Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen

Jüdische Wohlfahrtspflege 1932/33

Description

Titelseite der Druckausgabe

Das Modul Jüdische Wohlfahrtspflege 1932/33 stellt eine Bearbeitung des von der Zentralwohlfahrtsstelle der Deutschen Juden herausgegebenen Publikation Führer durch die jüdische Gemeindeverwaltung und Wohlfahrtspflege in Deutschland. 1932–33 dar. Der mit Abstand größte Abschnitt dieser Erhebung enthält auf 420 Seiten eine nach Ländern, Provinzen und weiteren Einheiten gegliederte, auf der jeweils untersten Ebene alphabetisch nach Gemeinden geordnete Zusammenstellung von Angaben zur Organisation der Gemeinden und ihrer wohlfahrtspflegerischen Arbeit.

Für die vorliegende Online-Bearbeitung wurden aus diesem Abschnitt die 335 im heutigen Bundesland Hessen gelegenen jüdischen Gemeinden der Rheinprovinz und der Provinz Hessen-Nassau des Freistaats Preußen sowie der Provinzen Oberhessen und Starkenburg des Volksstaats Hessen berücksichtigt.

Hatte sich die wenige Jahr zuvor erfolgte Erhebung noch auf den Bereich Wohlfahrtspflege beschränkt (Führer durch die jüdische Wohlfahrtspflege in Deutschland, Berlin 1928/29), so stellte das hier behandelte Werk insofern eine erhebliche Erweiterung dar, als zusätzlich die jüdische Gemeindeverwaltung, das jüdische Schul- und Bildungswesen sowie die jüdischen kulturellen Einrichtungen in Deutschland Berücksichtigung fanden. Beide „Führer“ gehören zu den zentralen Quellen der Dissertationsschrift Jüdische Wohlfahrtspflege in der Weimarer Republik von Verena Hennings. In ihr befasst sich die Autorin ausführlich mit der Entwicklung der jüdischen Wohlfahrtspflege und ihrer Bedeutung für die jüdische Kultur in Deutschland. Dabei arbeitet sie beispielhaft die religiösen Grundlagen der jüdischen Wohltätigkeit heraus.

Ausschnitt aus der Druckausgabe: Israelitische Gemeinde Rhina

In der Darstellung von Verena Hennings ist auch einer der Fragebögen wiedergegeben, mit dem die Zentralwohlfahrtsstelle die Erhebung, die offenbar in mehreren Schritten erfolgte, durchführte (vgl. S. 82 ff.). Wie die Aufbereitung der Ergebnisse dieser Befragungen für die Druckausgabe geschah, wird aus dem nebenstehenden Beispiel für die Israelitische Gemeinde Rhina ersichtlich. Für die Online-Ausgabe – vgl. ebenfalls das Beispiel Rhina – wurden die zahlreich enthaltenen Abkürzungen aufgelöst. Außerdem wurden wichtige Einzelposten datenbank-gestützt erfasst, so dass mithilfe der Erweiterten Suche gezielt bestimmte Phänomene wie die Orientierung der Gemeinden (orthodox/liberal), das Vorhandensein bestimmter Einrichtungen (Friedhof, Synagoge, ...) oder auch der Anteil der jüdischen Bevölkerung an der örtlichen Einwohnerzahl in Prozent (z.B. >=5 | <1 | 4-7) in den Blick genommen werden können.

Letzterer wird in der Online-Ausgabe bei jedem Datensatz als berechneter Wert in eckigen Klammern mit ausgegeben. In den hessischen Provinzen war dieser Anteil im Vergleich zu anderen Gebieten in Deutschland besonders hoch. Verena Hennings hat aus den Angaben zu den Jahren 1928/29 für den Freistaat Preußen einen Durchschnittswert von 2,4 % errechnet, der in der Provinz Hessen-Nassau mit 4,3 % deutlich höher lag. In den übrigen Ländern des Deutschen Reiches liegen die Anteile mit 2,5 % im Volksstaat Hessen und 3,3 % im damals noch selbstständigen Freistaat Waldeck ebenfalls über dem reichsweiten Durchschnitt von 2,2 %.

Weiterhin enthalten die Erhebungen in vielen Fällen Angaben zur Anzahl der Zensiten, also den der jüdischen Gemeindesteuer unterliegenden Steuerpflichtigen, zum Gemeinde-Etat sowie zur Höhe der Gemeindesteuer. Die Gemeindesteuer wird als Anteil in Prozent an der Reichseinkommenssteuer angegeben. Dieser Anteil konnte sich von Gemeinde zu Gemeinde erheblich unterscheiden (Oberursel: 1 %, Diemerode: 400 %!). Auch hier kann mithilfe der Erweiterten Suche gezielt nach bstimmten Anteilen gesucht werden, wobei wiederum die Operatoren >, >=, <, <= und n-n (Bereichsoperator) zum Einsatz kommen. Bitte beachten Sie, dass ausschließlich der Anteil an der Reichseinkommenssteuer für den Vergleich herangezogen wird. In einigen Gemeinden wurden zusätzliche Abgaben erhoben, zum Beispiel auf Einnahmen aus Grundvermögen.


Kontakt:

Stefan Aumann
Hessisches Landesamt für geschichtliche Landeskunde, Marburg

 
Hessisches Landesamt für Geschichtliche Landeskunde