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Hessian Biography

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Braun, Karl Joseph Wilhelm [ID = 8817]

* 20.3.1822 Hadamar, † 14.7.1893 Freiburg im Breisgau, katholisch
Dr. jur. – Jurist, Publizist, Hofgerichtsprokurator, Abgeordneter, Rechtsanwalt, Landtagspräsident
Biographical Text

Braun zählt neben Friedrich Lang zu den bedeutendsten nassauischen Liberalen. Nachdem Braun zwischen 1843 und 1847 für das „Siegener Bürgerblatt für Stadt und Land“ und die klerikal-konservative Koblenzer „Rhein-Mosel-Zeitung“ gearbeitet hatte, setzte er sich seit 1848 in der liberalen „Nassauischen Zeitung“ in Wiesbaden für die Erneuerung der Verfassung unter Beibehaltung der Monarchie ein. 1848 war er Gründungsmitglied des „Demokratischen Vereins“ in Wiesbaden (gegründet 12.7.1848) sowie nach seiner Strafversetzung Vorsitzender des „Demokratischen Vereins“, dann des „Vereins zur Wahrung der Volksrechte“ in Sankt Goarshausen, 1850 schließlich Präsident des „Vereins zur Wahrung der Volksrechte“ in Dillenburg. 1850 verteidigte Braun erfolgreich Gesinnungsfreunde, die wegen ihrer Teilnahme am demokratischen Landeskongress in Idstein (1849) wegen Majestätsbeleidiung und Hochverrats angeklagt waren, darunter Raht, Lang, Snell, Müller, Justi, und Wenckenbach. 1859 erblickte er als Vorsitzender des „Volkswirtschaftlichen Kongresses“ und als Mitherausgeber der „Rhein-Lahn-Zeitung“ in einer wirtschaftlichen Liberalisierung und im Anschluss Nassaus an Preußen notwendige Schritte auf dem Weg zur deutschen Einheit.

Seit 1859 war Braun Mitglied im kleindeutsch orientierten Nationalverein. Mit großer rhetorischer Begabung engagierte Braun sich u.a. für die vollständige Freizügigkeit innerhalb der deutschen Staaten, für die Zustimmung zum preußisch-französischen Handelsvertrag (1862) sowie für den Verbleib des Herzogtums Nassau im Zollverein. 1863 gehörte er neben Dilthey und Lang zu den Begründern der nassauischen Fortschrittspartei, die eine kleindeutsche Lösung unter preußischer Führung sowie die Wiederinkraftsetzung der Frankfurter Reichsverfassung und des nassauischen Staatsrechts von 1849 anstrebte. Im Deutschen Reich unterstützte Braun zunächst Bismarcks Politik, wandte sich aber dann mit den Freisinnigen gegen dessen Schutzzollpolitik.

Brauns umfangreiches schriftstellerischess Werk umfasst neben juristischen und volkswirtschaftlichen Sachbüchern kuluturgeschichtliche und belletristische Arbeiten sowie Reisebücher und Briefsammlungen. Besondere Berühmtheit erlangten die „Bilder aus der deutschen Kleinstaaterei“ (1869), eine satirische Kritik an den nassauischen Verhältnissen. (C. Rösner)


Bibliography