Hessen im 19. und 20. Jahrhundert

Umzug der Arnoldschen Tapetenfabrik an den Wilhelmshöher Platz in Kassel, 1815
Nach dem Ende des Königreichs Westphalen wurde 1813 das von Oberbaudirektor Heinrich Christoph Jussow (1754–1825) im Rahmen seiner Planung für eine repräsentative Gestaltung des Wilhelmshöher Platzes in Kassel entworfene langgestreckte Gebäude an der Südseite von Kurfürst Wilhelm I. (1743–1821) in Erbleihe an den Tapetenfabrikanten Johann Christian Arnold (1759–1842) vergeben. Dieser hatte bereits 1789 in der Residenzstadt die erste Papiertapetenfabrik Deutschlands begründet, die zunächst in der Wildemannsgasse angesiedelt war. Zu den bekanntesten Tapeten der Manufaktur gehörte die Wandverkleidung im Arbeitszimmer der Brüder Grimm.
Nach einigen Umbauten konnte der Komplex aus Haupt- und Nebengebäuden mit einem geräumigen Hof 1815 bezogen werden. Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes war neben der Fabrik auch die Wohnung der Familie Arnold untergebracht. Der u.a. in Paris als Maler ausgebildete Karl Heinrich Arnold (1793–1874) beherbergte hier unter anderem seinen Freund Adolph Menzel (1815–1905), der in diesem Haus 1847/48 mehrere Monate verbrachte.
Die Obergeschosse des geräumigen Hauses waren vermietet. Ab 1855/56 wohnte im ersten Obergeschoss der frühere Oberhofmarschall Wilhelm Otto von der Malsburg (1780–1857) mit seiner künstlerisch sehr begabten Ehefrau Caroline (1787–1863), die hier ihre berühmten Kammermusikabende mit dem seit 1822 in Kassel als Hofkapellmeister wirkenden Louis Spohr (1784–1859) abhielten. Ständige Gäste waren unter anderem auch die Kasseler Maler Ludwig Emil Grimm (1790–1863), August von der Embde (1780–1862), Ludwig Sigismund Ruhl (1794–1887) und Carl Glinzer (1802–1878).
1839 übernahmen die Brüder Karl Heinrich und Paul Wilhelm Arnold die Tapetenfabrik, die damals über 100 Arbeiter beschäftigte. 1883 wurde der Betrieb geschlossen, das 1851 angekaufte, heute noch in Grundzügen vorhandene Gebäude blieb aber bis 1926 in Familienbesitz.
(UH)
- Belege
- Kassel-Lexikon, Bd. 1, Kassel 2009, S. 40 f.
- Der Tapetenfabrikant Johann Christian Arnold. 1758–1842, bearb. von Sabine Thümmler, Kassel 1998
- Weiterführende Informationen
- Empfohlene Zitierweise
- „Umzug der Arnoldschen Tapetenfabrik an den Wilhelmshöher Platz in Kassel, 1815“, in: Zeitgeschichte in Hessen <https://www.lagis-hessen.de/de/subjects/idrec/sn/edbx/id/6882> (Stand: 18.12.2025)
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