Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen
Bitte beachten Sie: LAGIS hat eine neue Adresse: lagis.hessen.de. Für eine Übergangszeit stehen Ihnen ausgewählte Module über die bekannte Oberfläche zur Verfügung. Alle anderen sind über die neue Version des Informationssystems zugänglich. Bestehende Permalinks behalten ihre Gültigkeit und leiten bereits jetzt oder nach Abschluss aller Migrationsarbeiten automatisch auf das neue System um.

Hessische Biografie

Neue Suche
 
Portrait

Carl Friedrich Buderus von Carlshausen
(1759–1819)

Symbol: Anzeigemodus umschalten Symbol: Anzeigemodus umschalten Symbol: Druckansicht

Buderus von Carlshausen, Carl Friedrich [ID = 2651]

* 22.2.1759 Büdingen, † 5.8.1819 Hanau, evangelisch-lutherisch
Finanzbeamter, Oberkriegskommissar, Kriegszahlamtsdirektor, Kammerpräsident, Geheimer Kriegsrat, Abgeordneter
Biografischer Text

Carl Friedrich Buderus wurde als „armer Leute“ Sohn, eines Lehrers der Hanauer Neustadt, der auch als Lakai des „Herrn Capitaine von Winther“ fungierte, und einer Schuhmacherstochter, am 25. Februar 1759 in Büdingen getauft.1 Der Pate war „Herr Carle“. Nachdem der Vater ihn in Lesen, Schreiben, Rechnen und Musik selbst unterrichtet hatte, und von dem er vermutlich seine ungewöhnlich schöne Handschrift beigebracht bekam, besuchte er die Hohe Landesschule in Hanau und wurde Kanzlist in der Hanauer Rentkammer. Vom Erbprinzen, dem späteren Landgrafen Wilhelm IX., wurde er als Schreib- und Musiklehrer seiner außerehelichen Kinder mit Rosa Dorothea Ritter, den Haynaus, in sein Vertrauen gezogen. Wilhelm machte den begabten Kalkulator und Rechner zum Landkassen-Obereinnehmer (1783) und zum Verwalter seiner Privatschatulle in Hanau. 1790 stieg Buderus zum Ober-Kriegskommissar und Kriegszahlmeister in Kassel auf, 1792 zum Rechnungsführer in der Ober-Rentkammer in Kassel und 1802 zum Kriegszahlamtsdirektor und Direktor der Kabinettkasse. Seit 1795 führte er den Titel eines Kriegsrats, seit 1806 eines Geheimen Kriegsrats.

Schon 1804 hatte Buderus von Johann Peter Freiherrn von Leonhardi (1747–1830) das „von Lauterische und ihm inkorporierte von Forstmeisterische“ Erblehen zu Altenhaßlau erworben und war vom Kurfürsten damit belehnt worden. Dazu hatte er noch das Boyneburgische Gut in Altenhaßlau von einem hier erloschenen verarmten Zweig der Familie gekauft. In dem sogenannten „Großen Garten“ in Altenhaßlau ließ Buderus von Heinrich Christian Jussow (1754–1825) einen doppelstöckigen Pavillon errichten.2 Die Wohn- und Wirtschaftsgebäude wurden entsprechend umgestaltet. Da sein Adelsgesuch nicht mehr vor Reichsende behandelt worden war, genehmigte Wilhelm als Kurfürst seinem Beamten schon 1806 im Exil in Holstein die Annahme des Namens Carlshausen und den Titel „Geheimer Rat“. Am 1. Januar 1814 erhielt Buderus dann den Kurhessischen Adelsstand als „Buderus von Carlshausen“.3

Faktisch war Buderus der Finanzminister von Hessen-Kassel und vor allem der Verwalter des großen Vermögens seines Landesherrn. In dieser Funktion galt er als „der böse Geist des Kurfürsten“, „hauptverantwortlich für dessen übergroße Sparsamkeit, für die Einnahmeverschleierung und die steuerlichen Lasten, unter denen das Landvolk litt, verhaßt bei sämtlichen Ständen“.4 Während Buderus mit Meyer Amschel Rothschild und seinen Söhnen zusammenarbeitete, tat sich sein Gegenspieler in der Frage der Verwaltung des kurfürstlichen Vermögens, Karl Wilhelm Lennep, mit dem Bankhaus Harnier & Rüppel zusammen. Beide Parteien versuchten, das Geschäft zu monopolisieren. Lenneps Gruppe mit dem Erbprinzen und Graf Wittgenstein, unterlag aber. Buderus wurde stiller Teilhaber an der Rothschild-Bank. Aber schon 1807 war das Verhältnis zu den Kasselaner Behörden und der Bevölkerung so schwierig, dass Buderus mit seiner Familie nach Hanau umzog.

Nach der Rückkehr des Kurfürsten aus dem Exil versetzte er den bei der Bevölkerung Kassels verhassten „Finanzdiktator“ endgültig als Kammerpräsident nach Hanau. Buderus wurde auch diplomatischer Vertreter des Kurfürsten: Ende 1815 vertrat er ihn auf dem Bundestag in Frankfurt am Main.5 Er wurde aber, weil er in der Auseinandersetzung mit den enteigneten Käufern Hessischer Domänen in der Zeit des Königreichs Westfalen einen Kompromiss versprach, 1817 durch den Diplomaten Ferdinand von Lepel abgelöst. 1817 war er zwar noch Gesandter am großherzoglichen Hof in Darmstadt, starb jedoch bereits am 5. August 1819 in Hanau und wurde in der Johannisgemeinde bestattet.6

Buderus heiratete in erster Ehe die Tochter seines damaligen Vorgesetzten und in eine Frankfurter Familie ein, die ihn in ein Geflecht von Residenten in Frankfurt einbezog, das in der Hauptsache die Kredite der fürstlichen Herren bediente. Maria Dorothea Gullmanns Großvater Gottfried Gullmann, selbst aus Augsburg stammend, durch seine Ehen mit Augsburg und Rothenburg ob der Tauber verbunden, war Resident Hannovers und Großbritanniens in Frankfurt und besaß eines der hervorragenden Patrizierhäuser in Frankfurt am Main. Sein Neffe Heinrich Remigius Gullmann war Bankherr und Inhaber der Silberhandlung Gullmann in Frankfurt am Main, dazu Resident der Ansbacher Fürsten.

Die Söhne setzten den Aufstieg des Vaters nicht fort, aber sein Schwiegersohn Alexander Freiherr von Dörnberg wurde 1846 Außenminister in Kassel und sein Schwiegersohn Wilhelm Carl Freiherr von Haynau, Buderus’ früherer Schüler, wurde oberster Militärführer in Kassel.

Lupold von Lehsten


  1. Der Vater wird in der Taufeintragung als Lakay bezeichnet, vgl. Lothar Buderus von Carlshausen, Carl Friedrich Buderus, a. a. O., 33.
  2. Lothar Buderus von Carlshausen, Carl Friedrich Buderus, a. a. O., 66.
  3. GGT, Briefadel 1917, 129-132. Das Wappen zeigt einen gespaltenen Schild, vorne in Gold ein dem Liktorenbündel ähnliches mit roten Bändern geschnürtes Bündel brauner Ruten, in deren Mitte ein silberner Pfeil ohne Flitsch steckt; hinten in Blau einen Jünglingsrumpf in goldenem Kleid mit silbernem Kragen und rotgestülpter goldener Mütze. Auf dem Helm wachsen über gold-blauen Decken zwei stahlgeharnischte Arme.
  4. nach Seier, Kurhessen und die Anfänge des Deutschen Bundes, Marburg 1979, 108 f.
  5. Der Kurfürst notierte in seinen Tagebüchern: „1815, 25. Nov. Abreise B. v. Cs. nach Frankfurt zum Bundestag und anschließend nach Hanau, um daselbst seinen Posten als Kammerpräsident anzutreten, mit dem Zweck, dem Haß der Kasselaner gegen seine Person ein Ende zu setzten.“ Wir, Wilhelm, von Gottes Gnaden, 417.
  6. Wir, Wilhelm, von Gottes Gnaden, 549/550; Lothar Buderus von Carlshausen, Carl Friedrich Buderus, a. a. O., 33.

Literatur