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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 49. Wetter

Christenberg

Burg; Wüstung · 387 m über NN
Gemarkung Münchhausen, Gemeinde Münchhausen, Landkreis Marburg-Biedenkopf 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Burg; Wüstung

Lagebezug:

15 km nördlich von Marburg

Lage und Verkehrslage:

Im Innern des Burgwaldes auf dem mächtigen nach Westen zum Wetschaftstal vorspringenden Bergsporn des Christenbergs liegen die Reste der weiträumigen Burganlage. Von Wetter kommend führte der frühe Fernweg der sog. Weinstraße, nördlich Wetter auch Kaiserstraße genannt (Rhein-Main-Gebiet-Paderborn / Bremen), ca. 2 km südlich am Christenberg vorüber.

Von Wetter kommend führte der frühe Fernweg der sog. Weinstraße, nördlich Wetter auch Kaiserstraße genannt (Rhein-Main-Gebiet-Paderborn / Bremen), ca. 2 km südlich am Christenberg vorüber.

Ersterwähnung:

1227

Siedlungsentwicklung:

Die älteste, frühkeltische Befestigung auf dem Christenberg mit dichter Innenbesiedlung ist in die Frühlatènezeit (480-280 vor Chr.) datierbar. Dendrochronologisch kann der Beginn der Anlage auf das Jahr 447 vor Chr. bestimmt werden. Möglicherweise kann in der 0,6 km nordwestlich gelegenen Lützelburg eine Vorgängeranlage gesehen werden. Zunächst offenbar unter Ausschluß des weiträumigen Vorburggeländes im Osten auf den inneren Befestigungsring beschränkt, wurde das Vorburggelände noch im Frühlatène durch einen Wall abgesichert. Etwa dem Verlauf der späteren frühmittelalterlichen Ringmauer folgend, war das ca. 4 ha große innere Areal der Burganlage von einem ca. 8 m starken Holz-Steine-Erdwall umzogen, dem im Osten ein flacher Sohlgraben vorgelagert war. Das wohl einzige, mehrfach umgebaute Tor befand sich im Südosten. Eine dauerhafte Innenbesiedlung ist im Zeitraum von ca. 450-250 vor Chr. nachweisbar, als sich auf dem CHristenberg vermutlich ein keltischer Fürstensitz befand.

Die frühmittelalterliche Befestigung des Christenbergs erfolgte in mehreren Phasen in der Zeit von ca. 700 bis in die 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts. Zunächst wurde eine kleinere, an der Ost-Seite bis zu 50 m nach innen verkürzte Fläche (3 ha) von einer ca. 1,80 m starken, nichtfundamentierten Mörtelmauer ohne Graben umschlossen. Ersetzt wurde diese sehr bald durch den nach Osten erweiterten, nun 2,5-3,0 m starken Mauerbering an dem später weitere Um- und Ausbauten stattfanden. Toranlagen mit offenbar mehrgeschossigem Torhaus und Bastionen kommen im Norden und Süden (letztere bereits in der 1. Bauphase bestehend) vor. Eine weitere, nur kurzzeitig benutzte einfache Toranlage war in den nördlichen Abschnitt der Ost-Mauer integriert. An der Nordwest-Spitze der Befestigung stand ein Rundturm der 3. Bauphase zur Sicherung der östlich entspringenden Quelle. Dem inneren Burgbering vorgelagert ist das vielfältige, in verschiedenen Bauphasen um- und ausgebaute Vorwallsystem.

Innenbesiedlung: Unter dem romanischen Langhaus der Martinskirche mit ihrem ehemals halbkreisförmigen Chorabschluß lag vermutlich karolingerzeitlicher Vorgängerbau (Saalkirche mit annähernd quadratischem Chor und leicht nach Norden versetzter Längsachse). Westlich der Kirche befand sich ein eingetiefter, durch längsrechteckigen Anbau ergänzter Steinbau (Webhaus) aus dem Ende der Befestigungsperiode; daneben ein leicht eingetiefter Holzbau mit Spuren einer Herdstelle. Etwa 20 m nördlich des Ost-Tores parallel zur Befestigungsmauer stand ein 11 m langes, eingetieftes, in 2 Räume unterteiltes Gebäude, das eine Holzdielendecke besaß. Im südlich anschließenden Bereich liegen zahlreiche Bebauungsspuren von eingetieften Grubenhäusern und eines sechseckigen Pfostenbaus von 6 m Durchmesser (Getreidespeicher ?) vor. Zwischen diesem und dem Ost-Tor trockengemauerter, quadratischer Brunnenschacht, der dendrochronologisch auf 810 datiert werden konnte. Die Fülle des im gesamten Siedlungsbereich geborgenen Fundmaterials lässt auf eine relativ dichte Innenbesiedlung der Anlage schließen. Unsicher ist allerdings, ob ein siedlungsmäßiger Zusammenhang mit der merowingerzeitlichen Grabhügelgruppe am Klutzkopf (Gemarkung Mellnau) besteht. Die Erbauung der frühmittelalterlichen Christenberg-Befestigung dürfte ebenso wie die Befestigung des Bürabergs (Schwalm-Eder-Kreis) im Zusammenhang mit dem Beginn einer planmäßigen Erfassung Althessens durch die fränkische Reichsgewalt (um 700) stehen. Der fortifikatorisch aufwendige, repräsentativ gestaltete Ausbau der Anlage in der 2. Hälfte des 8. Jahrhundert fällt in die Zeit der Sachsenkriege. Die Aufgabe der Befestigung fällt wohl in die 1. Hälfte des 9. Jahrhunderts und ist mit der endgültigen Eingliederung des sächsischen Stammesgebiet in das Frankenreich zu erklären. Als kirchlicher Mittelpunkt (Dekanatssitz) diente der Christenberg bis in die Reformationszeit hinein.

Historische Namensformen:

  • Kestelburg (1227) [Klosterarchive 5: Kloster Haina, Band 1, Nr. 42]
  • Kestelberg (1240/49)
  • Kesterborg (1309)
  • Kestirburg (1393)
  • Crustenberg (1453)
  • Christenburch (1462)
  • Cristenburg (1474)
  • Kesterborg (1480)
  • Castorborgk (1518)
  • Kesterberg (1527)
  • Crystenberg (1577)

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3482400, 5646650
UTM: 32 U 482333 5644831
WGS84: 50.95482492° N, 8.748465573° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

53401501001

Verfassung

Altkreis:

Marburg

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • 1227: Dekan, Kapitel, plebanus genannt (Franz, Kloster Haina 1, Nr. 42).
  • Bis in die Reformationszeit Pfarr- und Sendkirche. (Kirchspiel Münchhausen). Schon im 15. Jahrhundert aber nennt sich der Pfarrer vereinzelt nach Münchhausen (so 1469). 1503 Wohnsitz des Pfarrers vom Christenberg nach Münchhausen, dem späteren Pfarrort, verlegt. Die Martinskirche blieb Totenkirche von Münchhausen; darüberhinaus fanden bis in die Gegenwart auf dem Christenberg gemeinsame Gottesdienste des ganzen Kirchspiels jeweils am Nachmittag des ersten Tages der hohen Feste sowie an 7 weiteren Sonntagen vormittags statt.

Patrozinien:

  • Martin (1231)

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Erzbistum Mainz, Archidiakonat St. Stephan, Dekanat Christenberg, Sendbezirk Christenberg

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Als zugehörig zum Dekanat Kesterburg (-Wetter) sind die Sendbezirke Battenfeld, Bentreff, Breidenbach, Bromskirchen, Dautphe, Frankenau, Geismar, Gemünden, Grüsen, Kesterburg, Michelbach, Röddenau, Schönstadt, Vöhl und Wetter zu erschließen. Schon 1283 und 1326 tagte statt auf dem Christenberg das Landkapitel in Wetter.

Der Sendbezirk Kesterburg umfaßte im 15. Jahrhundert: (Wüstung) Bannebach, Birkenbringhausen (Kr. Frankenherg), Bottendorf (Kr. Frankenherg), (Wüstung) Buchborn (Kr. Frankenberg), (Wüstung) Buttelhausen, Dexbach (Kr. Biedenkopf), Eifa (Kr. Frankenberg), Engelbach (Kr. Biedenkopf), Ernsthausen (Kr. Frankenberg), Frohnhausen (Kr. Biedenkopf), Hatzfeld (Kr. Biedenkopf), (Wüstung) Hollende, Holzhausen (Kr. Biedenkopf), Münchhausen, Niederasphe, Oberasphe (Kr. Frankenberg), (Wüstung) Pferdsbach (Kr. Biedenkopf), (Wüstung) Ringshausen, Roda (Kr. Frankenberg), Simtshausen, Treisbach, Wolkersdorf (Kr. Frankenberg), Wollmar.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Christenberg, Landkreis Marburg-Biedenkopf“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/9024> (Stand: 8.11.2017)
 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde