Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

Inhalt
- Umzug der Familie nach Dillenburg 1912
- ...
- Wanderung über den Westerwald nach Koblenz
- Wanderung und Fahrt entlang der Mosel
- Wanderung durch die Eifel nach Daun
- Fahrt von Daun nach Niedermendig
- Wanderung zurück nach Dillenburg
- Wanderung von Gelnhausen durch den Spessart
- Wanderung durch den Spessart bis Miltenberg
- ...
- Vorrücken über die Warthe
↑ Otto Merkel, Geschichte der Familie Merkel 1912-1919
Abschnitt 16: Fahrt von Daun nach Niedermendig
◀ [102] Von Daun brachte uns die Bahn nach Niedermendig1, wo wir wieder Station machten. Wir sorgten uns für ein Zimmer und benutzten dann den Rest des Tages zur Besichtigung zweier sehr verschiedener Sehenswürdigkeiten. Metz mussten wir allerdings zurücklassen, denn bei ihm hatte sich jetzt dasselbe Leiden eingestellt, dem Grävenstein am ersten Wandertag mit Not entronnen war. Zu dreien begaben wir uns also zunächst zu den großen Felsenkellern der Niedermendiger Brauerei. Bergwerktief liegen sie in der Erde, durch Treppen oder Fahrstühle zu erreichen. Und in den unterirdischen Hallen ruhen die dickbäuchigen Fässer voll Gambrinussaft2. Wir erhielten Eintritt in eine dieser Schatzkammern, tranken an Ort und Stelle einen Schoppen, der uns kredenzt wurde, und empfanden die Hitze des Tages doppelt als wir aus dem eiskalten Stollen wieder ans Tageslicht kamen. Unser zweiter Besuch galt dem Laacher See3, der allerdings noch fast eine Stunde entfernt liegt. Der Blick auf den See enttäuschte uns zwar, da von unserer Seite aus der Blick nicht ganz frei war. Auch der Abtei Maria-Laach4 widmeten wir ein Viertelstündchen und kamen gerade recht, einer Abendandacht der Mönche jenseits der Klausur zuschauen und zuhören zu können. Die monotone Litanei und die Wechselgesänge mit dem immer wiederkehrenden Refrains übten in der Abenddämmerung der Klosterkirche einen betäubenden Eindruck aus, der erst verschwand, als der Bruder Schlüsselmeister uns höflich bat, das Gotteshaus zu verlassen, da er zuschließen müsse. Bei Meckel hatten sich unterdessen heftige Zahnschmerzen eingestellt, wahrscheinlich hatte er sich in den kalten Felsenkellern erkältet. Wir waren deshalb froh, als wir auf dem halben Rückweg ein Fahrzeug erwischten, das uns gegen Bezahlung mit nach Niedermendig nahm. Da wir nun 2 Patienten hatten, suchte nach dem Nachtessen jeder sein Bett auf. Meckels Zahnschmerzen vergingen wieder über Nacht, doch Metz behauptete am andern Morgen, dass er auf dem kürzesten Wege nachhause reisen müsse, weil er seinem Verdauungsapparat nicht mehr traue. Nur den Drachenfels5 wollte er noch mit uns besichtigen; doch wurde auch schließlich daraus nichts. ▶
- Heute Teil der Stadt Mendig, Kreis Mayen-Koblenz. ↑
- Bier. ↑
- Vulkansee nördlich von Mendig in der Vordereifel. ↑
- Benediktinerabtei am Laacher See. ↑
- Burg Drachenfels, Siebengebirge zwischen Königswinter und Bad Honnef. ↑
| Empfohlene Zitierweise: | „Otto Merkel, Geschichte der Familie Merkel 1912-1919, Abschnitt 16: Fahrt von Daun nach Niedermendig“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/de/purl/resolve/subject/qhg/id/5-16> (aufgerufen am 07.05.2026) |
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