Hessian Biography
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GND-ID
1020625813
Hessen-Rotenburg, Carl Constantin Prinz von [ID = 10015]
- * 10.1.1752 Frankfurt am Main, † 18.5.1821 Frankfurt am Main, katholisch
Soldat, Rittmeister, Kommandant, Lieutenant-Colonel, Colonel, Mestre de camp, Brigadier der Kavallerie, Generalmajor, General-Lieutenant, Divisionsgeneral - Biographical Text
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Prinz Carl erhielt bereits 1765 ein Kapitäns-Patent im französischen Regiment Royal Allemand in Straßburg. Ab 1772 tatsächlicher Kompanie-Chef, wurde er 1776 und 1779 Mestre de Camp-Commandant. 1783 wurde er zum Husarenregiment Esterhazy in Rocroy bei Montmédy versetzt und avancierte 1788 zum Maréchal de Camp. Der Prinz blieb auch nach Ausbruch der Revolution im Dienst, schloss sich Robespierre und der Jacobiner-Bewegung an und wurde so 1792 Generalleutnant, dann sogar Divisionsgeneral. Seine Denunziationen trugen wohl dazu bei, dass General Custine 1793 auf dem Schafott endete, und führten in Lyon zu weiteren Verhaftungen und Hinrichtungen. Trotzdem blieb der Citoyen Hesse, wie er sich nannte, den Revolutionären verdächtig, wozu nicht nur seine adelige Herkunft, sondern sicher auch sein aufbrausender, unsteter und intriganter Charakter beitrugen. Übertragene Aufgaben wurden ihm wiederholt wieder entzogen. 1793/94 wurde er verhaftet, kam aber nach Robespierres Sturz wieder frei und betätigte sich weiter als Jacobiner. Von Frankreich aus stritt er mit seinem Bruder Emanuel um einbehaltene Apanagegelder und stellte Landgraf Wilhelm IX. in Kassel die Kurwürde in Aussicht, wenn er ihn und damit Frankreich unterstützen würde. Als konspirativer Geist geriet er in den Verdacht, gemeinsame Sache mit dem Kommunisten François Babeuf (1760–1797) gemacht zu haben, konnte aber der erneut drohenden Verhaftung entgehen.
Als Napoleon Bonaparte 1799 zum Ersten Konsul ernannt wurde, ließ er Carl alsbald verhaften, in der Conciergerie festsetzen, schließlich aus Paris ausweisen und nach St. Denis verbannen. Da sich Carl, wieder nach Paris zurückgekehrt, weiter konspirativ betätigte, wurde er 1801 erneut inhaftiert und auf die Ile d’Oléron verbracht. Vor der drohenden Deportation nach Madagaskar gelang ihm 1802 die Flucht in die Schweiz. Er blieb zunächst in Basel und beschäftigte sich dort mit Naturgeschichte. 1803 kehrte er nach Hessen zurück. Zunächst in Frankfurt untergekommen, wurde ihm mit seiner Mätresse zeitweilig eine Wohnung im Schloss Babenhausen zugewiesen. Nach kurzen Aufenthalten in Hamburg und Leipzig lebte er ab 1804 wieder vorwiegend in Frankfurt. In den schon von Frankreich aus betriebenen Verhandlungen mit dem nunmehrigen Kasseler Kurfürsten Wilhelm und Bruder Emanuel in Rotenburg über Apanage und Unterhalt suchte Carl beide Seiten gegeneinander auszuspielen, schloss Verträge, die er kurz darauf wegen verletzter Ehre wieder für nichtig erklärte, und bemühte sich durch den Verzicht auf eine Heirat und auf Erbansprüche an die Quart, die er aufgrund des Primogeniturrechts zu Lebzeiten seines Neffen Victor Amadeus gar nicht hatte, in Kassel Unterstützung zu gewinnen. Immerhin wurde die Streichung Carls aus der Stammtafel des Hauses Hessen ebenso rückgängig gemacht wie die 1793 erfolgte Aberkennung des Hausordens vom Goldenen Löwen. Als der Prinz dann 1812 das Volk in Frankfurt gegen die Regierung Großherzog Dalbergs aufzuhetzen suchte, wurde er festgesetzt und aus der Stadt verbannt.
Carl ging nach Paris zurück, wurde aber auch dort wie wenig später in Straßburg ausgewiesen und suchte jetzt Zuflucht in Darmstadt, wo er, wie er es zuvor schon in Kassel getan hatte, Großherzog Ludewig durch Androhung von Skandalen und tatsächlich skandalöses Verhalten nötigte, seine Schulden zu bezahlen und ihm Unterhalt zu gewähren. Bis zum Ende des Königreichs Westphalen lebte Carl dann in Basel, wo er sich wieder schriftstellerisch betätigte. Schon vor der Revolution hatte er in Frankreich unter dem Namen Prince de Hesse-Rheinfels eine militärische Studie ‚Le Partisan’ verfasst, die 1810 und 1815 neu aufgelegt wurde. Dazu kamen jetzt noch eine weitere politisch-militärische Schrift, von der er Auszüge an Kurfürst Wilhelm schickte, und eine kuriose Genealogie der Familie Bonaparte, die danach von einem Appenzeller Hirten namens Guttheil abstammen sollte. Der Kasseler Familiensenior beschaffte Carl 1817 die Erlaubnis, nach Frankfurt zurückzukehren, wo er 1821 nach einem Schlaganfall starb und auf dem Petri-Kirchhof beigesetzt wurde.
Uta Löwenstein
(Text identisch mit: Franz, Das Haus Hessen, S. 222 f.)
- Bibliography
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- Franz, Das Haus Hessen. Ein biographisches Lexikon, Darmstadt 2012, Nr. HR 31, S. 222 f. (Uta Löwenstein)
- Frankfurter Biographie, Bd. 1, Frankfurt am Main 1994, S. 325
- Biographie Universelle Ancienne et Moderne, Paris, Louis Gabriel Michaud, 1857, tome 19, S. 383 f.
- Buchez, Philippe et Roux, Charles-Prosper: Histoire parlementaire de la Révolution française, Paris, Paulin, 1835, tome 22, S. 279
- Chuquet, Arthur Maxime: Un prince jacobin, Charles de Hesse, ou Le général Marat, S. 3-6
- Grille, François Joseph: La Vendée en 1793, Paris, Chamerot, 1851, tome 1, S. 120
- Morin, Jérôme: Histoire de Lyon depuis la révolution de 1789, Lyon, Ch. Savy Jeune, 1847, tome 2, p. 183-184, S. 211-215, 228
- Neuhaus, Wilhelm: Der Jakobinerprinz, in: Der Jakobinerprinz und andere Geschichten, 2. Auflage, Bad Hersfeld 1986, S. 39-65
- Savary, Jean Julien Michel: Guerres des Vendéens et des Chouans contre la République Française, Paris, Baudouin frères, 1824, tome 2, p. 17
- Tilly, Alexandre: Mémoires du comte Alexandre de Tilly pour servir a ̀l'histoire des mœurs de la fin du 18e siècle, Paris, chez les marchands de nouneauté, 1828, tome 1, p. 316
