Historisches Ortslexikon
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- Anger in Nentershausen
Festplatz in Nentershausen
Weitere Informationen
Nentershausen
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Ortsteil · 300 m über NN
Gemeinde Nentershausen, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
- Siedlung ↑
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Ortstyp:
Dorf
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Lagebezug:
14 km östlich von Rotenburg an der Fulda
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Lage und Verkehrslage:
Mehrteiliges Dorf im Richelsdorfer Gebirge an der Hasel, einem Zulauf der Sontra. Dorfkern mit einfacher Struktur im Westen mit Kirche in erhöhter Lage, darunter Marktplatz und Gerichtsstätte. Nördlich hiervon Hofgut der Herren von Baumbach mit Wohn- und Wirtschaftsgebäuden (Gutsstraße), im Süden ehemaliges Jagdschloss, Amtsgericht und Gefängnis (Im Ruhl). Im Osten entsteht vor dem Zweiten Weltkrieg eine Bergmannsiedlung um die "neue" Schule mit Pfarrkirche (1954), später außerdem noch ein Feriendorf.
Durch den Ort führen in Süd-Nord-Richtung die L 3249 (Kasseler bzw. Kupferstr.), die kurz vor Sontra auf die B 27 stößt, und die von dieser am Marktplatz nach Osten abzweigende K 71 (Elzebacher- bzw. Eisenacher Str.).
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Ersterwähnung:
1314
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Siedlungsentwicklung:
Im Bereich der Gemarkung von Nentershausen befanden sich Wüstungen, denen bislang keine Namen in Schriftquellen zugewiesen werden konnten. Auf dem Dachsberg wurde Kupferschiefer abgebaut.
1928 erfolgt die Eingemeindung von Teilen des aufgelösten Gutsbezirks Forst Nentershausen.
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Historische Namensformen:
- Nentershusen, de (1314) [Löwenstein, Quellen Rotenburg, S. 19-20, Nr. 31]
- Nentershusen, de (1320) [Löwenstein, Quellen Rotenburg, S. 20-21, Nr. 32]
- Nenthershusen, de (1320) [Löwenstein, Quellen Rotenburg, S. 21-22, Nr. 33]
- Nendershusen, de (1323) [HStAM Best. Urk. 57 Nr. 307]
- Nentershusen (1349) [HStAM Best. Urk. 102 Nr. 24]
- Nenzcerzhusen (1352) [HStAM Best. Urk. 102 Nr. 27]
- Nenttirshusen, de (1353) [Löwenstein, Quellen Rotenburg, S. 36-37, Nr. 51]
- Nenthershusen, in; Nentershusen, in (zwischen 1343 und 1364) [HStAM Bestand Urk. 56 Nr. 681; A. Herbst, Hersfelder Zinsenverzeichnis des 14. Jahrhunderts, S. 14-23]
- Nenthershusen, in (1365) [ HStAM Best. K Nr. 248]
- Nentershusen (1425) [HStAM Best. Urk. 102 Nr. 56]
- Nenterßhusen (1428) [Wetterau, Gericht Tannenberg, Anhang 1 S. 2, 1.3]
- Nentershausen (1585) [Der ökonomische Staat Landgraf Wilhelms IV., S. 91]
- Nendershausen (1708/10) [Schleenstein, Landesaufnahme, Karte Nr. 13]
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Bezeichnung der Siedlung:
- villa (1349)
- Dorfschaft (1771)
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Siedlungsplätze innerhalb der Gemarkung:
- Baumbachscher Hof Nentershausen
- Bodental
- Buchenstein
- Burg Alt-Tannenberg
- Eisenerz-Gruben
- Feriendorf
- Forsthaus Tannenberg
- Grimolderode
- Grube Münden
- Haspelrode
- Hessischer Amtshof Nentershausen
- Nesselers
- Neue Mühle
- Neuensüß
- Ruhla
- Sägewerk
- Tannenberg, Burg
- Teer- oder Pechofen
- Thudinhain
- Weißmühle
- Baumbachscher Hof Nentershausen (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
- Burg Alt-Tannenberg (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
- Burg Tannenberg (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
- Hessischer Amtshof Nentershausen (→ Burgen, Schlösser, Herrenhäuser)
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Burgen und Befestigungen:
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Umlegung der Flur:
1933-1938
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Älteste Gemarkungskarte:
1731
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Koordinaten:
Gauß-Krüger: 3565895, 5653572
UTM: 32 U 565795 5651750
WGS84: 51.013547° N, 9.937934° O OpenLayers - Statistik ↑
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Ortskennziffer:
632013040
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Flächennutzungsstatistik:
- 1885 (Hektar): 698, davon 249 Acker (= 35.67 %), 47 Wiesen (= 6.73 %), 347 Holzungen (= 49.71 %)
- 1961 (Hektar): 1649, davon 1209 Wald (= 73.32 %)
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Einwohnerstatistik:
- 1585: 77 Hausgesesse (Der ökonomische Staat)
- 1747: 59 Feuerstätten (Dorfbuch der Landgrafschaft Hessen-Cassel HStAM Bestand S Nr. 105)
- 1771: 69 Feuerstätten mit 595 Menschen. Gewerbetreibende: 1 Bäcker, 4 Müller, 2 Schreiner, 4 Brandweinschenker, 1 Maurer und Dachdecker, 1 Metzger, 6 Schneider, 2 Hufschmiede, 6 Leineweber, 4 Tagelöhner, 15 einzelne Weibspersonen, 8 Handelsjuden
- 1885: 748, davon 604 evangelisch (= 80.75 %), 22 katholisch (= 2.94 %), 122 Juden (= 16.31 %)
- 1961: 1824, davon 1279 evangelisch (= 70.12 %), 524 katholisch (= 28.73 %)
- 1970: 1894
- 1981: 3470 (mit Ortsteilen)
- 2003: 3196 (mit Ortsteilen)
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Diagramme:

Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: 1. Die Bevölkerung der Gemeinden 1834-1967.
Wiesbaden : Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. - Verfassung ↑
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Verwaltungsbezirk:
- 1585: Landgrafschaft Hessen, Niederhessen, Amt Sontra, Adelsdorf (von Baumbach)
- 1787: Landgrafschaft Hessen-Kassel, Niederhessen, Amt Nentershausen
- 1803-1806: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Nentershausen
- 1807-1813: Königreich Westphalen, Departement der Werra, Distrikt Eschwege, Kanton Nentershausen
- 1814-1821: Kurfürstentum Hessen, Niederhessen, Amt Nentershausen
- 1821: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Rotenburg
- 1848: Kurfürstentum Hessen, Bezirk Hersfeld
- 1851: Kurfürstentum Hessen, Provinz Niederhessen, Kreis Rotenburg
- 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Rotenburg
- 1945: Groß-Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Rotenburg
- 1946: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Rotenburg
- 1972: Land Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Hersfeld-Rotenburg
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Altkreis:
Rotenburg
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Gericht:
- 1822: Assistenzamt Nentershausen
- vor 1827: Assistenzamt Nenntershausen des kurhessischen Justizamts (Reservaten-Amts) Rotenburg
- 1827: Justizamt Nentershausen
- 1836: Justizamt Rotenburg
- 1867: Amtsgericht Nentershausen
- 1879: Amtsgericht Nentershausen
- 1932: Amtsgericht Sontra
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Herrschaft:
Das Stift Hersfeld hat die Herrschaftsrechte ursprünglich inne und nachweislich im 14. Jahrhundert Einkünfte aus Gütern in Nentershausen. 1352 erwerben die von Baumbach ein Gut der Gele gen. Wigenden in Baumbach. 1365 haben die von Baumbach in Nentershausen vom Kloster Hersfeld zahlreiche Güter zu Lehen. Den Landgrafen von Hessen gelingt es jedoch in der Folge, die Abtei Hersfeld aus der Lehnsherrschaft über die Herren von Baumbach und deren Gericht Tannenberg, zu dem dem Nentershausen gehörte, weitgehend zu verdrängen. 1428, 1485 und 1521 liegen hersfeldische Lehnsurkunden bzw. -reverse an die von den von Baumbach vor. 1606 stellt Landgraf Otto die Lehnsurkunde als Administrator des Stifts Hersfeld aus. In Nentershausen blieb die peinliche Gerichtsbarkeit je nach ihrem Anteil in den Händen der von Baumbach. Nentershausen wird zum Verwaltungsmittelpunkt des baumbachischen Gerichts und geht größtenteils mit der Herrschaft Tannenberg 1698 und 1738 an Hessen über. Denen von Baumbach verblieb neben 3/16 ihres alten Besitzes die Hohe Gerichtsbarkeit bis 1806.
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Gemeindeentwicklung:
Am 31.12.1971 im Zuge der hessischen Gebietsreform mit anderen Gemeinden als Ortsteil zur Gemeinde Nentershausen zusammengeschlossen. Zu deren Entwicklung s. Nentershausen, Gemeinde. Sitz der Gemeindeverwaltung ist Nentershausen.
- Besitz ↑
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Ortsadel:
1314
- Kirche und Religion ↑
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Ortskirchen:
- sacerdotes (1320)
- baptisterium; Taufkapelle (1349)
- kirchen und gotshuse Nentershausen (1425)
- 1349 wird die Trennung des Altar auf dem Tannenberg genehmigt, was als Ausgangspunkt eines eigenen Kirchenbaus im Sinne einer Taufkapelle gedeutet wird. Gestreckter Rechteckbau von 1613 unter Verwendung von Resten einer mittelalterlicher Vorgängerkirche. 1696-97 erneuert, 1929 und 1979 renoviert. In der Mitte der Südseite integrierter gotischer Rundturm, der einst auch mit dem Vorgängerbau verbunden war und heute sowohl nach außen als auch in Kircheninnere vorspringt.
- Katholische Pfarrkirche Heilig Kreuz 1954 geweiht
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Patrozinien:
- Maria, Ewald, Georg (1425)
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Pfarrzugehörigkeit:
1349 zu (Weißen-) Hasel gehörig. 1585 gehört Machtlos zum Kirchspiel Nentershausen, das 1828 abgetrennt wird. 1771 werden Blankenbach und Machtlos als Filialen genannt, 1872 und 1994 Dens und Weißenhasel
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Patronat:
1585 und bis 1698 haben die von Baumbach das Patronatsrecht ganz, mit dem Verkauf an die Landgrafen nur noch für jeden dritten Fall, seit 1738 nur noch zu 3/16.
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Bekenntniswechsel:
Erster nachweisbarer evangelischer Pfarrer: Balthasar Wilhelm vor 1556 bis ca. 1568 (1565)
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Kirchliche Mittelbehörden:
1506: Erzbistum Mainz, Archidiakonat Dorla, Archipresbyterat Renda
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Juden:
Provinzial-Rabbinat Kassel; angeschlossen Solz.
1835: 130; 1861: 149; 1905: 96; 1932/33: 37 Juden.
Seit 1661 sind Juden hier nachweisbar. Sie unterhielten ab 1832/37 eine eigene Schule. Ab 1925 befand sich die Synagoge in einem umgebauten Gebäude (Nahe der Post?), das 1939 an Privat verkauft werden musste. Die Synagoge wurde 1988 abgebrochen und in das Freilichtmuseum Hessenpark gebracht.
Berufe: Handwerk, Kaufmannswesen, Viehhandel
ab 1849 eigener Friedhof, liegt nordwestlich vom Ort in einem kleinen Wiesenthal, etwa 400 Meter vom letzten Haus entfernt. (alemannia-judaica)
- Kultur ↑
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Schulen:
1771 Schulhaus vorhanden
1910 Volksschule mit zwei Klassen
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Hospitäler:
1556 Stiftung eines Hospitals mit 8 Plätzen durch Jost von Baumbach (Ritter, Kirchliches Handbuch, S. 343)
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Sprachgeschichte (Quellenfaksimiles):
- Wirtschaft ↑
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Mittelpunktfunktion:
Zum Gericht Nentershausen gehören zu Beginn der Frühen Neuzeit Tannenberg, Nentershausen, Blankenbach, Machtlos und der größte Teil von Weißenhasel.1747 gehören zum Amt oder Gericht Nentershausen: Nentershausen, Blankenbach, Machtlos, Weißenhasel, Süß, Bossenode, Raßdorf, die drei Höfe Tannenberg, Bellers und Bauhaus.
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Wirtschaft:
Bergbau in der Region seit dem 15. Jahrhundert
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Mühlen:
Vgl. die außerhalb der Ortsgemarkung befindliche Neue Mühle und Weiße Mühle
Innerhalb befanden sich 1771 die Ruhlmühle und die Dorfmühle, beide mit dem Wasser der Hasel über oberschlächtige Wasserräder angetrieben
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Markt:
1739 werden der Dorfschaft zwei Jahrmärkte verliehen: einer auf Johnnistag (24. Juni), einer 8 Tage vor Weihnachten
- Nachweise ↑
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Literatur:
- Wetterau, Gericht Tannenberg
- Die evangelische Kirche zu Nentershausen. Festschrift 1979
- Denkmaltopographie Landkreis Hersfeld-Rotenburg 2, S. 562-603 (Ortsteil 564-583)
- Dorfbeschreibung von Nentershausen (1771)
- Scholz, Wasser- und Windmühlen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, S. 123
- Historisches Ortslexikon Kurhessen, S. 345
- Schellhase, Kreis Rotenburg
- Fundberichte aus Hessen, 26. Jahrgang, 1986, S. 592 (Klaus Sippel)
- Fundberichte aus Hessen, 31. Jahrgang, 1991 (2), S. 489-492 (Klaus Sippel)
- Hütteroth, althessische Pfarrer, S. 523
- Arnsberg, Die jüdischen Gemeinden in Hessen: Anfang, Untergang, Neubeginn, Bd. 2S. 116-118
- Zitierweise ↑
- „Nentershausen, Landkreis Hersfeld-Rotenburg“, in: Historisches Ortslexikon <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/ol/id/3114> (Stand: 20.8.2025)

