Hessische Biografie
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GND-Nummer
1031970517
Hessen und bei Rhein, Ludwig Georg Karl Friedrich Ernst Prinz von [ID = 5571]
- * 31.8.1780 Darmstadt, † 17.4.1856 Darmstadt, evangelisch; katholisch
General, Abgeordneter - Biografischer Text
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Landgraf Ludwig X. besorgte seinem zweitgeborenen Sohn im Jahr nach seinem Regierungsantritt 1791 zur Erziehung in Wien zwecks späteren Eintritts in den österreichischen Militärdienst ein Patent als supernumerärer Rittmeister. Ab Frühjahr 1797 Major, drei Jahre später Oberstleutnant im Carabinier- bzw Kürassierregiment Erzherzog Franz, nahm Georg an den Kämpfen des Ersten und Zweiten Koalitionskrieges gegen Frankreich teil, vor allem in Ungarn, aber auch in Süddeutschland. Eine damals anvisierte Verbindung mit Prinzessin Antonie von Hohenzollern-Hechingen (1781–1831) kam nicht zustande, da diese 1803 mit Graf Friedrich Ludwig Truchsess von Waldburg verheiratet wurde. Gleichlaufend zur Heirat Prinz Georgs mit der ungarischen Komtess Charlotte Török von Szendrö, für die er katholisch geworden war, beantragte er seine Entlassung aus der österreichischen Armee, die mit einem Disziplinarverfahren vor dem Hofkriegsrat gewährt wurde.
Nach Hessen zurückgekehrt, wurde dem Paar zunächst das sogenannte „Neuschloss“ in Lampertheim als Wohnsitz zu gewiesen, wo Ende des Jahres die Tochter Louise (1804–1833) zur Welt kam. Georg wurde zwar 1807 zum hessischen Generalmajor à la suite und einige Jahre später zum Generalleutnant ernannt, erhielt aber kein reguläres Kommando. 1808 bezog Prinz Georg mit der nunmehrigen „Gräfin von Nidda“ den für ihn mit klassistischer Fassade renovierten Trakt des vordem kurmainzischen Schlosses in Steinheim am Main. Die dortige Hofhaltung endete, als das Hanauer Land nach der Leipziger Schlacht 1813 Kriegsschauplatz wurde. Zunächst mit der Familie nach Ungarn ausgewichen, suchte Georg 1815 erneut in Wien Fuß zu fassen. Dort kam es nach einer zweifelhaften Liebschaft des frustrierten Prinzen 1821/22 zur Trennung von Frau und Tochter, die der Großherzog in Darmstadt kurz zuvor noch zu „Prinzessinnen von Nidda“ ernannt hatte.
Nach der endgültigen Scheidung 1827 reiste Georg mit seiner neuen Gefährtin Antoinette von Ebersberg mehrere Jahre in Italien. Zunächst in Triest und Venedig, dann in Rom, überwinterte man 1828/29 in Neapel, im Folgejahr in Mailand. Nach dem Regierungsantritt des Bruders in Darmstadt 1830 zum General der Infanterie und Regimentschef ernannt, erwirkte er die Erhebung der Partnerin zur „Gräfin von Alzey“. Wegen Differenzen mit Schwägerin Wilhelmine ließ sich Georg nach zwei weiteren Jahren in Norditalien, die u.a. zu einem Besuch bei dem bereits verwitweten Schwiegersohn Marchese Luca Bourbon del Monte (1808–1885) und Enkel Carlo in Florenz genutzt wurden, erst 1836 endgültig in Darmstadt nieder. Dort lebte der Prinz im Schloss, die Gräfin Alzey in einer benachbarten Privatwohnung. Georg wurde in den Folgejahren politischer Gesprächspartner des Bruders, bei dem er unter anderem Anfang 1839 die rasche Begnadigung der Verurteilten des „Landboten“-Prozesses erwirkte. Die eigene Sicht seines unruhigen Lebens überliefern Aufzeichnungen für die adoptierte Tochter seiner Schwester Louise.
Eckhart G. Franz
(Text identisch mit: Franz, Das Haus Hessen, S. 343 f.)
- Literatur
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- Lengemann, MdL Hessen 1808–1996. Biographischer Index, Marburg 1996, S. 182
- Götz/Rack (Bearb.), Hessische Abgeordnete 1820–1933. Ergänzungsband, Darmstadt 1995, S. 70
- Knetsch, Das Haus Brabant, Darmstadt (1918), S. 337 f. und T. 15
- Hessische Abgeordnete 1820–1933, Darmstadt 2008, Nr. 359
- Franz, Das Haus Hessen. Ein biographisches Lexikon, Darmstadt 2012, Nr. HD 69, S. 343 f. (Eckhart G. Franz)
