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Portrait

Adolf Wilhelm Ferdinand Heinrich Senarclens-Grancy
(1805–1863)

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Weitere Informationen

GND-Nummer

1114070742

Senarclens-Grancy, Adolf Wilhelm Ferdinand Heinrich [ID = 1988]

* 19.9.1805 Grancy, † 11.10.1863 Paris, katholisch
Offizier, Diplomat, Kammerherr, Generalmajor
Biografischer Text

Adolf Baron de Senarclens-Grancy folgte seinem zehn Jahre älteren Bruder August nach Darmstadt. Am 30. September 1831 wurde er zum Premier-Lieutenant im Regiment Garde du Corps des Hessen-Darmstädtischen Militär ernannt. Zugleich begann er seine Karriere am Darmstädter Hof mit der Ernennung zum Kammerjunker am 21. Oktober 1832. Vier Jahre später avancierte er am 4. Juli 1836 zum Kammerherrn.

Die militärische Karriere stand zunächst im Vordergrund: nach den Positionen als Rittmeister und Major wurde er 1848 Kommandeur des Regiments Garde du Corps. 1853 schied er als General-Lieutenant aus dem Militärdienst aus, am 26.12.1858 wurde er als Oberst charakterisiert, am 3.2.1862 als Generalmajor à la suite.

Seine Karriere setzte Senarclens-Grancy als Diplomat fort. Schon 1835 weilte er in Paris. Nun wurde er 1853–1856 Ministerresident in Paris, Brüssel und dem Haag und 1856 bis zu seinem Tod 1863 außerordentlicher Gesandter und bevollmächtigter Minister am kaiserlich französischen Hof.

Der Darmstädter Hof pflegte im 19. Jahrhundert regelmäßigen diplomatischen Kontakt zu den Höfen in Wien, Berlin und Paris. Neben dem Außenminister, den zumeist der Ministerpräsident selbst stellte, vervollständigte das hessische Diplomatische Corps der Gesandte zum Deutschen Bundestag in Frankfurt am Main. In den 50er und 60er Jahren des 19. Jahrhunderts vertraten das Großherzogtum der Freiherr Joseph von Münch-Bellinghausen, Arnold von Biegeleben und Karl von Hofmann beim Bundestag. In Wien war Adolph Freiherr von Drachenfels akkreditiert und in Berlin Carl Graf von Schlitz gen. von Görtz. Der Gesandtenposten in Paris war nach dem Wechsel von Adolph Freiherr von Drachenfels nach Wien 1850 vakant geblieben und erst wieder mit Adolf Freiherr von Senarclens-Grancy 1853 besetzt worden. Ihm kam im Rahmen der intensiven diplomatischen Verhandlungen dieser Zeit, in der Preußen die kleindeutsche Lösung im Reich durchsetzte, eine besondere Bedeutung zu. Auf Seiten Hessen-Darmstadts führte die diplomatisch-dynastischen Verhandlungen neben dem Großherzog in der Hauptsache der Prinz Alexander von Hessen und bei Rhein. Er hatte nach dem blutigen Krieg in Oberitalien 1859 die Verständigung zwischen Kaiser Napoleon III. und Kaiser Franz Joseph herbeigeführt. Mit Adolf von Senarclens-Grancy wählte der Prinz als hessischen Vertreter in Paris den Bruder seines mutmaßlichen leiblichen Vaters, d.h. einen engsten Vertrauten. Nachfolger von Adolf von Senarclens-Grancy wurde 1864 für ein Jahr Franz Freiherr Wambolt von Umstadt. 1866 wechselte dieser nach Dresden, während in Paris bis 1870 Gustaf Adolf Graf von Enzenberg lediglich als Ministerresident akkreditiert war.

Senarclens-Grancy heiratete 1852 Johanna Sophie Henriette Gravelius, mit der er bereits seit mindestens 1834 in einer Gewissensehe lebte. Ihre Geschwister waren der Barbier und Chirurg, vielleicht auch schon Apotheker in Neu-Isenburg, Jacob Carl Wilhelm Heinrich Gravelius (1802–1871), der Pharmazeut in Darmstadt Johann Georg Emil Gravelius (1807–1840) und Georg Martin Gravelius (1808–1883). Letzterer war zunächst Apotheker der Schloßapotheke und Postexpeditor in Babenhausen, später Apotheker in der Engel-Apotheke in Darmstadt. Durch diese Brüder ergaben sich die Verbindungen zur Familie Merck in Darmstadt. Georg Martin heiratete Adelheid Pracht, Tochter des Johann Pracht und der Louisa Caroline Rosenstiehl. Durch die Familien Rosenstiehl und Weyland bestand eine Verwandtschaft mit einem Teil der Merck-Familie. Adelheid Pracht war Patentochter von Adelheid Merck (1797–1838) und Haustochter im Hause Heinrich Emanuel Merck.

Lupold von Lehsten


Literatur