Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

Inhalt
- Umzug der Familie nach Dillenburg 1912
- ...
- Entwicklung in der Familie Merkel, Erkrankung der Frau
- Wanderung über den Westerwald nach Koblenz
- Wanderung und Fahrt entlang der Mosel
- Wanderung durch die Eifel nach Daun
- Fahrt von Daun nach Niedermendig
- Wanderung zurück nach Dillenburg
- Wanderung von Gelnhausen durch den Spessart
- ...
- Vorrücken über die Warthe
↑ Otto Merkel, Geschichte der Familie Merkel 1912-1919
Abschnitt 15: Wanderung durch die Eifel nach Daun
◀ [101-102] Es war schon dämmrig, als wir das Seminarstädtchen erreichten. Im Führer war ein Bahnhofshotel empfohlen. In dem Halbdunkel unterschieden wir auch gleich an der ersten Hausfront die Inschrift „Zum Bahnhof“. Also hinein. Doch wir waren hereingefallen. Zwar war das Essen gut, aber als wir auf unser Zimmer kamen, war noch kein Bett gemacht, die Bilder hingen schief und hatten zerbrochene Scheiben, die Zugvorrichtungen an den Fenstervorhängen funktionierten nicht, die Tapeten und Teppiche waren zerrissen, kurzum, es war eine rechte Lotterwirtschaft. Und erst der Zustand eines verschwiegenen und doch notwendigen Örtchens, doch davon wollen wir schweigen. Als wir noch ein Stündchen unten in der Vorhalle saßen, erfuhren wir auch die Ursache dieser Unordnung. Es war keine Frau im Hause. Der Besitzer saß mit einigen zweifelhaften Gästen am Nebentisch, hatte scheinbar einen über den Durst getrunken und erzählte bald lachend, bald weinend, dass ihm seine Frau durchgebrannt sei. Wir hatten nicht Lust, dieser Familientragödie, die mit allen möglichen Einzelheiten geschildert wurde, länger zu lauschen und begaben uns zu Bett, um am anderen Morgen so früh wie möglich zu marschieren. Dabei stellten wir dann fest, dass unmittelbar neben uns das richtige Bahnhofhotel lag, das einen sauberen und soliden Eindruck machte. Wir fuhren nun bis Mandscheid1 und begannen von dort aus unsere Wanderung durch das Gebiet der Maare. Die Dörfchen, die wir passierten, machten einen ärmlichen Eindruck, die Felder zeigten nur kümmerliches Wachstum, ein Beweis, dass auf den Lavafeldern die Verwitterungsschicht noch dünn war. Überall trat die vulkanische Lavamasse zu Tage. Die Maare, ersoffene vulkanische Krater machten einen eigenartigen Eindruck. Wir passierten das Schalkenmehrener, das Weinfelder Maar am Mäuseberg [S. 102] und das Gemündener Maar. In Daun2erreichten wir dann wieder die Eifelbahn. Vor dem Städtchen kochten wir jedoch erst ab und beobachteten das Treiben einer großen Schar junger Mädchen in einer Art Villenkolonie, die uns gerade gegenüber lag. Der Führer gab über die Art dieses Instituts keinen Aufschluß. Wir rieten auf eine Erziehungsanstalt, Pensionat oder dgl., hörten aber nachher, dass es ein Urlaubsheim für die Verkäuferinnen der großen Tietzschen Warenhäuser3 sei. ▶
- Manderscheid, Ort im Kreis Bernkastel-Wittlich. ↑
- Daun, Kreisstadt des Kreises Vulkaneifel. ↑
- Die Warenhäuser der jüdischen Familie Tietz waren die Vorläufer der Kaufhof- bzw. Hertie-Kaufhäuser. ↑
| Empfohlene Zitierweise: | „Otto Merkel, Geschichte der Familie Merkel 1912-1919, Abschnitt 15: Wanderung durch die Eifel nach Daun“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/de/purl/resolve/subject/qhg/id/5-15> (aufgerufen am 07.05.2026) |
|---|
