Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen
Bitte beachten Sie: LAGIS hat eine neue Adresse: lagis.hessen.de. Für eine Übergangszeit stehen Ihnen ausgewählte Module über die bekannte Oberfläche zur Verfügung. Alle anderen sind über die neue Version des Informationssystems zugänglich. Bestehende Permalinks behalten ihre Gültigkeit und leiten bereits jetzt oder nach Abschluss aller Migrationsarbeiten automatisch auf das neue System um.

Historisches Ortslexikon

Übersichtskarte Hessen
Messtischblatt
4824 Hessisch Lichtenau
Moderne Karten
Kartenangebot der Landesvermessung
Topografische Karten
KDR 100, TK25 1900 ff.
Historische Karten
Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 33. Lichtenau
Gerichtsstätten
Alte Anger in Reichenbach
Neuer Anger in Reichenbach

Weitere Informationen

Reichenbach

Stadtteil · 435 m über NN
Gemeinde Hessisch Lichtenau, Werra-Meißner-Kreis 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

21 km südsüdwestlich von Witzenhausen, 5,5 km südöstlich von Hessisch Lichtenau

Lage und Verkehrslage:

Geschlossenes Dorf mit einfachem Grundriss und geringer Siedlungsdichte am Oberlauf des Vockebachs und am südlichen Rand der Lichtenauer Hochfläche. Auf nach Süden gerichtetem Sporn oberhalb der Talsiedlung in prominenter Lage die Kirche; südlich darunter jenseits des rundummauerten Lindenplatzes regellose Gehöftgruppe; auf dem Rücken nordwestlich an die Kirche anschließend Straße, parallel dazu im Südhang Gasse. Durch den Ort führt von Südosten kommend und hier rechtwinkelig abknickend als Hauptachse die L 3249 (Klosterstraße-Gozmarstraße)

Ersterwähnung:

1089

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

Umlegung der Flur:

1906

Älteste Gemarkungskarte:

1720

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3554483, 5669962
UTM: 32 U 554387 5668134
WGS84: 51.162053° N, 9.777802° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

636006090

Flächennutzungsstatistik:

  • 1767: 1796 Acker ohne herrschaftliche und kirchliche Güter
  • 1961 (Hektar): 888, davon 380 Wald (= 42.79 %)
  • Bis 1454: 12 1/2 Huben in der Feldmark

Einwohnerstatistik:

  • 1539: 28 Mann und Feuerstellen
  • 1575/85: 38 Hausgesesse
  • 1639: 15 Einwohner
  • 1681: 31 Hausgesesse
  • 1747: 40 Mannschaften mit 54 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
  • 1776: 226 Einwohner
  • 1961: 333, davon 317 evangelisch (= 95.20 %), 12 katholisch (= 3.60 %)
  • 1970: 325
  • Berufsgliederung 1724: 2 Amtspersonen, 53 Leinweber, 2 Schmiede, 1 Schreiner, 1 Schneider, 5 Tagelöhner, 1 Hirt; zusammen: 65
  • 1776: 1 Müller so zugleich Schreiner, 1 Wagner und Wirt, 2 Schmiede, 1 Schneider, 22 Leinweber und Tagelöhner, 1 Zimmermann, 1 Töpfer, 3 einzelne Weibspersonen

Diagramme:

Reichenbach: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • 1383: Landgrafschaft Hessen, Amt Reichenbach
  • 1454: Landgrafschaft Hessen, Amt Lichtenau (-Reichenbach)
  • 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau, Der fünfte Ort
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Lichtenau
  • 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Lichtenau
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Eschwege
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Witzenhausen
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Witzenhausen
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Witzenhausen
  • 1974: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Werra-Meißner-Kreis

Altkreis:

Witzenhausen

Gericht:

  • 1322 und 1324: landgräflicher Vogt
  • 1352: Gericht und Vogt
  • 1441: Schultheiß und Amtmann
  • 1454: Galgengrund zu Eppenrode
  • 1553: Gericht Hessen
  • 1747: Niederes und peinliches Gericht Hessen
  • 1807: Friedensgericht Lichtenau
  • 1814: Amt Lichtenau
  • 1821: Justizamt Lichtenau
  • 1867: Amtsgericht Lichtenau
  • 1879: Amtsgericht Lichtenau
  • 1945: Amtsgericht Witzenhausen
  • 1961: Amtsgericht Witzenhausen
  • Flurnamen: 'Galgenberg', 'Galgenfeld', 'Galgengraben', 'Galgenhecke', 'Galgenwiese' südwestlich am Nordhang des Eisberges

Herrschaft:

Die seit dem 11. Jahrhundert greifbaren Anfänge von Reichenbach sind eng mit der Burg Reichenbach und dem gleichnamigen Adelsgeschlecht, einer Nebenlinie der Grafen von Ziegenhain, verknüpft.

Zur Niederlassung des Deutschen Ordens Reichenbach, Deutschordensniederlassung. 1207-1211 gelangt das im Ort gelegene ehemalige Nonnenkloster an den Deutschen Orden, der hier seine älteste Niederlassung in Deutschland begründet.

1233: Die Grafen von Ziegenhain verzichten gegenüber den Landgrafen von Thüringen mit Burg Reichenbach auch auf den Ort Reichenbach.

1261: erwirbt der Deutsche Orden Besitz der von Cappel und der von Spangenberg in Reichenbach.

1330 und 1354 verpfänden die Landgrafen von Hessen dem Deutschen Orden u.a. die Burg Reichenbach.

1383: Eckehard von Felsberg gesteht dem Landgrafen Hermann auf seinen Vorwerken und Gütern im Gericht Reichenbach die gleichen Rechte wie auf anderen Vorwerken zu.

1410: Beyger Meisenbug verkauft dem Landgrafen Hermann sein Holz vor dem Hagen zu Reichenbach.

1519: Graf Adam von Belebungen erhält von Landgraf Philipp einen Zins unter anderem aus Amt und Ort Reichenbach verschrieben.

1553: Landgräfliches Dorf

1575/85: Etliche Zinsen zu Reichenbach plessisches Lehen der von Hundelshausen

Gemeindeentwicklung:

Am 1.4.1972 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform die Eingemeindung nach Hessisch Lichtenau, Stadtgemeinde, dessen Stadtteil Reichenbach seitdem ist.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • Vor 1456: Kloster Kaufungen erkennt Ansprüche Krafts von Felsberg auf Güter im Gericht Reichenbach nicht an.
  • 1471: Kraft von Felsberg verzichtet auf Güter im Gericht Reichenbach.

Ortsadel:

Adel: Grafen 1089-1272

Ortsadel: 1146-1394

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Kirche gehört zunächst den Grafen von Reichenbach, die sie für ein ( Zisterzienserinnen -?) Kloster stifteten. Nach Auflösung desselben ecclesia 1207 an Deutschen Orden
  • 1211: Bestätigung; Kommende (1225 - 1356 Komture) um 1310 der Deutschordens-Ballei Hessen inkorporiert, im 16. Jahrhundert mit Haus Marburg vereinigt
  • 1273: Umfangreiche Schenkungen der Grafen von Bilstein an Deutschen Orden Reichenbach. Deutscher Orden Reichenbach gehört zu den frühesten Deutschordens-Niederlassungen nördlich der Alpen.
  • Von der um 1140 erbauten Basilika der ehemals Klosterkirche die Arkadenwände erhalten; Spätgotischer Westturm,
  • ecclesia (1425-28) [Demandt, Quellen Fritzlar, S. 554-562, Nr. 411 I, hier S. 558)
  • Wiederaufbau 1788 - 95, Instandsetzung 1954 - 1956
  • Kapelle auf der Burg 1432 und 1433 genannt

Patrozinien:

  • Maria

Pfarrzugehörigkeit:

Kirchspiel

1569: Reichenbach mit Hollstein, Hopfelde, Wickersrode, 1585: auch noch Wollstein, bis 1613

1615, 1776, 1872 und 1994: Reichenbach mit Hollstein, Hopfelde und Wickersrode, nach Reichenbach eingepfarrt: Hof Glimmerode (1780), derselbe und Weißmühle (1872)

Patronat:

Graf von Ziegenhain-Reichenbach

1207: Deutscher Orden

Um 1310 1585, 1776: Komtur Marburg

Klöster:

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Johann Schick 1534-1536

Kirchliche Mittelbehörden:

15. Jahrhundert: Mainzer Kirchenprovinz, Archipresbyterat Fritzlar, Erzpriestersprengel Gensungen

1585: Superintendentur Rotenburg-Allendorf

1780 und 1872: Klasse Lichtenau

1923: Kirchenkreis Kaufungen

1929: Kirchenkreis Witzenhausen

Kultur

Schulen:

1776 ist ein Schulhaus vorhanden, 1910 einklassige Volksschule

Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):

Historische Ereignisse:

1640: in Asche, von 63 Familien nur noch 15 ansässig

Im Siebenjährigen Krieg größtenteils eingeäschert

Wirtschaft

Mittelpunktfunktion:

Die ältesten Amtsrechnungen von Reichenbach der Jahre 1383-1387 nennen die Orte bzw. Wüstungen Weißner, Retterode, Wollstein, Schnellrode, Mesche, Hollstein, Ichendorf, Obergude, Hopfelde, Velmeden, Laudenbach, Fürstenhagen, Vockerode, Siegershausen, Lichtenau, Steinbach, Hausen, Helsa, Diemerode, Weidelbach und Hasselbach.

Zur weiteren Entwicklung des Amtes s. Hessisch Lichtenau

Wirtschaft:

1491 und 1494 - 98: Glashütte im Hain

Töpferei: Flurnamen "Dippekochsländche", "Schleifkotten" (1553)

Mühlen:

1261: Mühle

1776: Die Deichmühle wurde mit dem Wasser der Vock über ein oberschlächtiges Wasserrad als Mahlmühle bis 1917 betrieben.

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Reichenbach, Werra-Meißner-Kreis“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/6713> (Stand: 15.11.2024)