Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

Inhalt
- Umzug der Familie nach Dillenburg 1912
- ...
- Bahnwachdienst bei Wetzlar, Abrücken zum Frontdienst
- Aufenthalt in Guntersblum (Rheinhessen)
- Aufenthalt in Guntersblum (Rheinhessen)
- Bildung eines Landwehr-Ersatz-Bataillons in Mainz
- Fahrt an die Ostgrenze
- Weiterfahrt durch Russisch-Polen
- Erstes Quartier in Miechów
- ...
- Vorrücken über die Warthe
↑ Otto Merkel, Geschichte der Familie Merkel 1912-1919
Abschnitt 33: Bildung eines Landwehr-Ersatz-Bataillons in Mainz
◀ [117-118] Mit Hurrah verließ der Zug Guntersblum und brachte uns spät am Abend nach Mainz. Hier war alles so voll Soldaten, dass wir Mühe hatten, ein Nachtquartier zu finden. Auf dem Kasernenhof der 88er Kaserne1warteten wir auf unsere Quartiermacher. Endlich kamen sie an und führten uns in eine Seitenstraße in den Hof einer Brauerei, ich glaube, es war die Schöfferhofbrauerei2. Dort kletterten wir auf Treppen in die unterirdischen Malzkeller hinab, die als Truppenlager eingerichtet waren. Wir wickelten uns in die Decken, legten uns auf das Stroh und schliefen bald ein.
Am andern Morgen bekamen wir Kaffee und Brot, auch noch am Mittag eine Portion Essen, und dann verließen wir die Katakomben und marschierten wieder zur Kaserne der 88er. Hier wurde uns jetzt die große Exerzierhalle als Quartier angewiesen. Sie war vorher Pferdestall gewesen und roch noch verdächtig nach Pferdemist. In ihr waren mehrere Reihen Pritschen gelegt, welche mit Strohsäcken und Decken belegt waren. Nachts war es schon empfindlich kühl darin. Zum Essen mussten wir mittags nach der Kaserne der 87er3 auf der Zitadelle marschieren, wo die Kost nicht sehr berühmt war und meist nicht recht gar. Hier wurde ich zum letzten Mal gewogen und drückte mit 208 Pfd. auf die Waage als schwerster Mann der Kompagnie.
Während der Tage unseres Aufenthalts in Mainz wurde das Bataillon neu formiert, bekam 4 Kompagnien und wurde als Landwehr-Brigade-Ersatz-Bataillon Nr. 41 bezeichnet. Seine Führung übernahm der Major Diekmann. Sein Adjudant war der Oberleutnant Schenk. Unsere 2. Kompagnie führte der Oberleutnant Hertsch, ein Realschuldirektor aus Schotten4. Die Kompagnie Mutter? war Klaft, ein Fabrikaufseher aus Hanau, der 12 Jahre gedient, aber kurz vor Torschluß die Uniform hatte ausziehen müssen aus irgend einem unbekannten Grunde. Die 3 Zugführer waren der Offizierstellvertreter Lannspach, Polizeikommissar in Griesheim, der Off. (?) Schöttler, ein Gerichtssekretär und der Off.(?) Hermann, ein Rechtsanwalt aus Hanau. Letzterer hatte unseren Zug, den 2. Von den Unteroffizieren seien genannt: der Feldwebel Dachwitz, ein Chinakämpfer und Musikant, der Sergeant Peter, der Fourier, die Unteroffiziere Sprengel, der später Feldwebel wurde, Hense von Herbornsaalbach5, Hartmann, der wegen Lungenentzündung auf dem Russenwägelchen (?) nach Deutschland gefahren werden musste, Zipp, der als Metzger dem Fourier zugeteilt war, der lange Marquardt und unser Korporalschaftsführer Schöll, der ebenfalls bei Mogiler(?) schwer verwundet wurde.
Unsere Kompagnie bestand vorwiegend aus älteren Landwehrleuten. Nur eine kleine Anzahl Kriegsfreiwilliger [S. 118] passte nicht recht in den Rahmen. Die große Mehrzahl stammte übrigens aus dem Kreise Wetzlar und dem Dillkreis. Ich habe zusammengestellt, dass über 100 Mann aus dem Dillkreis waren.
Mehrere Tage machte ich Dienst, der fast nur aus Instruktionen bestand. Als ich während einer Instruktionsstunde Gelegenheit bekam, einen Vortrag über Geschossbahn (?) u. dgl. zu halten, fiel ich dem Zugführer Off.R. Hermann auf, der mich nach Namen und Ort fragte. Diesem Umstand habe ich es wahrscheinlich zu verdanken gehabt, dass mich am nächsten Tage der Feldwebel Klaft auf die Schreibstube bestellte, die in dem Westflügel lag und mir die Führung der Stammrolle und der schriftlichen Arbeiten übertrug, was ich gern übernahm, denn welcher Soldat lehnt wohl einen Druckposten ab? ▶
- Das 2. Nassauische Infanterie-Regiment Nr. 88 lag in der Elisabethen-Kaserne an der Goldgrube in Mainz. ↑
- Die Schöfferhof Brauerei lag auf dem Kästrich (Ecke Kästrich / Martinsstraße). ↑
- Das 1. Nassauische Infanterie-Regiment Nr. 87. ↑
- Schotten, Vogelsbergkreis. ↑
- Seelbach, früher Herbornseelbach, heute Stadtteil von Herborn. ↑
| Empfohlene Zitierweise: | „Otto Merkel, Geschichte der Familie Merkel 1912-1919, Abschnitt 33: Bildung eines Landwehr-Ersatz-Bataillons in Mainz“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/de/purl/resolve/subject/qhg/id/5-33> (aufgerufen am 06.05.2026) |
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