Hessen im 19. und 20. Jahrhundert

Wahlen zum Deutschen Reichstag, 3. März 1871
Bei den ersten Wahlen zum Deutschen Reichstag erringt die Nationalliberale Partei mit 119 von insgesamt 382 Mandaten den Wahlsieg. Zweitstärkste Kraft wird die katholische Zentrumspartei (60), gefolgt von der Konservativen Partei (53 Mandate).
Auf heute hessischem Territorium dominiert ebenfalls die Nationalliberale Partei: von den 26 Wahlkreisen der preußischen Provinz Hessen-Nassau, des Großherzogtums Hessen, des Fürstentums Waldeck und heute hessischen Teilen der Rheinprovinz und der Provinz Westfalen gewinnen die Nationalliberalen 14, die Konservative Partei erringt ebenso wie die Deutsche Fortschrittspartei (die vor allem im Regierungsbezirk Wiesbaden stark ist) drei Mandate. Die Zentrumspartei erringt zwei Mandate in den traditionell katholisch geprägten Gebieten um Limburg und Fulda.
Gewählte Abgeordnete
Bei der Reichstagswahl wird in jedem Wahlkreis nach absolutem Mehrheitswahlrecht (Persönlichkeitswahl) ein Abgeordneter gewählt.
Königreich Preußen – Provinz Hessen-Nassau – Regierungsbezirk Wiesbaden
Klotz, Adolph (1823–1909; Deutsche Fortschrittspartei; Wahlkreis 1: Hochheim, Höchst, Homburg, Idstein, Königstein, Usingen)
Knapp, Johann (1807–1875; Deutsche Fortschrittspartei; Wahlkreis 4: Diez, Hadamar, Limburg, Runkel, Weilburg)
Lieber, Dr. Ernst (1838–1902); Zentrum; Wahlkreis 3: Braubach, Montabaur, Nassau, Nastätten, St. Goarshausen, Wallmerod
Schenck, Friedrich (1827–1900); Deutsche Fortschrittspartei; Wahlkreis 2: Eltville, Langenschwalbach, Rüdesheim, Wehen, Wiesbaden
Sonnemann, Leopold (1831–1909; bei keiner Fraktion (Volkspartei); Wahlkreis 6: Frankfurt-Stadt)
Winter, Wilhelm (1803–1895; Konservative Partei; Wahlkreis 5: Dillenburg, Hachenburg, Herborn, Marienberg, Rennerod, Selters)
Königreich Preußen – Provinz Hessen-Nassau – Regierungsbezirk Kassel
Baehr, Dr. Otto (1817–1895; Nationalliberale Partei; Wahlkreis Kassel 2: Kassel-Stadt, Kassel-Land, Melsungen)
Braun, August (1820–1879; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 6: Hersfeld, Hünfeld, Rotenburg)
Grimm, Dr. Karl (1826–1893); Konservative Partei; Wahlkreis 5: Marburg, Frankenberg, Kirchhain
Harnier, Dr. Richard (1820–1885; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 4: Eschwege, Schmalkalden, Witzenhausen)
Herrlein, Franz Joseph (1818–1890); Zentrum; Wahlkreis 7: Fulda, Gersfeld, Schlüchtern
Oetker, Dr. Friedrich (1809–1881); Nationalliberale Partei; Wahlkreis 1: Hofgeismar, Rinteln, Wolfhagen1
Wehrenpfennig, Dr. Wilhelm (1829–1900); Nationalliberale Partei; Wahlkreis 3: Fritzlar, Homberg, Ziegenhain
Weigel, Dr. Hermann (1828–1887; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 8: Hanau-Stadt, Hanau-Land, Gelnhausen, Frankfurt-Land)
Königreich Preußen – Provinz Westfalen – Regierungsbezirk Arnsberg
Jung, Gustav (1824–1904); Nationalliberale Partei; Wahlkreis 1: Wittgenstein, Siegen, Hinterlandkreis2
Königreich Preußen – Rheinprovinz – Regierungsbezirk Koblenz
Helldorff(-Bedra), Otto Heinrich von (1833–1908); Konservative Partei; Wahlkreis 1: Wetzlar, Altenkirchen
Großherzogtum Hessen
Bamberger, Dr. jur. Ludwig (1823–1899; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 9: Mainz)
Dernburg, Dr. jur. Friedrich (1833–1911); Nationalliberale Partei; Wahlkreis 5: Dieburg, Offenbach
Hoffmann, Dr. jur. Karl Johann (1819–1874); Nationalliberale Partei; Wahlkreis 4: Darmstadt, Groß-Gerau3
Martin, Georg (1816–1881); Nationalliberale Partei; Wahlkreis 6: Bensheim, Erbach, Lindenfels, Neustadt
Metz, Dr. jur. August (1818–1874; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 8: Bingen, Alzey)
Nordeck zur Rabenau, Adalbert Freiherr (1817–1892); Liberale Reichspartei; Wahlkreis 1: Gießen, Grünberg, Nidda
Pfannebecker, Johann (1808–1882); Nationalliberale Partei; Wahlkreis 7: Heppenheim, Worms, Wimpfen
Solms-Laubach, Friedrich Graf zu (1833–1900); Deutsche Reichspartei; Wahlkreis 3: Alsfeld, Lauterbach, Schotten
Wedekind, Dr. jur. Georg Freiherr von (1825–1899; Nationalliberale Partei; Wahlkreis 2: Friedberg, Vilbel, Büdingen)
Fürstentum Waldeck-Pyrmont
Miquèl, Dr. Johannes (1828–1901); Nationalliberale Partei
- Oetker setzte sich im ersten Wahlgang deutlich mit 97,2 % der Stimmen gegen Friedrich Scheffer (1800–1879; 0,9 %) und Dr. Hubert Scheck (geb. 1828; beide Nationalliberale Partei) durch. Vgl. Klein, Die Hessen als Reichstagswähler, Bd. 1, Marburg 1989, S. 20-24. ↑
- Jung, der bereits vor der Wahl erklärt hatte, für ein Reichstagsmandat nicht zur Verfügung zu stehen (siehe Wikipedia: Gustav August Jung: Politisches Engagement, eingesehen am 17.7.2023), wurde dennoch in der Engeren Wahl mit knapp 56 Prozent der Stimmen gewählt. Er nahm das Mandat aber nicht an, woraufhin am 11. April 1871 eine Ersatzwahl durchgeführt wurde, bei der sich Albert Freiherr von Dörnberg (1824–1915; Deutsche Reichspartei) gegen Dr. jur. h.c. Ludwig Beughem (1806–1886; Nationalliberale Partei) durchsetzte. Vgl. Thomas Klein, Die Hessen als Reichstagswähler, Bd. 1, Marburg 1989, S. 915 f. ↑
- Karl J. Hoffmann ist der Sohn des ebenfalls politisch engagierten Kommerzienrats Ernst Emil Hoffmann aus Darmstadt. ↑
- Belege
- Franz/Wagner (Bearb.), Darmstädter Kalender. Daten zur Geschichte unserer Stadt, Darmstadt 1994, S. 135
- Eckhart G. Franz (Hrsg.), Die Chronik Hessens, Dortmund 1991, S. 258 f.
- Thomas Klein, Die Hessen als Reichstagswähler, Bd. 1, Marburg 1989
- Weiterführende Informationen
- Wikipedia: Reichstagswahl 1871 (eingesehen am 5.6.2023)
- Empfohlene Zitierweise
- „Wahlen zum Deutschen Reichstag, 3. März 1871“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edbx/id/6583> (Stand: 14.4.2025)
- Ereignisse im Februar 1871 | März 1871 | Mai 1871
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