Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen
Bitte beachten Sie: LAGIS hat eine neue Adresse: lagis.hessen.de. Für eine Übergangszeit stehen Ihnen ausgewählte Module über die bekannte Oberfläche zur Verfügung. Alle anderen sind über die neue Version des Informationssystems zugänglich. Bestehende Permalinks behalten ihre Gültigkeit und leiten bereits jetzt oder nach Abschluss aller Migrationsarbeiten automatisch auf das neue System um.

Hessen im 19. und 20. Jahrhundert

Gehe zu Treffer
 

Baubeginn von Schloss Rauischholzhausen, 6. September 1873

1873 erwarb der später geadelte Ferdinand Eduard Stumm (1843–1925) aus der Großindustriellenfamilie Stumm, damals Legationsrat bei der deutschen Botschaft in Petersburg, den Besitz der Herren Rau von Holzhausen im Ebsdorfer Grund bei Marburg, 1.900 hessische Acker Wiesen- und Waldgebiete. Nach Übernahme des Besitzes wurden die alte Wasserburg, der anliegende Wirtschaftshof und die Zehntscheune abgerissen. Auf der dahinterliegenden Anhöhe wurden das neue Herrenhaus als repräsentativer Sommersitz der Familie sowie der nahegelegene Wirtschaftshof erbaut.

Vom 6. September 1873 bis Dezember 1878 entstand der unregelmäßig gestaltete Kernbau mit Hauptbau, Ost- und Westflügel. Mit der Planung war zunächst der Marburger Universitätsbaumeister Carl Schäfer (1844–1908) beauftragt worden, wobei der Auftraggeber viele Ideen beisteuerte. Die Bauausführung wurde ab Mitte 1874 durch Alfred Friedrich Bluntschli (1842–1930) vom Frankfurter Architekturbüro Mylius & Bluntschli übernommen. Bauleiter war der damals dem Baubüro angehörende Aage von Kauffmann (1852–1922), der später auch die Erweiterungsbauten 1883/84 und den Bau der von Stumm gestifteten Gemeindekirche verantwortete. Um 1900 erfolgten die neobarocken Erweiterungen auf der Nord- und Nordostseite. Das Schloss im pittoresken historisierenden Stil mit Elementen der deutschen Renaissance erhielt damals den Namen „Neu Potsdam“.

Gleichzeitig wurde der weitläufige Landschaftspark von dem renommierten Frankfurter Gartenarchitekten Heinrich Siesmayer (1817–1900) angelegt, wobei auch älterer Baumbestand integriert und ca. 28.000 neue Gehölze gepflanzt wurden. Sichtachsen verknüpften Schloss und Park, Kirche, Dorf und den Schornstein der Stummschen Dampfmolkerei und banden sie in die umgebende Landschaft ein.

Das Schloss gehört seit 1949 der Universität Gießen, die es als Tagungsstätte nutzt.
(UH)

Belege
Weiterführende Informationen
Empfohlene Zitierweise
„Baubeginn von Schloss Rauischholzhausen, 6. September 1873“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edbx/id/7620> (Stand: 14.4.2025)
Ereignisse im August 1873 | September 1873 | Oktober 1873
Mo.Di.Mi.Do.Fr.Sa.So.Mo.Di.Mi.Do.Fr.Sa.So.Mo.Di.Mi.Do.Fr.Sa.So.Mo.Di.Mi.Do.Fr.Sa.So.Mo.Di.
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22 23 24 25 26 27 28 29 30