Historisches Ortslexikon
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- KDR 100, TK25 1900 ff.
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- Kurfürstentum Hessen 1840-1861 – 66. Hersfeld
Weitere Informationen
Oberhaun
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Ortsteil · 211 m über NN
Gemeinde Hauneck, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
- Siedlung ↑
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Ortstyp:
Dorf
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Lagebezug:
5 km südsüdöstlich von Bad Hersfeld
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Lage und Verkehrslage:
Zweigeteiltes Dorf mit regelhaften Grundrissmerkmalen im unteren Haunetal beiderseits des Flusses. Der älteste und größere Teil mit Kirche entwickelte sich entlang der N-S Hauptachse (Lindenstraße) am linken Ufer der Haune. Jüngere Siedlungsentwicklung hier nach Westen in flach ansteigendes Gelände. Der östliche, langgestreckte Teil ist durch parallel zur Haune verlaufende Bahntrassenanlage (1866 fertiggestellt) vom älteren Teil getrennt und lag bis zur Ortsumgehung (2017) an der B 27.
Bahnhof der Eisenbahnlinie Bebra – Hanau – Frankfurt am Main ("Bebraer Bahn";"Bebra-Hanauer-Bahn") (Inbetriebnahme der Strecke 1.10.1866).
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Ersterwähnung:
1230
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Vorbemerkung Historische Namensformen:
Vgl. Unterhaun
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Historische Namensformen:
- superiori Huna, in (1230) [HStAM Bestand Urk. 57 Nr. 3]
- Obern Huna, in (1359) [HStAM Best. Urk. 57 Nr. 28]
- Obere Huna (1392) [HStAM Best. Urk. 57 Nr. 53]
- Ubernhune (1499) [HStAM Best. Urk. 57 Nr. 113]
- Obernhuna (1560) [HStAM Best. 104 Nr. 411]
- Obern Haun (1673) [Ziegler, Reichsabtei Hersfeld, S. 275-278, Beilagen 37-39]
- Haŭn (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 16,1]
- Ober Haúne (1747) [Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105]
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Bezeichnung der Siedlung:
- Dorfschaft, Dorf (1772)
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Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:
-
Umlegung der Flur:
1871-1879
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Älteste Gemarkungskarte:
1771
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Koordinaten:
Gauß-Krüger: 3551130, 5632393
UTM: 32 U 551035 5630580
WGS84: 50.824684° N, 9.724591° O OpenLayers - Statistik ↑
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Ortskennziffer:
632007040
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Flächennutzungsstatistik:
- 1885 (Hektar): 445, davon 183 Acker (= 41.12 %), 62 Wiesen (= 13.93 %), 151 Holzungen (= 33.93 %)
- 1961 (Hektar): 449, davon 152 Wald (= 33.85 %)
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Einwohnerstatistik:
- Um 1610: 42 Hausgesesse
- 1628: 42 Hausgesesse
- 1673:22 Hausgesesse
- 1747: 40 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
- Um 1760: 30 Feuerstätten
- 1772: 42 Häuser oder Feuerstätten mit 230 Menschen; Gewerbetreibende: 1 Zimmermann, 1 Büttner, 1 Papiermacher, 1 Schneider, 21 Leinweber, 9 Tagelöhner (HStAM Best. 49 d, Hersfeld Nr. 344)
- 1885: 284, davon 283 evangelisch (= 99.65 %), 1 katholisch (= 0.35 %)
- 1961: 505, davon 424 evangelisch (= 83.96 %), 78 katholisch (= 15.45 %)
- 1970: 541
- 2001: 756
- 2006: 718
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Diagramme:

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. - Verfassung ↑
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Verwaltungsbezirk:
- um 1500: Reichsabtei Hersfeld, Propstei Johannesberg
- 1651: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt/Gericht Johannesberg
- 1747: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt/Gericht Johannesberg
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hersfeld, Amt Johannesberg
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Johannesberg
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Hersfeld, Kanton Petersberg
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Fürstentum Hersfeld, Amt Johannesberg
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Fulda, Kreis Hersfeld
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Hersfeld
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
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Altkreis:
Hersfeld
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Gericht:
- 1822: Landgericht Hersfeld
- 1850: Justizamt Hersfeld I
- 1867: Amtsgericht Hersfeld
- 1879: Amtsgericht Bad Hersfeld
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Herrschaft:
Kloster Johannesberg als Tochterkloster der Reichsabtei Hersfeld. 1230 verleiht Ludwig I., Abt von Hersfeld, an Propst Wigand und den Konvent des Klosters St. Johannesberg mehrere in Oberhaun gelegene Mansen, die dem Kloster Hersfeld durch Manegold von Kerspenhausen und dessen Ehefrau Ottilie geschenkt wurden. Hermann von Buchenau bekennt 1359, dass der Abt Johannes von Hersfeld sowie Dekan und Konvent des Klosters St. Johannesberg die Hufe in Oberhaun, welche sein Vater Albrecht von denselben für 24 Pfund Heller erworben hatte, um dieselbe Summe weiterverkauft haben und er deshalb darauf Verzicht geleistet hat.
Die Dörfer Ober- und Unterhaun, Hilperhausen, Kohlhausen, der Hof Roßbach, die Papiermühle bei Oberhaun sowie die Wüstungen Kreuzberg, Laufe und Withof gehörten zu einem von der Hersfelder Benediktinerpropstei Johannesberg im 15. Jahrhundert ausgebildeten Gerichts- und Verwaltungsbezirk. Das Kloster verfügte über die Herrschafts- bzw. Gerichtshoheit und hatte Anspruch auf Dienste und Abgaben. Langwierige Streitigkeiten ergaben sich mit den Herren von Buchenau, die dem benachbarten Gericht bzw. Amt Schildschlag vorstanden und sich dabei auf ihre Rechte als Untervögte im Bezirk des Johannesberges beriefen. 1499 gestand Engelhard von Buchenau dem Kloster Johannesberg Lehen, Gerichte, Gebot, Verbot und den Brotzins zu Ober- und Niederhaun zu, behielt sich aber die Halsgerichtsbarkeit vor. In weiteren Verträgen von 1539 und 1559 wurden die Zuständigkeiten und Abgaben zwischen den Parteien geregelt, wobei die peinliche Gerichtsbarkeit den Buchenauern verblieb. Mit der endgültigen Aufhebung der Eigenständigkeit der Abtei Hersfeld fiel auch die Propstei Johannesberg 1651 an die Landgrafschaft Hessen, die diese aber faktisch schon seit 1606 administrierten. Nach dem Erwerb verbliebener Rechte der Buchenauer stand Oberhaun ganz unter hessischer Hoheit.
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Gemeindeentwicklung:
Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden zur neu gebildeten Gemeinde Hauneck zusammengeschlossen.
- Kirche und Religion ↑
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Ortskirchen:
- 1772 heißt es, dass in Oberhaun keine Kirche vorhanden gewesen und der Ort nach Unterhaun eingepfarrt sei. Vor 15 bis 16 Jahren habe die Gemeinde auf eigene Kosten eine kleine Kirche mitten im Dorf errichtet sowie einen Totenhof angelegt. Doch werde hier nicht gepredigt.
- Offenbar knüpfte man an ein älteres Gebäude an, denn der heutige Kirchbau stellt sich als spätgotischer Rechteckchor des 15. Jahrhunderts mit zweigeschossigem Fachwerksaal von 1711 dar. 1856 renoviert
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Pfarrzugehörigkeit:
1772, 1872 und 1994 nach Unterhaun eingepfarrt
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Bekenntniswechsel:
Einführung der Reformation vermutlich Mitte des 16. Jahrhunderts.
- Kultur ↑
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Schulen:
1772 heißt es, dass die Kinder bis vor kurzem noch nach Unterhaun zur Schule gingen, aber nun eine eigene Schule mit Schulmeister in Oberhaun bestehe
1910 einklassige Volksschule
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Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):
- Wirtschaft ↑
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Mühlen:
Papiermühle (s. d.)
- Nachweise ↑
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Literatur:
- 900 Jahre Oberhaun
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 211
- Ziegler, Reichsabtei Hersfeld, S. 314 (Register)
- Gerbig, Hauneck Chronik
- Denkmaltopographie Landkreis Hersfeld-Rotenburg 1, S. 283-288
- Zitierweise ↑
- „Oberhaun, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3268> (Stand: 16.3.2026)

