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Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 23. Oberkaufungen

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Oberkaufungen

Ortsteil · 215 m über NN
Gemeinde Kaufungen, Landkreis Kassel 
Siedlung | Statistik | Verfassung | Besitz | Kirche und Religion | Kultur | Wirtschaft | Nachweise | Zitierweise
Siedlung

Ortstyp:

Dorf

Lagebezug:

10 km südöstlich von Kassel

Lage und Verkehrslage:

Im südwestlichen Vorland des Kaufungerwaldes.

Bahnhof der Eisenbahnlinie Waldkappel – Kassel/Wilhelmshöhe ("Lossetalbahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.12.1879).

Ersterwähnung:

1008/19

Historische Namensformen:

Bezeichnung der Siedlung:

Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:

Burgen und Befestigungen:

  • Im Bereich der ehemaligen Kaiserpfalz entstand später das Kloster Kaufungen (vgl. Klöster)

Koordinaten:

Gauß-Krüger: 3544348, 5683208
UTM: 32 U 544256 5681374
WGS84: 51.28198257° N, 9.634563851° O OpenLayers

Statistik

Ortskennziffer:

633015020

Flächennutzungsstatistik:

  • 1885 (Hektar): 926, davon 462 Acker (= 49.89 %), 273 Wiesen (= 29.48 %), 37 Holzungen (= 4.00 %)
  • 1961 (Hektar): 1610, davon 665 Wald (= 41.30 %)

Einwohnerstatistik:

Diagramme:

Oberkaufungen: Einwohnerzahlen 1834-1967

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968.

Verfassung

Verwaltungsbezirk:

  • Schon 1496 gehörten beide Kaufunger Dörfer zum Kasseler Amt Neustadt (Rechnungen).
  • Landgräfliches Amt Neustadt, Dorf des ersten Schöppenstuhls
  • 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Neustadt
  • 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Neustadt
  • 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Fulda, Distrikt Kassel, Kanton Kaufungen
  • 1814-1817: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Kaufungen
  • 1817-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Großalmerode
  • 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Kassel
  • 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Kassel
  • 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Kassel
  • 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Kassel
  • 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kassel
  • 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Kassel
  • 1970: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Kassel, Gemeinde Kaufungen (s. Gemeindeentwicklung)

Altkreis:

Kassel

Gericht:

  • a) Gericht Kaufungen:
  • Das Gericht zu Kaufungen leiteten der landgräfliche Schultheiß in Kassel und der officiatus des Klosters (Kopp, Gerichtsverfassungen 1, 324).
  • b) Spätere Gerichtszugehörigkeit von Oberkaufungen:
  • um 1900: Amtsgerichtsort (Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 274).
  • bis 1822: Amt Großalmerode
  • 1822: Landgericht Kassel
  • 1850: Justizamt Oberkaufungen
  • 1867: Amtsgericht Oberkaufungen
  • 1879: Amtsgericht Oberkaufungen
  • 1945: Amtsgericht Kassel

Gemeindeentwicklung:

Am 1.12.1970 erfolgte im Zuge der hessischen Gebietsreform der Zusammenschluss der Gemeinden Niederkaufungen und Oberkaufungen zu neu gebildeten Gemeinde Kaufungen. Am 1.2.1970 wurde die Papierfabrik als neuer Ortsteil benannt.

Besitz

Grundherrschaft und Grundbesitzer:

  • 1019 schenkte Kaiser Heinrich II. dem neuen Kloster Kaufungen die Dörfer Nederencoufunga und Overencoufunga (Roques 9). In diesem besaß er vielleicht eine Pfalz.

Ortsadel:

Adlige 1146 bis 1273

Kirche und Religion

Ortskirchen:

  • Die alte Pfarrkirche s. Georgii von Oberkaufungen (1473) (Roques 513) ist vermutlich älter als die Klosterkirche s. Crucis, die seit dem 16. Jahrhundert Pfarrkirche ist

Patrozinien:

  • Georg; Heilig Kreuz

Pfarrzugehörigkeit:

1872: Die protestantische Pfarrei Oberkaufungen der Klasse Kaufungen hatte Niederkaufungen zum Filial (Hochhuth, Statistik der evangelischen Kirche, S. 190).

Patronat:

Vor der Reformation: Kloster Kaufungen.

Klöster:

  • Kaufungen, Benediktinerinnenkloster
  • Kaufungen, Kanonissenstift
  • Kaufungen, Stift der Althessischen Ritterschaft
  • Die stattliche Klosterkirche im Bereich der ehemaligen Kaiserpfalz liegt auf einem Sporn, der den Ort überragt. Da man bald um 1015 mit der Errichtung des romanischen Gotteshauses und der Klostergebäude begann, ist von der ehemaligen Pfalzanlage nichts erhalten geblieben. Annahmen zufolge war der mittlere Teil des Rentereikellers das Untergeschoss der Pfalzkapelle.
  • König Heinrich II. übertrug seiner Gemahlin Kunigunde 1008 die Curtis Kassel und ließ eine Pfalz in Kaufungen errichten. Dort hielt er sich 1011 auch zum ersten Mal auf. Die nunmehrige Kaiserin Kunigunde gründete vor Ort 1017 ein benediktinisches Nonnenkloster. Als ihr Gatte 1024 gestorben war, trat sie im Folgejahr selbst dort ein. In Kaufungen ist sie 1033 auch gestorben. 1297 übernahm Landgraf Heinrich I. von Hessen die Klostervogtei. Obwohl es sich um eine Reichsabtei handelte, geriet das Kloster immer mehr unter hessische Landeshoheit. 1527 wurde es schließlich aufgehoben und man überwies es der hessischen Ritterschaft zur Ausstattung adliger Töchter.
  • Der Bezirk des Klosters hieß um 1900 die „Freiheit“ (Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 274).
  • Näheres: Dersch, Klosterbuch Nachdr., S. 98-100 (77) und Knappe, Burgen in Hessen, S. 42.

Bekenntniswechsel:

Erster evangelischer Pfarrer: Caspar Doner 1533-1563

Kirchliche Mittelbehörden:

a) Klasse Kaufungen:

1872 umfasste die Klasse Kaufungen die Pfarreien Oberkaufungen, Krumbach, Dörnhagen, Eiterhagen, Großalmerode, Heiligenrode, Helsa, Nieste und Waldau (Hochhuth, Statistik der evangelischen Kirche, S. 190).

b) Kirchliche Zugehörigkeit von Oberkaufungen:

Vor der Reformation gehörte Oberkaufungen zum Dekanat Kirchditmold (Würdtwein D. 10, 528).

1872 zählte es zur Klasse Kaufungen (Hochhuth, Statistik der evangelischen Kirche, S. 190).

Juden:

Ort ist der Kasseler Gemeinde angeschlossen.

1932/33: 1 Jude

Kultur

Schulen:

Schulmeister: Peter Dimmer vor 1581-1583

Nachweise

Literatur:

Zitierweise
„Oberkaufungen, Landkreis Kassel“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/2274> (Stand: 16.10.2018)
 
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