission beaufsichtigte Schleifung der Festung Rüsselsheim. Am 1. Dezember 1651 scheiterte der Versuch des nicht regierenden Landgrafs Friedrich von Hessen-Darmstadt (unterstützt in seinem Vorhaben von Freiherr Philipp Ludwig von Reifenberg) die Festung Rüsselsheim seinem Bruder Landgraf Georg II. von Hessen-Darmstadt im Handstreich zu entreißen. Der Bruderstreit konnte 17. Januar 1652 durch Vermittlung des Mainzer Erzbischofs beigelegt werden. 1688 von französischen Truppen besetzt. Als die französischen Besatzungstruppen am 6. April abzog, wurde die Festung gesprengt. (siehe Heitzenröder, Festung, S. 102-11)

Abgang: Ende des 17. Jahrhunderts von französischen Truppen gesprengt.

Sonstiges: 1519 erstmals in den Quellen als Festung bezeichnet.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3458445, 5540506
UTM: 32 U 458387 5538730
WGS84: 49.99943765° N, 8.419356247° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

43301202001

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Burg Rüsselsheim, Landkreis Groß-Gerau“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/14738> (Stand: 17.2.2014)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde