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Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg

↑ Karl Spieß, Die Mobilmachung in Biedenkopf und die Kriegsmonate bis März 1916

Abschnitt 15: Abschnitt 15

[Sp. 249]
Noch ist sie ja noch zu tragen, noch ist die Not ferngehalten, denn es ist Arbeit und Verdienst vorhanden. Die Hüttenwerke, die Seelen der heimischen Arbeit, schaffen wieder mit voller Schicht. Sie gießen Granaten! Ein schauerliches Handwerk! Zehn Schritte von der Stätte, da unsere Verwundeten drunten im Lazarett der behutsamen Pflege des Arztes und seiner Gehilfinnen anvertraut sind, werden die tod- und verderbenbringenden Geschosse fürs Schlachtfeld bereitet; welche Gegensätze! Und doch wie gut, dass unsere Hüttenarbeiter Brot haben! Wochenlang haben sie mit im Felde an Wegen und Gräben geschafft, sich im Stadtwald nützlich gemacht und auf solche Art einen, wenn auch mäßigen Tagelohn (2,70 bis 3 Mk.) verdient, während andere Männer Verdienst durch Arbeiten bei der Eisenbahn fanden und noch finden. Für Familien der Krieger ist gesorgt. Sie bekommen ihre staatliche Unterstützung, die von der Stadt vorgelegt und meist durch Zuschüsse aus der Stadtkasse ergänzt wird. Manche Feldzugsteilnehmer haben für ihre Löhnung draußen keine Verwendung, sie erfreuen daher ihre Lieben mit Barsendungen aus dem Felde. Damit die Frauen sich durch Tagelohn noch etwas hinzuverdienen können, tritt auch hier der Frauenverein ins Mittel und übernimmt die Beaufsichtigung und Beschäftigung der noch nicht schulpflichtigen Kinder. Junge Mädchen unterziehen sich der ihnen zugewiesenen Aufgabe und die Kinder haben Freude an ihrer „Kleinkinderschule“. Die Zeit wird natürlich mit Spielen verbracht, daneben auch erzieherisch und belehrend auf die Kleinen eingewirkt. Der Abschiedsgruß „adieu“ ist bei ihnen verpönt. Die Kinder sagen beim Auseinandergehn „auf Wiedersehn“. Recht so: kein Fremdwort, für das ein gutes deutsches Wort zu haben ist.

Der kriegerischen Ereignisse im September sind es nicht so viele, als im ersten Kriegsmonat. Große Entscheidungsschlachten wollen Zeit haben zu ihrer Entwicklung: indessen die nächsten Tage werden Erfolge melden von allen Ende. Vertrauen wir unseren Heerführern und unsern wackern Soldaten! Wie so manche von ihnen bereits mit Auszeichnungen belohnt worden sind, hat auch schon ein Biedenköpfer Kind sich das Eiserne Kreuz erworben: es ist dies der Leutnant der Reserve im Leibgarde-Regiment 115 Ernst Hosch, der zum Reserveregiment 116 kommandiert worden war und bei Beaumont eine leichte Verwundung davongetragen hat. Auch Reserveleutnant Viktor Mika, der bis zum Tage der Mobilmachung als Regierungs-Zivilnumerar auf hiesigem Landratsamt beschäftigt war, erwarb sich das Eiserne Kreuz. Wir hoffen, daß der dritte Kriegsmonat noch mehreren unserer jungen Mitbürger die Freude dieser ehrenvollen Auszeichnung zu Teil werden läßt.


Empfohlene Zitierweise: „Karl Spieß, Die Mobilmachung in Biedenkopf und die Kriegsmonate bis März 1916, Abschnitt 15: Abschnitt 15“, in: Hessische Quellen zum Ersten Weltkrieg <https://www.lagis-hessen.de/index.php/de/purl/resolve/subject/qhg/id/1-15> (aufgerufen am 06.05.2026)