Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Historisches Ortslexikon

Rödelheim

Stadtteil · 100 m über NN
Gemarkung Frankfurt-Rödelheim, Gemeinde Frankfurt am Main, Stadt Frankfurt am Main 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf; Mühle; Stadt

Lagebezug:

5,5 km nordwestlich von Frankfurt am Main

Lage und Verkehrslage:

Siedlung am nördlichen Ufer der Nidda mit Kirche in zentraler Lage.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Frankfurt am Main – Bad Homburg ("Homburger Bahn";"Fünf-Länder-Bahn";"Kaiserbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 10.9.1860).

Endbahnhof der Eisenbahnlinie Frankfurt am Main/Rödelheim – Kronberg ("Kronberger Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.11.1874).

Ersterwähnung:

788

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Vgl. Burg Biegen
  • Am Südufer der Nidda, gegenüber des alten Ortskerns auf einer von Nidda und Mühlgraben gebildeten Insel im Solmspark ehemalige Wasserburg. Um 1150: Errichtung der Burg; im 13. Jahrhundert Um- oder Neubau der Burg, die zunächst im Besitz von Ganerben war und 1276 von König Rudolf von Habsburg erworben wird. 1395 wird ein Burgfrieden zwischen den 12 Ganerben von Rödelheim geschlossen.
  • 1446: Frank XII. von Kronberg brach auf seinem Burganteil die alten Gebäude ab und errichtete einen wehrhaften Schloßbau entgegen dem Burgvertrag. Daraufhin klagten die Frankfurter erfolgreich bei König Friedrich IV. Dieser forderte den Abbruch des neuen Schlossbaus unter Androhung des Entzugs sämtlicher Reichslehen. Schließlich erwirkte Frank XII. von Kronberg 1448 durch Zugeständnisse (Frankfurt erhielt Öffnungsrechte am Schlossbau und wurde mit 1/10 gegen Zahlung von 1.000 fl. beteiligt) einen Ausgleich, so dass der Schloßbau seitens Frankfurt geduldet wurde.
  • 1550: Verfall des alten Schlosses (Palas)
  • Das Schloss der Grafen Solms, nach 1802 an der Stelle der abgebrochenen Reste der Burg erbaut, 1944 ausgebrannt, der Rest wurde 1955 beseitigt. Heute Parkanlage, die keine Spuren der ehemaligen Anlagen zeigt.

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3471906, 5554575
UTM: 32 U 471842 5552793
WGS84: 50.12670718° N, 8.606067908° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

412000200

Frühere Ortskennziffer:

412000820

Flächennutzungsstatistik:

  • 1854 (Morgen): 1994, davon 1548 Acker, 311 Wiesen, 16 Wald
  • 1885 (Hektar): 499, davon 398 Acker (= 79.76 %), 53 Wiesen (= 10.62 %), 3 Holzungen (= 0.60 %)

Einwohnerstatistik:

  • 1834: 1871 Einwohner
  • 1840: 2106 Einwohner
  • 1846: 2411 Einwohner
  • 1852: 2611 Einwohner
  • 1858: 2615 Einwohner
  • 1864: 2762 Einwohner
  • 1871: 3109 Einwohner
  • 1875: 3903 Einwohner
  • 1885: 4264, davon 2592 evangelisch (= 60.79 %), 1461 katholisch (= 34.26 %), 19 andere Christen (= 0.45 %), 192 Juden (= 4.50 %)
  • 1895: 4888 Einwohner
  • 1905: 8234 Einwohner
  • 1910: 10067 Einwohner
  • 1933: 12410 Einwohner
  • 1939: 11406 Einwohner
  • 1945: 8697 Einwohner
  • 1950: 12850 Einwohner
  • 1956: 15721 Einwohner
  • 1958: 16250 Einwohner
  • 1968: 19040 Einwohner
  • 1977: 17989 Einwohner

Diagramme:

Rödelheim: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 788: Niddagau (in pago Nitachgouue)
  • 1461: Amt Rödelheim
  • 1442-1569: Stadt Frankfurt
  • 1787: Grafschaft Solms-Rödelheim, Amt Rödelheim (zum Umfang s. Mittelpunktfunktionen)
  • 1806: Großherzogtum Hessen, Souveränitätslande, Provinz Oberhessen, Amt Rödelheim (zur Standesherrschaft Solms gehörig)
  • 1820: Großherzogtum Hessen, Souveränitätslande, Provinz Oberhessen, Amt Rödelheim (zur Standesherrschaft Solms gehörig)
  • 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Vilbel
  • 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Friedberg
  • 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg
  • 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Vilbel
  • 1866-1945: Land Preußen
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Wiesbaden
  • 1886: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Frankfurt am Main
  • 1910: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Stadtkreis Frankfurt am Main
  • 1952: Land Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreisfreie Stadt Frankfurt am Main

Altkreis:

Frankfurt am Main, Stadt

Gericht:

  • 1324: Gericht
  • 1820: standesherrliches Amt Rödelheim
  • 1823-1853: Landgericht Rödelheim, danach aufgelöst
  • 1853: Landgericht Vilbel
  • 1879: Amtsgericht Frankfurt am Main

Herrschaft:

Gericht und Dorf besaßen im 14. Jahrhundert die Herren von Rödelheim aus dem Geschlecht der Herren von Preungesheim. 1442 wurden die Herren von Praunheim damit belehnt, die den Besitz jedoch im darauffolgenden Jahr an Frank IX. von Kronberg und an die Stadt Frankfurt veräußerten, die bereits 1389 das Öffnungsrecht an der Burg erworben hatte. Unter den Erben der Kronberger, den Grafen von Solms (seit 1461), setzte sich der Streit um Rödelheim fort, bis es letzteren 1569 gelang, die Stadt Frankfurt durch Abtretung von 3/4 des Ortes Niederrad aus Rödelheim zu verdrängen.

Gemeindeentwicklung:

Am 1.4.1910 zum Stadtkreis Frankfurt am Main.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Zwischen 788 und (805-813) erhält Kloster Lorsch mehrere Privatschenkungen in Rödelheim. 1219 schenkt König Friedrich II. dem Deutschen Orden die Kapelle zu Rödelheim. Die Herren von Eppstein gaben Lehen von Rödelheim aus.
  • 1442-1569 ist die Stadt Frankfurt als Grundherr in Rödelheim vertreten.
  • 1550 bekundet Kaiser Karl V., dass er dem Grafen Friedrich Magnus von Solms Schloß und Dorf Rödelheim, das Dorf Niederursel und Helbingshain, die er von Graf Üphilipp von Solms nach der Erbteilung erhalten hatte, sowie einen Teil am alten zerfallenen Schloß Rödelheim, das früher die Gebrüder Bernhard und Arnold von Rödelheim und nach ihnen Philipp von Rödelheim innehatten, der es an Graf Friedrich Magnus übereignete, zu einem Reichslehen verliehen habe, und dass er ihm alle Freiheiten, Briefe, Privilegien und Handfesten, die er und seine Vorfahren vom Reiche hatten, bestätigt habe.
Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 788: ecclesia, vermutlich eine Kapelle
  • 1219: capella
  • 1356 genehmigte Erzbischof Gerlach von Mainz die Errichtung einer Kapelle des hl. Cyriakus vor der Burg Rödelheim im Bereich der Pfarrei Praunheim.
  • Neben der Cyriakuskirche gab es beim Dorf Rödelheim eine Lukaskirche, die in erster Linie als Friedhofskapelle diente, aber auch zum Gottesdienst - seit 1547 - benutzt worden ist; sie wurde 1808 wegen Baufälligkeit abgebrochen.

Patrozinien:

  • Cyriakus (1356)

Pfarrzugehörigkeit:

1356 ist die Kirche in Rödelheim zum Kirchspiel Praunheim gehörig. 1463-67 wurde auf Bitten des Grafen Kuno von Solms und seiner Großmutter Katharina von Isenburg, Witwe Franks IX. von Kronberg (deren Grabdenkmal in der Kirche), zur Pfarrkirche umgewandelt und ausgebaut.

Patronat:

1464 hatten die Grafen von Solms-Lich das Patronatsrecht inne, das 1548 an Solms-Laubach fiel.

Bekenntniswechsel:

Einführung der Reformation 1544 durch Graf Friedrich Magnus von Solms.

Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Johannes Albinus 1567-1578

Kirchliche Mittelbehörden:

Archidiakonat des Propstes von St. Peter in Mainz, Dekanat Eschborn

Juden:

Juden wurden schon 18. September 1290 durch König Rudolf von Habsburg in Rödelheim zugelassen (Böhmer-Lau I, Nr. 583).

1455-66 bezeugter Jude in Rödelheim, der Eigentümer einer zinspflichtigem Hofrreite war.

Im 18. Jahrhundert besaß Rödelheim eine ansehnliche Judengemeinde, die sich 1730 eine Synagoge erbaute, welche 1839 durch einen Neubau ersetzt wurde.

Kultur

Schulen:

Schulmeister: Konrad Stecher 1579-1581

Historische Ereignisse:

1552 wurde in Rödelheim über die Annahme des sogenannten Passauer Vertrag verhandelt, der den Fürstenkrieg beendete und den Augsburger Religionsfrieden vorbereitete.

Brand von März 1586 im Dorf Rödelheim.

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

1787 gehörten zum Amf Rödelheim die Burg Gräfenrode (1/3), Niederursel (solmsiche Germarkungsstücke), Petterweil (halb), Praunheim (halb), Rödelheim sowie das höfische Gericht zu Soden

Wirtschaft:

Der wirtschaftliche Aufstieg im 19. Jahrhundert ergab sich aus der nahen Verbindung mit Frankfurt. Eine wesentliche Änderung des wirtschaftlichen Charakters setzte aber erst nach der Erhebung zur Stadt mit der Niederlassung großer Industriebetriebe ein, unter denen die als Fahrradfabrik von den Gebrüdern Peter und Heinrich Weil aus Rödelheim 1896 gegründeten Torpedo-Werke, seit 1906 im Bau von Schreibmaschinen führend, hervorgehoben zu werden verdienen.

Mühlen:

791 wird bereits eine Mühle erwähnt

Markt:

Die Abhaltung zweier Jahrmärkte (nach Pfingsten und vor Allerseelen) wurde 1789 durch das Gräflich-Solmssche Amt in Rödelheim gestattet.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Rödelheim, Stadt Frankfurt am Main“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/11726> (Stand: 15.5.2020)
 
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